Gemeinsam lernen und leben

Mehrrem, Farid und Lamann sind eifrig bei der Hausaufgabe. Sie erhalten von Sonja Ullamann (im Vordergrund) Unterstützung. Kseniia Lutsenko (rechts) hilft als Dolmetscherin. Bei Willy Koegst laufen alle Fäden zusammen. Bild: war
Lokales
Etzenricht
02.04.2015
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Die Etzenrichter machen vor, wie Integration funktioniert. Sie helfen den Flüchtlingen bei den Hausaufgaben und erkunden mit den Kindern die Umgebung. Künftig sollen die Asylbewerber in die Vereine eingebunden werden.

Seit der Ankunft der Flüchtlingsfamilien aus Aserbeidschan, Armenien und der Ukraine im Mautnerhaus kümmern sich Etzenrichter um sie. Im Vordergrund stehen Hausaufgabennachhilfe und Unterstützung bei Alltäglichem.

Zweifacher Glücksfall

Mehrrem, Farid und Lamann machen schon Fortschritte, was die Sprache angeht. Sie schwärmen von der Weidener Altstadt und einem Besuch im Nürnberger Zoo. Gemeinsam mit Willy Koegst erkundeten die drei die umliegende Natur. Der pensionierte Psychologe Koegst führt die private Initiative der Etezenrichter federführend an. Der Gemeinderat kann auf die Hilfe von Frauen aus dem Ort bauen. Maria Harwig, Karoline Hammer und Sonja Ullamann helfen mehrmals die Woche, besuchen die Familien, büffeln mit den Kindern die deutsche Sprache, geben den Eltern Tipps für den Alltag oder leisten Fahrdienste.

Rektor Wolfang Bodensteiner lobt: "Ich bin froh, dass es solche Menschen wie Willy Koegst und sein Team gibt. Sie sind auf zweifache Art ein Glücksfall." Zum einen würden die Kinder profitieren. Zum anderen werden die Lehrer unterstützt. Die Idee kam Bodensteiner bei einer Fortbildungs-Veranstaltung in Regensburg. Dort wurde er auf das Projekt "Integrationshelfer" aufmerksam. "Mir kam sofort Willy aufgrund seiner Erfahrungen mit Jugendlichen in den Sinn. Er erklärte sich bereit, unseren Kindern bei den Hausaufgaben behilflich zu sein und war seit diesem Zeitpunkt auch immer bemüht, sie außerschulisch zu integrieren." Koegst begleitete in der Regel ein halbes Dutzend Mädchen und Buben, die im Heim im alten Forsthaus untergebracht waren, dehnte sein Engagement auf die Bewohner des Mautnerhauses aus, in dem über 30 Flüchtlinge Platz finden. Wertvolle Unterstützung für die Etzenrichter leistet Kseniia Lutesenko als Dolmetscherin. "Wenn es mal sprachlich hakt, ist sie zur Stelle", freut sich Sonja Ullamann. Sie ist als Lehrerin in der Flosser Schule tätig.

Mit dem bevorstehenden Osterfest gehen die Familien unterschiedlich um. Größtenteils sind die Flüchtlinge Moslems, die Christen sind in der Unterzahl. "Wir haben in der Ukraine ähnlich Bräuche, dazu zählt der Kirchgang, das Färben von Eiern und das Mitbringen von Kerzen, die im Gotteshaus geweiht werden", übersetzt Kseniia Lutsenko die Aussage eines Vaters.

In Vereine integrieren

In einem weiteren Schritt wollen die Betreuer dafür sorgen, dass ihre Schützlinge in das örtliche Vereinsleben integriert werden, beispielsweise regelmäßig Sport mit Gleichaltrigen treiben.
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