Verzögerungen bei Erschließung des Baugebiets in Etzenricht
Seltene Zauneidechse muss umgesiedelt werden

Die Zaunechse, die ein wenig wie ein Mini-Dino anmutet ist in Etzenricht heimisch. Doch die Freude über die streng geschützten Reptilien hält sich in Grenzen. Das Schuppentier blockiert nämlich ein kleines Baugebiet und beschert der Kommune stattliche Mehrkosten. (Foto: hfz)
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Etzenricht
29.11.2016
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Etliche solcher Sand- und Steinhaufen ließ die Gemeinde Etzenricht am Rande des Mischgebiets anlegen. Hier sollen sich die Zauneidechsen künftig wohlfühlen. Bild: war

Eigentlich bekommt kaum jemand die kleinen Tierchen zu Gesicht, trotzdem blockieren die streng geschützten Zauneidechsen ein Baugebiet. Sehr zum Leidwesen der Gemeinde Etzenricht und etlicher junger Familien, die jetzt auf ihr Eigenheim warten müssen.

Für Bürgermeister Martin Schregelmann hat die Erschließung von Bauland oberste Priorität. Denn auch Etzenricht kämpft gegen die Abwanderung.

1,6 Millionen Euro investierte die Weidener Nachbarkommune in die Erschließung des Festplatzes. Es handelt sich um ein Sondergebiet, in dem sich Edeka angesiedelt hat, und um ein Mischgebiet mit neun Bauplätzen für Einfamilienhäuser. Das Landratsamt hat den Bebauungsplan ziemlich genau vor einem Jahr genehmigt.

Allerdings hatte die Untere Naturschutzbehörde bei der Kreisbehörde eine Spezielle artenschutzrechtliche Prüfung (SAP) gefordert. Dabei dokumentierten Experten ein Jahr lang in der ehemaligen Sand- und Kiesgrube das Vorkommen geschützter Tiere und Pflanzen. Das Ergebnis: Sie entdeckten neben 42 Vogelarten auch die Zauneidechse. Genauer gesagt drei Exemplare der vom Aussterben bedrohten Reptile, wie Schregelmann erzählt. Das Problem: Die Lacerta agilis geniest nicht nur im Bundesnaturschutzgesetz höchsten Schutz, sondern auch in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der Europäischen Union.

Umsiedlung unvermeidbar


In Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde musste die Kommune sogenannte Vermeidungsmaßnahmen in den Bebauungsplan aufnehmen. Dahinter verbirgt sich ein Ersatzlebensraum für das Reptil. "Dafür haben wir 6000 Quadratmeter Grund dazugekauft", verrät Schregelmann. So entstand in unmittelbarer Nähe ein 10 000 Quadratmeter großes Biotop. Sand- und Steinhaufen wurden aufgeschichtet, dazu Totholz. Zu den Kosten will der Rathauschef keine Angaben machen.

Mit dem Landesbund für Vogelschutz wurde zudem eine Blumenwiese angesät, Edeka hat eine kleine Streuobstanlage gepflanzt, und mit der Grundschule sind weitere Aktionen geplant. "Mir tut jeder Baum leid, der weg kommt. Aber man muss die Leute auch leben lassen", meint der Bürgermeister.

Mir tut jeder Baum leid, der weg kommt. Aber man muss die Leute auch leben lassen.Bürgermeister Martin Schregelmann

16 Bewerber


Jetzt hofft das Gemeindeoberhaupt, dass im Frühjahr 2017, wenn die Paarungszeit beginnt, die Schuppentiere das neue Domizil annehmen. An Etzenrichter Stammtischen heißt es scherzhaft, das Rathaus solle entsprechende Hinweisschilder für die Tiere anbringen. Wenn die Eidechsen mitmachen, könnte die Gemeinde 2018 die ehemalige Kiesgrube auffüllen und die 9 Grundstücke, für die sie 16 Bewerber hat, verkaufen. Schregelmann: "Sonst hauen die uns ab."

ZauneidechseDer Blick einer Zauneidechse mutet fast ein wenig urzeitlich an. Die Lacerta agilis gehört zur Familie der Echten Eidechsen und lebt vor allem in Mittel- und Osteuropa sowie in Vorderasien. Im deutschsprachigen Raum werden Zauneidechsen bis zu 24 Zentimeter lang. Große Tiere weisen Kopf-Rumpf-Längen von etwa 9,5 Zentimetern und Schwanzlängen von 14 Zentimetern auf.

Im Vergleich zur Wald- und zur Mauereidechse wirkt die Zauneidechse plumper und viel kräftiger. Der kurze, stumpfschnauzige Kopf ist recht massig und deutlich vom Rumpf abgesetzt. Die Färbung und Zeichnung ist je nach Individuum, Geschlecht, Alter und Jahreszeit sehr variabel. Die Grundfarbe von Oberkopf, Schwanz und Gliedmaßen ist bräunlich. Männchen zeigen zur Paarungszeit grün gefärbte Kopf-, Rumpf- und Bauchseiten.

Die Bestände der Zauneidechse sind vor allem durch die Zerstörung von Lebensräumen und Kleinstrukturen in der Landschaft stark bedroht. Die Reptile sind sowohl nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU als auch nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt und werden in der Roten Liste als gefährdet geführt. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass die Tiere bei Bauvorhaben Probleme machen.
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