Bagger löst Felssturz aus

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Lokales
Falkenberg
05.11.2015
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Der Rode-Rechen des Baggers trifft den mittleren Felsblock wieder und wieder mit Macht. Der Stein über und der unter ihm wackeln verdächtig. Dann gehen alle mit Getöse zu Boden. Der provozierte Erdrutsch dient der Sicherheit der vielen Besucher des Waldnaabtals.

Das sogenannte "Butterfass" nahe der Blockhütte ist einer der meistfrequentierten Plätze im Naturschutzgebiet. Bizarre Felsformationen säumen dort den Weg. Einige von ihnen stehen direkt am Wegesrand. Und genau das birgt auch Gefahren. Dem scharfen Auge des Revierförsters Matthias Gibhardt ist es zu verdanken, dass ein Wackelkandidat keinen Schaden anrichten konnte. Bei einer spektakulären Aktion wurde am Donnerstag der Teil des Felsens mit schwerem Gerät zum kontrollierten Absturz gebracht, der nur noch am sprichwörtlich seidenen Faden hing. Der Chef des Revierleiters, Betriebsleiter Gerhard Schneider, die derzeitige Referendarin Franziska Höhensteiger und Reinhard Imbs vom Wasserwirtschaftsamt Weiden verfolgten die Aktion als Zuschauer.

Schweres Gerät

Die Hauptakteure waren die Brüder Hubert und Andreas Hecht von der gleichnamigen Firma aus Bodenreuth. Die beiden sind immer gefragt, wenn, vor allem im Bereich der Dienststelle Falkenberg Forstarbeiten zu erledigen sind, die schweres Gerät voraussetzen. Das bestand in diesem Fall aus einem Bagger und einem Lader. Letzterer war aber eigentlich nur eine überdimensionierte "Werkzeugkiste", in der die beiden Profis ihr Equipment zum Einsatzort transportierten.

Drei tonnenschwere Felsblöcke, die wohl schon seit Jahrtausenden übereinanderlagen, fanden nur noch Halt auf einem kleinen Stein darunter. Der wies in der Mitte bereits einen tiefen Riss auf. Es sei nur eine Frage der Zeit, so die Experten, bis der Stein auseinanderplatzt und damit die Schwergewichte darüber den Halt verlieren und direkt auf den Weg stürzen.

Neue Findlinge im Flussbett

Deshalb der Entschluss, diesen Vorgang künstlich herbeizuführen. Immer wieder rüttelte Hubert Hecht mit seinem Bagger am mittleren der drei riesigen Steine. Dass es mit Ziehen mittels Rode-Rechen nicht funktionieren würde, stand bald fest. Dass der Baggerführer den umgekehrten Weg wählte und den Stein immer wieder anschubste, führte schließlich zum Erfolg. Alle drei Steine stürzten auf einmal herunter und blieben auf dem Weg liegen. Dort sollten sie aber nicht bleiben. Ziel war es, sie ins Wasser zu bugsieren, wo schon jede Menge Findlinge den Flusslauf bremsen und nicht weit entfernt das "Butterfass" ausbilden. Mit dem Bagger war aber auch das kein Problem. Die zwei kleineren hob das Ungetüm ohne Probleme hoch. Brav rollten sie über die steile Böschung direkt in die Waldnaab. Der Dritte ließ sich nicht einfach hochheben. Da wurde der Bagger schnell zum Stehaufmännchen.

Aus Sicherheitsgründen wurde am Donnerstag im Bereich "Butterfass" nahe der Blockhütte im Waldnaabtal ein Fels "gesprengt". Förster Matthias Gibhardt hatte zuvor festgestellt, dass drei tonnenschwere Steine einer Felsformation nur von einem "Steinwinzling" mit einem großen Loch in der Mitte gehalten wurden. Die durch einen Bagger abgelösten Felsen wurden ins Flussbett befördert. (Bilder: Norbert Grüner)

Für Andreas Hecht der Beweis: "Der wiegt mehr als fünf Tonnen, denn die bewältigt die Maschine." Für seinen Bruder dennoch kein unlösbares Problem. Er setzte wieder die Schiebetechnik ein, schob den Stein über den Weg und ließ ihn den Abhang hinabrutschen. Auch er landete perfekt im Wasser. Mit Schaufeln und Rechen ebneten die Helfer die leicht in Mitleidenschaft gezogene Forststraße. Selbst der kundige Spaziergänger, der den Weg in und auswendig kennt, dürfte Schwierigkeiten haben, die Veränderung im Landschaftsbild sofort zu erkennen. Im Vergleich zu vorher sieht der Fels allerdings ein wenig aus, wie ein Zahn, von dem eine Seitenwand abgebrochen ist.

Tolle Zusammenarbeit

"Das ist schon eine Herausforderung, zu der auch eine Portion Mut gehört", stellte der Leiter des Forstbetriebs Waldsassen fest. Schneider lobte seinen Revierleiter, der die Gefahrenstelle entdeckt hat und war zufrieden mit der hervorragenden Zusammenarbeit aller betroffenen Fachstellen, wie Gemeinde, Wasserwirtschaftsamt und Untere Naturschutzbehörde.

Immerhin genießt das Waldnaabtal an der Einsatzstelle einen hohen Schutzstatus. Dem Areal sind die Stempel von Naturschutz- und FFH-Gebiet aufgedrückt. Da kann man nicht so ohne weiteres mit schwerem Gerät agieren. Bei einem Ortstermin vor etwa zwei Wochen wurde der Einsatz beschlossen und am Donnerstag in die Tat umgesetzt. Jetzt ist der Weg von Falkenberg zur Blockhütte und zurück wieder sicher. Steinschlag oder Felsstürze sind nicht mehr zu erwarten.
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