Fußabdruck der Geschichte

Völlig überraschend wurden bei den Bauarbeiten im Vorhof der Burg Falkenberg bisher unentdeckte Reste der historischen Burganlage gefunden und freigelegt. Vermutlich stammen sie aus dem 12. Jahrhundert, in der Zeit, in der Kaiser Barbarossa herrschte. Nach Einschätzung des Archäologen Dr. Mathias Hensch könnte der mächtige Turm noch unter den Grafen von Sulzbach, in den letzten Jahren vor deren Aussterben 1188, erbaut worden sein. Vielleicht als architektonischer Ausdruck der Repräsentation gräflicher Macht
Lokales
Falkenberg
18.08.2015
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Neu geschrieben werden müssen die Annalen der Burg und des Ortes Falkenberg nicht, fortgeschrieben aber schon. Die Fundamente eines Bergfrieds, der hier wohl schon im 12. Jahrhundert stand, lassen vermuten, dass die Burganlage viel früher entstanden ist als die jetzige Burg.

Die geht auf das 14. Jahrhundert zurück. Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege gehen davon aus, dass die Fläche dieser Ur-Burganlage etwa fünfmal so groß war, wie sie sich heute darstellt. "Das passe zu der Tatsache, dass die Oberpfalz im Mittelalter wirtschaftliches und politisches Zentrum war", sagte am Dienstag die zuständige Leiterin des Landesamtes für Niederbayern und Oberpfalz, Dr. Silvia Codreanu-Windauer, bei einer Pressekonferenz.

Ein echter Volltreffer

Der Umsicht der Architekten Brückner sei es zu verdanken, dass der Grundriss des Turms freigelegt sei. Bereits vor einem Jahr, als hier im unmittelbaren Bereich zum Torhaus Gestrüpp entfernt wurde, tauchten zwei riesige Granitsteine auf. Damals konnte man nicht graben, weil gerade ein Kran auf dem Areal aufgebaut wurde. Ein Baustopp war zu der Zeit nicht möglich. Aber von vorneherein stand fest: "Wenn das große Baugerät abgebaut ist, geht es ans Buddeln."

Dr. Mathias Hensch, der die Grabungen leitete, bezeichnete den Fund als einen echten Volltreffer. Die Frühgeschichte der Burganlage habe damals deutlich anders ausgesehen. Der Archäologe ist sich sicher, dass der gesamte Schlossberg zur Anlage gehörte. Diese viel großflächigere Ausdehnung deute auf einen bedeutenden Verwaltungssitz hin. 20 bis 25 Meter hoch, etwa genauso wie der heutige, mit bis zu drei Meter dicken Mauern sei dieser Bergfried gewesen. Eine typische Größe für damalige Zeiten, so eine Art Norm, erklärte der Fachmann. "Würden wir weiter herumgraben, fänden wir bestimmt noch mehr", ist sich der Archäologe sicher.

Das soll aber nicht geschehen. Der Grundriss des Bergfrieds bleibt auch nicht so, wie er im Augenblick zu sehen ist. Allein schon aus konservatorischen Gründen wird er mit Sand aufgefüllt und mit einer Spezialabdeckung versiegelt. Das ist dann der Untergrund für eine Gastronomie mit direktem Blick zur mächtigen Burg und hinunter zur Waldnaab. Auf Schautafeln, auf denen alles über die Frühzeit der Anlage steht, erfährt der Besucher, auf welch geschichtsträchtigem Untergrund er sich bewegt. Silvia Codreanu-Windauer ergänzt, dass vielleicht sogar eine Computer-Animation ein authentisches Bild des ehemaligen Turmes zeigen könnte.

Etwas von Bedeutung

Architekt Peter Brückner erklärte: "Wir sahen damals bei den Rodungsarbeiten recht schnell, dass da was von Bedeutung auftaucht. Und wir haben sofort das Landesamt ins Boot geholt. Dieser Fund ist ein mächtiger Fußabdruck der Geschichte."

Wenn am 13. November die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind und der Burgkomplex feierlich eingeweiht wird, sind 8 Millionen Euro darin verbaut. Die Burg präsentiert sich dann als Museum, Hotel und Tagungsstätte.
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