Bauernverband: Landwirtschaftliche Flächen können nicht mehr genutzt werden
Nein zur Erdverkabelung

Kreisobmann Josef Fütterer (rechts) zeigte den Ortsobmännern in der Frühjahrstagung die komplexen Probleme auf, die den Bauern zurzeit das Leben so schwer machen. Bild: bey
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05.04.2016
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"Wo bleibt mein Betrieb in der jetzigen Krise?" Antworten darauf versuchte Josef Fütterer, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, in der Frühjahrs-Obmännertagung des Bayerischen Bauernverbandes, zu geben. Kein leichtes Unterfangen, denn die Situation der bäuerlichen Betriebe resultiert aus einer komplexen Verzahnung von Problemen.

Sehr gut besucht war die Veranstaltung im Gasthaus Herrmann. Vor seinen Ausführungen zur Lage der bäuerlichen Betriebe sprach Kreisobmann Josef Fütterer das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) an. Dies sorge bei den Kollegen weiterhin für Spekulationen und Befürchtungen, weil bisher von politischer Seite strengste Geheimhaltung ausgeübt werde.

Mit Blick auf den Bau neuer Stromtrassen erteilte der BBV-Kreisobmann den Erdverkabelungen eine klare Absage, weil die dafür beanspruchten Flächen landwirtschaftlich nicht mehr nutzbar seien. Nur in Gebieten, wo es keine andere Lösung gebe, stimme der Bauernverband der Verkabelung zu.

Kritisch setzte sich der Kreisobmann mit der Situation der bäuerlichen Betriebe auseinander, die in ihrer Gesamtheit in einer totalen Preiskrise stünden. Die Ursachen seien vielfältig: das Russland-Embargo, die Wirtschaftsschwäche Chinas, der Verdrängungskampf im Lebensmitteleinzelhandel und die Entwicklung auf dem Milchmarkt. So sei der Export landwirtschaftlicher Produkte nach Russland nahezu vollständig zum Erliegen gekommen, bedauerte Fütterer. Das mache es notwendig, neue Märkte zu erschließen.

Die vorgelegten Zahlen untermauerten dies. Wurden 2013 von Januar bis August noch 224,2 Millionen Tonnen Fleisch- und Fleischwaren nach Russland exportiert, waren es 2015 lediglich 0,7 Millionen Tonnen. Ebenfalls rückläufig seien die Milchexporte nach China, die kurzzeitig nach dem Wegfall australischer Milch auf dem chinesischen Milchmarkt einen Höhepunkt erreicht hatten.

Preise im Keller


Im Lebensmitteleinzelhandel beherrschten fünf große Unternehmen drei Viertel des Marktes. Hier stelle sich die Frage, wie die Meinungen des Bundeskartellamtes umgesetzt würden. In zunehmendem Umfang böten auch Supermarktketten bekannte Markenartikel, besonders im Tiefkühlbereich, an. Die Erzeugerpreise bei den Schweinen sind laut Fütterer auf 1,25 Euro pro Kilo gesunken, der Verbraucherpreis beträgt im Schnitt 5,96 Euro. Auf dem Weltmarkt für Weizen drücke die Überproduktion ebenfalls auf den Preis. Auf dem Milchmarkt macht sich laut Fütterer das Ende der Quote bemerkbar. Die weitere Entwicklung aber hätten die Milcherzeuger selbst in der Hand, betonte der Kreisobmann.

Zur Verbesserung der bäuerlichen Situation forderte der Sprecher von der EU spürbare Vereinfachungen statt immer neue Erschwernisse. Die Erfüllung eines Zehn-Punkte-Katalogs vom August 2015 mit dem Erhalt zusätzlicher Mittel für die Landwirtschaftliche Unfallversicherung, der vollständigen Auszahlung der Betriebsprämie und einem Liquiditätshilfeprogramm beurteilt der Kreisobmann noch nicht als ausreichend. Deshalb fordere der BBV ein Programm zur Existenzsicherung bäuerlicher Betriebe, eine steuerfreie Risikovorsorge, weitere steuerliche Freibeträge und eine Verbesserung des Zuschusses zur Landwirtschaftlichen Unfallversicherung. Wichtig sei vor allem, dass die Betriebe gerechte Erzeugerpreise bekämen und mit der Gesellschaft in den Dialog träten.

Geschäftsführer Hans Winter wies Behauptungen zurück, nach denen die Bauern hohe Subventionen erhielten. Nur ein Prozent des Gesamtbudgets aller EU-Staaten werde für die Landwirtschaft ausgegeben. Ein deutliches Nein auch vom Geschäftsführer zu Erdverkabelungen bei Stromtrassen. Die regelrechte Verseuchung mit Stromkabeln sei abzulehnen.

Förderanträge im Internet


Leitender Landwirtschaftsdirektor Dr. Siegfried Kiener sieht die Wiedereinführung eines Milchkontingents für politisch nicht durchsetzbar. Bei dem Bau von Stromtrassen müsse darauf geachtet werden, dass Ausgleichsmaßnahmen nicht zulasten der Bauern gingen.

Landwirtschaftsdirektor Josef Völkl gab Hinweise für die Einreichung des Antrages für verschiedene Agrarförderprogramme. Er empfahl die Antragstellung mit der Onlineplattform "iBALIS", wobei das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unterstützend mitwirken könne.
Die regelrechte Verseuchung mit Stromkabeln ist abzulehnen.BBV-Geschäftsführer Hans Winter
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