Seehofers Trutzburg

Der Ministerpräsident als politischer Kabarettist: Horst Seehofer (Zweiter von links) unterhält die Oberpfälzer bei der Einweihung der sanierten Burg Falkenberg. Bild: Herda
Lokales
Falkenberg
14.11.2015
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Der Ministerpräsident ist beeindruckt von der sanierten Burg Falkenberg. "So eine Trutzburg hätte ich auch gerne - zum Schutz vor meinen Parteifreunden", sagt er lachend. So kennt man ihn.

Horst Seehofers Besuch im Landkreis Tirschenreuth ist keine Selbstverständlichkeit. Sicher, die Baukosten des Mammutprojektes summieren sich auf 8,2 Millionen Euro - und 1,5 Millionen davon steuert der Freistaat bei. Dennoch, wenn der Landesherr alle sanierten Baudenkmäler besuchen würde ... An dem Umbau des Wahrzeichens zur Kulturburg findet er aber Gefallen - vielleicht als Sinnbild für seine Vorstellung von der Angleichung der Lebensverhältnisse in Bayern.

"Ich könnte die Brüder Brückner bitten, ob sie nicht an irgendeiner Stelle in München so etwas bauen können", flachst er weiter. "Noch ist ja München die Landeshauptstadt, nicht Tirschenreuth", kitzelt der Oberbayer den Lokalpatriotismus der Nordoberpfälzer. Seehofer ist bester Laune. Das Pflichtprogramm - von der Führung bis zum Kindergarten-Vorsingen - begleitet er mit einer Kaskade an Anekdoten. Und an Bürgermeister Herbert Bauer hat der Landesvater einen Narren gefressen.

"Ab sofort sind Sie für mich Oberbürgermeister", witzelt er, nachdem der Burgherr "unvorsichtigerweise" aufgezählt hat, wer alles wie hoch das Projekt gefördert hat. "Ich werde die Staatskanzlei prüfen lassen", droht er wohlwollend, "ich habe das Gefühl, dass Sie mehr Zuschüsse haben als Baukosten." Dabei heißt es immer: Achtung, Ironie versteht nicht jeder. Seehofer aber trifft den Ton. Intuitiv weiß man: "A Hund is a scho" ist in Bayern höchstes Lob von höchster Stelle.

Zwei Semester Architektur

Seine Art, Komplimente zu verteilen: Einer kleinen rhetorischen Ohrfeige folgt eine Würdigung "ganz ohne Ironie" - etwa wenn er nach der Hommage an die sechsjährige Burgsanierung des Tirschenreuther Architekten Peter Brückner frotzelt: "Ich habe heute zwei Semester in Architektur durchgemacht, Ihre Rede und die Ihres Kollegen Berschneider bei der Einweihung des Willibald-Gluck-Gymnasiums in Neumarkt." Beide Redner hätten angekündigt, extrem kurz zu sprechen. "Und was daraus geworden ist, haben Sie erlebt." Aber im Ernst: "Es war sehr inhaltsreich."

Und weil das bis auf den letzten Platz gefüllte Festzelt am Fuß der Burg bei jeder Pointe entzückt auflacht, streut Seehofer kleine pädagogische Spitzen ein: "Auch interessant ist zu erfahren, wer da alles einen Beitrag leistet - der arme Landkreis freiwillig, obwohl er gar nicht müsste. Und der Bezirk", sagt er süffisant. "Wenn ihr in München seid, hört sich das immer ganz anders an." Seine Erfahrung: "Ein erfüllter Wunsch hat immer Junge."

Mit großem Vergnügen arbeitet der Ingolstädter auch in Falkenberg an seinem Image als wendiger Politiker: Bei Historikern habe er gelesen, dass die Politik der Wittelsbacher, ständig zum eigenen Vorteil die Seiten zu wechseln, als historischer Weitblick eingestuft werde. "Jetzt frage ich mich, warum muss jemand erst sterben, bis man die Haltung, wenn einer mal da, mal da ist, als Weitsicht einstuft."

Geschliffene Hochburgen

Die Burg als politische Metapher: "Der Mensch, der einer guten Sache dient, wohnt in einer festen Burg", zitiert er Goethe. Und damit kann der Dichterfürst prophetisch eigentlich nur einen gemeint haben. Den CSU-Fürsten, der die unter Beckstein und Huber geschliffenen Hochburgen wieder befestigt. Und wenn er in Falkenberg nicht schon genügend Anhänger gehabt hätte - hier herrscht Burgfrieden.
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