Waidwund im Waldverein

Mit Szenen aus "Waidwund" und "Waldverein" begeisterte der junge Schriftsteller Max Stadler seine Hörer. Der Kapitelsaal auf Burg Falkenberg war restlos ausverkauft. Bild: wro
Kultur
Falkenberg
18.04.2016
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Kriminalautor Max Stadler ist ein waschechter Oberpfälzer. Mit dem Menschenschlag, der viele Jahrzehnte lang mit dem Eisernen Vorhang leben musste, kennt er sich aus. Ein Autorenabend auf Burg Falkenberg machte Lust auf mehr.

Trotz seiner vorübergehenden Wahlheimat Berlin schöpft der junge Schriftsteller seine Ideen nach wie vor aus der Oberpfalz. "Die Handlung meiner Romane in einer Großstadt anzusiedeln fand ich für keine so gute Idee", gestand er im Kapitelsaal der Burg. "Da erschien mir die karge Oberpfalz schon passender, vor allem aber stimmungsvoller."

Stadler las auf Einladung des Forums Falkenberg Kostproben aus seinen Werken "Waldverein" und "Waidwund". Sehr zufrieden mit dem Zuspruch war Peter Busche. Die Atmosphäre im frisch renovierten Kapitelsaal war für einen Krimiabend wie geschaffen. "Meine Hauptperson habe ich Spichtinger genannt", leitete der Autor ein. Die Handlung spielt im Schönseer Land. Detailgetreu, einem kleinen Reiseführer ähnlich, beschreibt Stadler die Straßen, Winkel und Plätze des Ortes. Spichtinger jedoch sei ein introvertierter Münchner, seine Sprechweise habe mit dem Oberpfälzer Dialekt wenig gemein. Mit "Waldverein" sei tatsächlich der "Oberpfälzer Waldverein" gemeint, informierte der Autor lächelnd über das vor sechs Jahren fertiggestellte Buch.

Dass der erste Teil des Abends mit dem Münchner Ermittler nicht zu einer trockenen Angelegenheit wurde, dafür sorgte der Autor mit vielen kleinen Pointen. Wer schließlich als Mörder entlarvt werden sollte, verriet er freilich nicht. Getreu dieser Devise gestaltete Stadler auch den zweiten Teil mit Auszügen aus "Waidwund" aus seiner Feder. Die Ausdrucksweise des aktuellen Romanes wirkte bereits geschliffener, man spürte die inzwischen gewonnenen Erfahrungen. Stadler beschreibt typische Oberpfälzer "Käffer", erzählt von den Vor- und Nachteilen des kleinen Grenzverkehrs. Er kennt sich mit den dort lebenden, knorrigen Zeitgenossen aus. Zwischen den Zeilen verrät er seine innere Einstellung, beschreibt mit spitzen Nadelstichen die oft beschworene Agonie einer Landschaft, deren Reize verborgen, manchmal aber unübersehbar sind. In beiden Romanen geht es um Mord, aber auch um das Zusammenhörigkeitsgefühl eines Menschenschlages, der vom Leben an der Grenze geprägt ist. Der Autorenabend machte Lust auf mehr, das weitere Programm des "Forums" ist vielversprechend.

Freier ÜbersetzerMax Stadler wurde 1981 in Burglengenfeld geboren. Aufgewachsen ist er in Schönsee, dem Schauplatz der Spichtinger-Kriminalromane. Stadler studierte Literaturwissenschaft und Geschichte. Auslandsaufenthalte führten ihn vor allem nach Skandinavien. Seit mehr als 10 Jahren arbeitet er als freier Literaturübersetzer aus dem Französischen, Englischen, Schwedischen, Norwegischen und Dänischen. (wro)
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