Drei Landwirte beurteilen den Sommer
Heu füllt Futterlager wieder auf

Die zweite Mahd Ende August lief für die Waldecks aus Etzenricht perfekt. Heidi Waldeck steuert den Traktor mit dem Heuwender und erhofft sich für ihre sehr extensiv betriebene Landwirtschaft sogar noch eine dritte Heuernte. Tochter Lissy bezeichnet die diesjährige zweite Mahd, das Grummet als Rekordernte, nachdem sie im letzten Jahr fast gänzlich ausgefallen war. Bilder: war (2)
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Etzenricht
02.09.2016
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Junior Mathias Beutner beschickt mit seinen Produkten den Markt in Weiden und zeigt reife Früchte auf dem Hof an der Rothenstädter Straße. Senior Hans Beutner berichtet, dass der Gemüseanbau heuer etwas an den Regenperioden litt. Die Getreideernte sei bestenfalls durchschnittlich gewesen.

Auf die Perspektive kommt es bei der Bewertung des Sommers an. Eine ganz besondere Sicht haben die Landwirte, die wie kaum eine andere Gruppe auf die Verteilung von Sonne, Wolken und Regen angewiesen sind.

Etzenricht/Kohlberg. Die Schulkinder und hiergebliebene Urlauber freuen sich über den verlängerten Sommer, können Ende August, Anfang September noch den Aufenthalt in Freibädern und Badeweihern genießen. Wie es die Landwirte sehen, zeigen drei Beispiele:

Lissy Waldeck aus Etzenricht ist Diplom-Agraringenieurin. "Einem späten Frühjahr folgte reichlich Regen, was wiederum zu großem Zeitdruck für die Futtererwerbung, für Heu und Silo gleichermaßen, sorgte. Die Wetterprognosen waren vielfach unzuverlässig." Als Vorteil des vielen Regens nennt sie überquellende Futterlager. Das sei aber auch notwendig, nachdem das wenige nach dem letzten trockenen Erntejahr geerntete Futter für den Winter kaum gereicht hat.

Die Getreideernte war oft sehr nass, es musste getrocknet werden. Waldeck spricht von einem eher durchschnittlichen bis unterdurchschnittlichen Ertrag. Weitere Aspekte gibt sie in Stichworten: Volle Apfelbäume, gutes Gemüsewachstum, hohe Krautfäulegefahr bei Kartoffeln.

Für den eigenen, kleinen Öko-Betrieb im Nebenerwerb mit Grünland und Mutterkühen steht die Heufütterung im Vordergrund. "Der erste Schnitt war eine Herausforderung, durch das unbeständige Wetter mit den kurzen Zeitspannen zum Trocknen. Heu braucht drei Tage." Das musste die Landwirtin zeitlich mit anderen beruflichen Anforderungen koordinieren.

Dafür war der zweite Schnitt Ende August durch den nochmaligen Sommereinbruch ein Kinderspiel und brachte große Mengen. "Die Bienen haben sehr viel an Menge geliefert", berichtet sie zur Imkerei von Vater Karl. Teilweise habe er Völker drei Mal geschleudert. Die Bienen seien relativ gesund und hätten schon gut Winterfutter gesammelt.

Gerd Hilt, Landwirt und Gemeinderat aus Hannersgrün: "Durch das sehr unbeständige Wetter waren die Erntefenster für Heu und Grummet sowie die Getreideernte sehr kurz. Es galt für die Bauern die Regel 'Wer nicht wagt, der nicht gewinnt'. Die Getreideernte musste zum Teil mit Überfeuchte eingebracht werden. Das hat wiederum einen wirtschaftliche Aspekt, weil es beim Preis Abzüge wegen der Trocknungskosten gebe. "Die Erträge beim Getreide waren durch die geringeren Sonnenstunden niedriger als im letzten Jahr."

Für den Grünlandaufwuchs und den Mais war nach Hiltls Erfahrungen und Ergebnissen das wechselhafte und unbeständige Wetter allerdings sehr gut. "In diesem Jahr kann wieder ein Futtervorrat aufgebaut werden", bestätigt Hiltl die Aussage der Waldecks. "Für die Neuansaaten und den letzten Grünlandaufwuchs ist die jetzige Witterung zu trocken."

Die dritte Meinung kommt von Hans Beutner . Der Gemüsebauer ist bekannt durch seinen Stand am Weidener Markt, als Direktvermarkter und zweiter Bürgermeister der Gemeinde Etzenricht: "Den Frühling betrachte ich als ganz normal, der Mai war auch in Ordnung, im Juni beeinträchtigte der starke Regen durch gravierende Verschlämmungen auf den Feldern das Gedeihen negativ." Die Getreideernte nennt er "nicht besonders, bestenfalls durchschnittlich".

"Ich betrachte den August als durchwachsen. Was hinten raus kommt werden wir sehen." Für die 15. Auflage seines Hoffestes am Sonntag, 25. September, sieht er seinen Familienbetrieb dennoch gut aufgestellt. "Ich werde meine Produkte in aller Vielfalt anbieten."
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