Rasante Läufe und aberwitziges Tempo
Jakob Schröder bringt mit seinem virtuosen Spiel das Klavier an seine physikalischen Grenzen

Jakob Schröder holte beim Benefizkonzert am Samstag beim Forum Falkenberg das letzte aus dem Klavier und entlockte dem zahlreichen Publikum Bravo-Rufe. Bild: zch
Kultur
Falkenberg
22.02.2016
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Zu einem Klavierabend mit Sonaten von Ludwig van Beethoven hatte das Forum Falkenberg in den Kapitelsaal der Burg geladen. Kreismusikschulleiter Jakob Schröder gab ein Benefizkonzert zugunsten der Restaurierung des in die Jahre gekommenen Steingraeber Burg-Klaviers.

Die Programmauswahl zeigte deutlich die kompositorische Entwicklung Beethovens. Jakob Schröder gab zu jedem Werk interessante Informationen. So erfuhr das zahlreich erschienene Publikum zu Beginn des Abends, dass Beethoven die erste Klaviersonate op. 2 Nr. 1, im Alter von 25 Jahren komponiert hat. Sie zeige sofort die große Meisterschaft des Komponisten.

Brillante Triolen


Schröder spielte den ersten Satz "Allegro" mit brillanten Sechzehntel-Triolen, markant hervorgehobenen Betonungen und rasanten Läufen. Sehr gefühlvoll war das Adagio. Und im Prestissimo des letzten Satzes brachte er mit furiosen Triolen das Klavier an die physikalischen Grenzen des Machbaren.

Auch in der Sonate op. 13 "Grand Sonate Pathetique" wünschte man sich manches Mal einen Flügel für den Pianisten. Kleine Verzierungen in aberwitzigem Tempo können auf einem Klavier nicht so brillant gelingen, wie auf einem Flügel. Doch Schröder meisterte alle mechanischen Klippen souverän. Mit wunderbarem Ausdruck wurde das Adagio cantabile zu einem schon fast romantisch anmutenden Ohrenschmaus und das abschließende Rondo Allegro mit seinen stürmischen Läufen und großen dynamischen Abgründen zeigte das hervorragende technische Können. Die überaus bekannte "Mondscheinsonate" op. 27 Nr. 2 stand nach der Pause auf dem Programm. Das Publikum erfuhr, dass diese Sonate im Grunde rein gar nichts mit "Mondschein" zu tun hat, und es sich eher um ein geradezu tragisches Werk handle. Diffizil und alles andere als einfach zu spielen ist der erste Satz Adagio sostenuto.

Zwischen zwei Abgründen


Die Tragik des Werkes brachte Schröder hier gut zum Ausdruck. Das Allegretto ist fast das Gegenteil des ersten Satzes - fröhlich und wie Franz Liszt bemerkte: "Die Blume zwischen zwei Abgründen". Im letzten Satz Presto agitato holte Schröder das letzte aus dem Klavier heraus. Mit virtuosen Läufen und dramatischen Akkordschlägen entlockte er dem Publikum Bravo-Rufe.

Der Abschluss war die Sonate op. 31. 2 (Sturm), die deutlich die zukunftsweisende Kompositionstechnik Beethovens zeigt. Auch hier kam das Klavier naturgemäß wieder an seine Grenzen. Rasante Repetitionen und feinste dynamische Abstufungen kamen nicht so zur Geltung, wie es auf einem Flügel gewesen wäre.

Zugaben erklatscht


Mit technischer Brillanz und vollem Körpereinsatz ließ Schröder jedoch ein schwer beeindrucktes Publikum zurück, das sich durch stürmischen Beifall noch eine Zugabe erklatschen konnte - einen der Lieblingssätze Schröders aus der Sonate op. 31 Nr. 1 Adagio sostenuto.
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