Keimzelle des Stiftlands

Imposant thront die Burg über Falkenberg. Überraschend entdeckte Fundamente lassen den Schluss zu, dass sich die Ur-Burganlage über eine noch viel größere Fläche erstreckte. Bild: Grüner
Lokales
Falkenberg
24.08.2015
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"Wenn wir weiter graben würden, fänden wir noch mehr", ist Archäologe Mathias Hensch überzeugt. Wie berichtet, waren bei Bauarbeiten an der Falkenberger Burg Reste eines Bergfrieds aus der Stauferzeit entdeckt worden. Nun hat Historiker Harald Fähnrich in Archiven "gegraben".

Die archäologische Grabung auf der Burg Falkenberg brachte den Grundriss eines frühen Bergfriedes aus dem zwölften Jahrhundert zutage, zehn Mal zehn Meter groß. Ein Blick auf den Urgrund des Stiftlands. Wie die ergrabene Auensiedlung bei Lohnsitz (2007) ein äußerst wichtiger "Fußabdruck der Geschichte". Wirklich ein Blick zurück in die Dunkelheit unserer frühen, schriftlosen Vorgeschichte. Mit schriftlichen Überlieferungen beginnt die sogenannte Geschichte, so Harald Fähnrich. Die jüngste Grabung in Falkenberg ergänze Urkundenbelege aus dem zwölften Jahrhundert.

Fähnrich: Die raren frühesten Urkunden zum Schlossberg Falkenberg werden nun durch Archäologie ergänzt. Der erfahrene Archäologe Dr. Mathias Hensch und sein Team ergruben einen "barbarossazeitlichen" Burgturm. Dabei traten zwei gewaltige Quader hervor. Die Neugier von Bürgermeister Herbert Bauer und der Architekten-Brüder Brückner war geweckt. Sie wissen allerdings: Ergrabenes sichtbares Mauerwerk zu erhalten ist ein Problem.

Kaiser Friedrich I. Barbarossa herrschte im Heiligen Römischen Reich von 1152 bis 1190. Er, König und Kaiser, hatte im nahen Eger eine Hof- oder Pfalzburg. Er schätzte den Abt Daniel (1161-1194) des jungen Klosters Waldsassen. Der Reisekaiser nahm den Abt auf eine seiner wichtigen Reisen mit in die Lombardei, nach Apulien und Sizilien. "Und der Abt brachte viele Kleinode und Reliquien nach Waldsassen zurück", schrieb der Klosterchronist Brenner (1837) enthusiastisch. Für die neue Klosterkirche; 1179 wurde der Neubau vollendet. Zur Einweihung war Kaiser Rotbart vom Hoftag in der Kaiserburg Eger hergekommen, "mit seinem ganzen Hofe, vielen Reichsständen, Prälaten und Vornehmen".

Markgräfliche Urkunde

Den Landesausbau in der Grenzmark um die Kaiserburg Eger sicherte der Dienstadel. Die ersten wichtigen Dienstmannen (Ministeriale) sind durch Urkunden erfassbar. Früheste Urkunden für unsere Region: Zeugenreihe in einer markgräflichen Urkunde um 1125 - die Brüder "Udalricus de Egere et frater eius Pilegrimus". Später benennen sich die Brüder nach ihren beiden wehrhaften Ansitzen: Um 1134 "Udalricus de Libenstein" - und 1154 "Piligrimus de Valkenberch". Ihre beiden Herrschaften werden zur Keimzelle des späteren klösterlichen Stiftlandes. Denn zu jeder dieser Dienstmannen-Burgen gehören Dörfer, Ländereien. Sie sind an Bauern, genannt "Arme Leute", als Erbrecht verschrieben.

Das Adelsgeschlecht der Falkenberger existierte nur wenige Generationen. Es vergrößerte den Familienbesitz stetig. Ihm gehörten, so der Falkenberger Chronist J. B. Mayr (1880), die beiden Pilmersreuth, Groß- und Kleinsterz, die große Wiese Heusterz an der Waldnaab, Pleußen, Großensees, Steinmühle, Kondrau (Flur fast bis ans Kloster reichend), Schmelitzmühle, Leugas, Leichau, Bodenreuth, Thann, Grün, zwei Höfe in Kleinkonreuth und mehrere in Wiesau und Kornthan. Mit Konrad von Falkenberg ist 1252 der Zweig der Herren von Falkenberg ausgestorben. Männliches Erbrecht. Schon vorher, nach und nach, hatte unter anderem das Kloster im 13. Jahrhundert Falkenberger Eigentum erworben. Das stiftische Territorium nahm Gestalt an - zuerst als weltlicher Adelsbesitz.

Höhenburg

Theoretische Einblicke in die Falkenberger Zeit vor über 1000 Jahre gibt der Archäologe Dr. Mathias Hensch: Die alte Burg Falkenberg hatte die mehrfache Ausdehnung der heute ummauerten Fläche. Sie erstreckte sich auf dem Bergrücken, der bei der Schlosskapelle begann und sich bis auf den Felsabsturz hinzog. Solch riesige Höhenburgen (zum Beispiel Kallmünz, Sulzbach) sicherten eine wichtige regionale Herrschaft; sie sind meistens schon vor dem Jahre 1000 nach Christus entstanden. Ihre Eigner herrschten über besiedeltes Land. Für Falkenberg wird das Theorie bleiben, denn das Gebiet ist bebaut. Hier fehlen zeitgenössische Belege - und archäologische Beweise.
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