Nein zu neuen Stromtrassen

Lokales
Falkenberg
22.09.2015
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Seit jeher trägt der Bund Naturschutz Verantwortung für den Einklang zwischen Energieversorgung und schützenswerter Natur. Das betonte Vorsitzender Hubert Weiger bei seinem Besuch im Landkreis. Windkraft lehnte er nicht ab, stimmte aber auch nicht uneingeschränkt zu.

An die 100 Zuhörer drängten in den Saal im Gasthof "Roter Ochse", als der Vorsitzende des Bund Naturschutz zum Thema Energiewende, Windkraft und "Monstertrassen" eindeutig Stellung nahm. Eingeladen hatte die Kreisgruppe Tirschenreuth. Deren Vorsitzender Josef Siller freute sich auch über eine beachtliche Zahl an Ehrengästen.

Energiewende nötig

Unter anderem waren Bürgermeister Roland Grillmeier als Vertreter des Landrats und Vorsitzender der Energiegenossenschaft "Welt", Peter Zahn, Beirat auf Landesebene des Bund Naturschutz, Forstdirektor Gerhard Schneider, Vertreter der Bürgerinitiative Steinwaldia und der Bürgerenergiegenossenschaft Tirschenreuth, der BN-Kreisgruppe Wunsiedel sowie Falkenbergs Bürgermeister Herbert Bauer anwesend.

Nach Grußworten und einer Einführung von Josef Siller, holte Professor Dr. Hubert Weiger zu einem umfassenden Referat aus, in dem er die Stellungnahme des Bund Naturschutz zur zwingend erforderlichen Energiewende auf historisch gewachsenem Fundament schilderte. Seine Argumentation reichte bis in die 1950er-Jahre zurück, als sich der Bund Naturschutz mit dem Bau von Flusskraftwerken auseinandersetzte. Zehn Jahre später sorgten die Anfänge der Atomkraftnutzung für heiße Debatten.

Von jeher trage der Verband Verantwortung für den Einklang zwischen Energieversorgung und schützenswerter Natur, sagte Weiger. Heute sei Deutschland ein hochentwickeltes Industrieland, demokratisch geordnet, europäisch und weltweit vernetzt und mit einem beispielgebenden Umweltbewusstsein - auch was die dramatischen Auswirkungen der klimatischen Veränderungen betreffe.

Bürgernah mitbestimmen

Auch hierin sah Dr. Weiger eine zentrale Verantwortlichkeit für eine zukunftsorientierte Energiewende und betonte die Grundlage einer "Kreislaufwirtschaft", bei der die Zusammenhänge der Natur Vorbild sei, die benötigte Energie für Zivilisation in diese Kreisläufe integriert werde.

Weiger lobte Gesellschaft und Politik als Vorreiter von Photovoltaik. Gleichzeitig forderte er: "Photovoltaik gehört auf die Dächer der Gewerbegebiete, nicht auf die grüne Wiese." Bei Biogasanlagen sah er brauchbares Potenzial durch die Reststoffverwertung, warnte aber vor dem gezielten Produktanbau für die Energiegewinnung.

Der Bundesvorsitzende befürwortete Windräder, forderte jedoch ein gründliches Abwägen von Standorten. Dabei müsse auch die Ästhetik der Landschaft als Kriterium beachtet werden. Vor allem aber komme der regionalen, bürgernahen Mitbestimmung und Eigengestaltung der einzelnen Kommunen große Bedeutung zu. Wenig glücklich war Weiger mit der 10-H-Regelung, da diese automatisch nur noch Standorte in geschlossenen Wald- und Naturflächen zulasse. Er verurteilte die Praktiken, die aus Windkraft reine Geldanlagen machen. Wörtlich sagte er: "Weg von Ersatzzahlungen, hin zu Ersatzflächen." Nur so sei einigermaßen gewährleistet, dass Natur und Bürger zu ihrem Recht kämen.

Alte Positionen aufgeben

Vehement sprach er sich gegen neue Stromtrassen aus. Sie würden veralteten Techniken, der umweltschädigenden Energiegewinnung aus Kohle und dem Missbrauch durch Stroman- und -verkauf Tür und Tor öffnen. Respekt habe er vor allen Beteiligten, die bereit seien, alte Positionen aufzugeben, um auf eine veränderte Notwendigkeit sinnvoll zu reagieren. Er ermutigte dazu, den Dialog mit denen zu suchen, die sich in festgefahrenen Positionen befänden. Zitat: "Gehen wir aufeinander zu. Das ist die Voraussetzung, um aus Schlimmerem heraus zu kommen."
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