Schlagerspiel um Meistertitel in der Kreisklasse West lockt über 1000 Zuschauer nach Etzenricht
Stadionfieber statt "Sky"

Wer braucht schon Manchester, Mailand, München oder Madrid, wenn er Mantel gegen Kohlberg sehen kann? Nach dem Zuschauerinteresse beim Landkreis-Derby in der Kreisklasse West würden sich viele Bayernligisten die Finger abschlecken. Bilder: war (2)
Sport
Etzenricht
28.05.2015
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Wie viele Zuschauer werden denn kommen? 700, 800? So schätzten Experten das Interesse am Schlagerspiel um den Meistertitel in der Kreisklasse West ein. Weit gefehlt. Über 1000 waren da. Und die hatten ihren Spaß.

Mantel gegen Kohlberg in Etzenricht. Der Erste gegen den Zweiten, der Sieger steigt auf, der Zweite kann es über die Relegation packen - mehr Derby geht nicht. Ein Kohlberger Edelfan vor Ort war Markus Lukas alias "Lucky". Er brachte den Andrang so auf den Punkt: "Ich denke, dass jeder, der die Kohlberger Kläranlage benutzt, heute die acht Kilometer nach Etzenricht gekommen ist." Schätzungsweise sechs bis sieben Omnibusse hätten die Kohlberger Fans, von Schulkindern bis zu Omas, gefüllt. Aus Mantel waren es kaum weniger.

Devise "ruhig bleiben"

"Eine solche Kulisse kann man sich nur wünschen, das wäre Motivation für den Amateurfußball jenseits vom Pay-TV-Angebot auf unseren Dörfern", freute sich Etzenrichts Abteilungsleiter Manfred Herrmann. Der Vorsitzende des VfB Mantel, Richard Paulus, verordnete sich in der spannenden Schlussphase, als sein Verein zurücklag, die Devise "ruhig bleiben". VfB-Abteilungsleiter Reinhhard Saßmann hätte im Fall eines Sieges wegen seinem Gipsbein ohnehin nicht mit Trainer Reinhard Marschke zum Freudentanz antreten können. "Ich nehme noch eine Halbe im Sportheim, wir bereiten uns dann mental auf die Aufgabe am Sonntag in Schlicht vor", verabschiedete er sich.

Spiel mit Rekordkulisse

Frenetisch feierte das Kohlberger Lager. Bis auf einen: Bürgermeister Rudolf Götz hielt die Stellung im Rathaus bei der Sprechstunde. "Eigentlich überflüssig, weil ja ganz Kohlberg auf Achse war", merkte ein Kohlberger an, der nicht genannt werden wollte. Götz war aber über seinen Etzenrichter Kollegen Martin Schregelmann über den Spielstand telefonisch informiert und kam fünf Minuten vor dem Schlusspfiff zum Platz. "Ich wollte kein Unglück bringen", entschuldigte er seine Verspätung. Spielervater und Ex-Fußballerchef Gerhard Reil jubelte mit Norbert Merkel, dem zweiten Vorsitzenden des SV Kohlberg. Sie waren sich einig: "So ein Spiel mit dieser Rekordkulisse prägt sich bei den Jungs ein, darüber werden sie in 20 Jahren noch reden."

Siegesfeier mit Zigarren

Für lautstarke Stimmung an der Bande sorgte ein halbes Dutzend Mädels im VfB-Trikot. Sie zeigten prächtige Kondition und lösten bei den grün-weißen Kohlbergern, die mit Schals, Megafonen und einem Riesenluftschlauch ausgerüstet waren, mehr und mehr Ehrgeiz beim Anfeuern aus. Wie viele Zuschauer werden denn kommen? 700, 800? So schätzten Experten das Interesse am Schlagerspiel um den Meistertitel in der Kreisklasse West ein. Weit gefehlt. Über 1000 waren da. Und die hatten ihren Spaß. (Bilder: Rudi Walberer)

Lob für den Service

Im Kohlberger Sportheim wurde zünftig auf den Tischen weitergefeiert. Mit Riesen-Weißbiergläsern und großen Zigarren. Letztere hatte SV-Edelfan Fanz Schiffl vorsorglich aus seinem Kuba-Urlaub eingeschmuggelt. Stark vertreten war an der Bande auch die Gilde der Trainer. Die weiteste Anreise hatte Edi Ipflkofer, Gallionsfigur im Management des SSV Jahn Regensburg und im Hauptberuf Kriminalkommissar. Er war mit seinem Freund Karlheinz Schreiner, ehemaliger Spieler des VfB, gekommen. Rüdiger Fuhrmann (Vorwärts Röslau), Markus Dagner (SC Luhe-Wildenau) und Christian Ringler - Spielertrainer in Königstein, dem nächsten Gegner des VfB Mantel und ehemaliger Kapitän des Etzenrichter Landesligateams - zählten zum Publikum. Ein Kompliment an den Service lieferte Martin Auschner, Vorsitzender des SV Etzenricht und Ausrichter: "Mit dieser Masse hatten wir nicht kalkuliert, dennoch haben die Helfer den Andrang tadellos bewältigt." Weder an der Kasse noch an den beiden Bratwurstbuden gab es größere Staus.
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