Burg Falkenberg im neuen Glanz
Kulturtempel aus und auf Granit

Auf einer langen Zeitleiste zeigt das Museum das Wirken von Friedrich Werner Graf von der Schulenburg. Darunter sind auch die politischen Verhältnisse der jeweiligen Epoche dokumentiert. Bilder: Grüner (8)
Vermischtes
Falkenberg
12.02.2016
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Auf dieser Schreibmaschine wollte Friedrich Werner Graf von der Schulenburg im Ruhestand auf Burg Falkenberg seine Memoiren schreiben. Dazu kam es nicht. Als Mitverschwörer beim Attentat auf Adolf Hitler wurde er 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
 
Friedrich Werner Graf von der Schulenburg als Adliger, Soldat, Diplomat, Menschenfreund und Friedensstifter mit Josef Stalin (von rechts). Schulenburg wollte einen Krieg zwischen Deutschland und Russland unbedingt verhindern.

Seit dem Mittelalter dominiert die Burg den Ort Falkenberg im Landkreis Tirschenreuth. In ihrer bewegten Geschichte wurde unlängst das neueste Kapitel zu Ende geschrieben. Die Generalsanierung und ein neues Nutzungskonzept werden das Objekt ganz schnell mit Leben erfüllen.

Bekannt geworden ist die Burg, die auf einem gewaltigen Granitblock thront, hauptsächlich durch Friedrich Werner Graf von der Schulenburg. Der wollte auf Burg Falkenberg seinen Lebensabend verbringen und dort seine Memoiren schreiben.

Daraus ist nichts geworden. Der ehemalige Botschafter wurde von den Nationalsozialisten als Mitverschwörer des Hitler-Attentats vom 20. Juli angeklagt und am 10. November 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.


Zahlreiche Spuren


Auf Burg Falkenberg hinterließ er zahlreiche Spuren. Ein großzügig dimensioniertes Museum innerhalb der Burgmauern erzählt die Lebensgeschichte Schulenburgs, der als Konsul und Diplomat im Kaiserreich, in der Weimarer Republik und im "Dritten Reich" wirkte.

Nach der Festnahme des Grafen beschlagnahmte die Gestapo die Burg Falkenberg. Von Januar bis April 1945 diente sie als Außenstelle des Konzentrationslagers Flossenbürg für die Internierung von Sondergefangenen.

Am 28. April 1945 marschierten die Alliierten in Falkenberg ein. Amerikanische Soldaten nutzten jetzt die Burg als Quartier. Ab August 1945 wurden Vertriebene auf der Burg untergebracht. 1946 und 1947 ist sie in der Hauptsache als Lazarett genutzt worden. Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft wird sie 1949 Heimat von Albrecht Graf von der Schulenburg, einem Neffen des Botschafters. Zusammen mit seiner Frau Sonnhild und den gemeinsamen Kindern Fritz und Stephan zieht er hier ein.

Nach der neuerlichen Generalsanierung sieht die Burg innen wie außen wie aus dem Ei gepellt aus. Ein echtes kulturelles Schmuckstück, dem man seinen Preis, die Sanierung hat über acht Millionen Euro gekostet, ansieht.

Hier trifft das Sprichwort "danou Geld, danou Woa" zu 100 Prozent zu. Die Burg ist Museum, Hotel, Veranstaltungsort für alle möglichen Feiern und Plattform für das Forum Falkenberg, das hier, nach der langen Sanierungspause, sein Kulturprogramm wieder aufnimmt.

Haben sich die Vorzüge des Kleinods erst einmal herumgesprochen, wird es schwierig werden, ein Zimmer zu ergattern. Einer der acht stilvoll eingerichteten Räume ist bereits reserviert. Ministerpräsident Horst Seehofer hat sich mit Gattin Karin für ein verlängertes Wochenende vormerken lassen. "Wann, weiß noch niemand sagt Herbert Bauer, Bürgermeister und Burgherr."

Barrierefreie Burg


ist seines Wissens die einzige Burg, die Barrierefreiheit bietet. Möglich macht das ein Aufzug, dessen Schacht durch den Granitfelsen gebohrt und gesprengt worden ist. Neben bewegungseingeschränkten Menschen dient er auch für den Transport der Waren beim Catering.

Alle anderen Besucher und Gäste erreichen die Burg, wie eh und je, über den Haupteingang durch das Torhaus über den Burghof und die überdachte Brücke. Im Stockwerk darüber, das mit einer bequemen Treppe verbunden ist, sind die Rezeption und die dazugehörigen Büros untergebracht. Die Schaltzentrale quasi. Hier ist der Arbeitsplatz von Teresa Fischer, der Burgmanagerin. Im selben Stockwerk ist auch der Filmsaal. Ein abgedunkelter Raum mit großdimensioniertem Flachbildschirm, über den in Endlosschleife eine 16-minütige Dokumentation über den Widerstandskämpfer Friedrich Werner Graf von der Schulenburg läuft. Von hier aus führt eine Tür ins eigentliche Museum. Ein großer Raum mit wenigen Unikaten.

1000 Dokumente


Dafür mit vielen Schriftstücken, die das vielfältige Wirken des Widerstandskämpfers widerspiegeln. Die Unikate wurden digital aufbereitet und sind auf Monitoren per Touchscreen in deutscher, englischer und tschechischer Sprache verfügbar. "Etwa 1000 Dokumente werden es schon sein", schätzt Herbert Bauer.

Im Museum ist auch der Original-Reisekoffer, der dem Diplomaten stets vorausreiste, ausgestellt. Auf der Oberseite ist noch das Fragment eines Adresszettels erhalten. Damals reiste Schulenburg vom Wiesauer Bahnhof in die Landeshauptstadt Berlin mit Zieladresse "Hotel Adlon".

Neue Maltechnik


Auch sein Schreibtisch und die Schreibmaschine, auf der er im Ruhestand seine Lebensgeschichte verfassen wollte, sind hier ausgestellt. Ein Zeitstrahl, auf dem die wichtigsten politischen Ereignisse seiner Zeit genauso fixiert sind wie die persönlichen, ist per ganz neuer Maltechnik direkt auf der angerauten Wand aufgebracht. Genauso wie die lebensgroßen Fotos des Grafen. Darauf ist Friedrich Werner Graf von der Schulenburg als Diplomat, Menschenfreund, Soldat oder Friedensstifter abgebildet.

150 Sitzplätze


Im zweiten Obergeschoss befinden sich der Rittersaal, der Kapitelsaal und die Wächterstube. Ritter- und Kapitelsaal bieten zusammen etwa 150 Sitzplätze. Die Säle können für private Feiern gemietet werden. Beide wärmt je ein offener Kamin aus alter Zeit.

In der Burgkapelle sind eine Büste von Friedrich Werner Graf von der Schulenburg und sein Testament ausgestellt. Hier können sich Paare auch standesamtlich trauen lassen. Viele haben schon gebucht.

Noch ein Geschoss darüber ist der Burgensaal. Ab etwa 2017 wird dort das Burgennetzwerk seinen Standort haben. Alles Wissen über bayerische und tschechische Burgen soll hier vereint und zugänglich gemacht werden. Bis es so weit ist, ziert eine Ausstellung zur Bauphase der Restaurierung auf mannshohen Bannern den großen Raum.

Fantastische Ausblicke


Auch der Turm ist über eine Treppe problemlos erreichbar und bietet fantastische Ausblicke über das Waldnaabtal und den Ort. Neben dem Turmzimmer gibt es noch einen weiteren Raum. Der ist dem Vogel vorbehalten, der im Ortsnamen steckt. "Der Turmfalke brütet hier, seit ich denken kann", sagt Herbert Bauer. Acht Doppelzimmer mit außergewöhnlichem Ambiente bietet das Haus. Selbstverständlich mit WLAN und Flachbildfernseher.

Das nigelnagelneue Tagungszentrum In der Schwaige 3, direkt unterhalb der Burg bietet Platz für 140 Seminarteilnehmer. Ein weiterer, kleinerer Raum fasst noch einmal 30 Leute.

Weitere Bilder im Internet:

www.onetz.de/burg-falkenberg

Der Turmfalke brütet hier, seit ich denken kann.Burgherr Herbert Bauer

Geschichte der Burg FalkenbergDie Burg auf dem mächtigen Granitsockel blickt auf eine 1000-jährige Geschichte zurück. Sie diente der Verteidigung, war Symbol der Macht und Verwaltungssitz. 1929 reiste Friedrich Werner Graf von der Schulenburg durch die Lande auf der Suche nach einer Burg, die sein Alterssitz werden sollte. Herbert Bauer, in seiner Eigenschaft als Bürgermeister auch aktueller Burgherr, weiß, dass der Anblick der Ruine für den Grafen Liebe auf den ersten Blick war.

Sieben Jahre zogen sich die Verhandlungen mit dem bayerischen Staat hin, bis Schulenburg 1936 endlich sein Objekt der Begierde erwerben konnte. Herbert Bauer vermutet, dass Schulenburg eine Art Zusage gehabt haben muss. Denn bereits Anfang der 1930er Jahre hatte er alle möglichen Pläne anfertigen lassen. Der Notarvertrag wurde im Juni 1936 unterschrieben. Gleichzeitig erhielt er die Genehmigung zur Renovierung, und auch die Pläne dafür wurden genehmigt. Dann ging alles ziemlich rasant. Einen Monat später waren bereits große Fortschritte zu erkennen, und im September wurde Richtfest gefeiert. Bestimmt 50 bis 60 Falkenberger waren damals am Bau beteiligt.

Was der Graf für die Burg bezahlt hat und was die Renovierung gekostet hat, darüber gibt es nur wenige Erkenntnisse. Auf Geheiß des Führers höchstpersönlich soll er dafür 200 000 Reichsmark erhalten haben. Bauer vermutet, dass die Gesamtmaßnahme etwa 300 bis 400 000 Reichsmark gekostet hat.

Ein stolzes Sümmchen, wenn man bedenkt, dass eine Reichsmark etwa den Gegenwert von 2,80 Euro darstellt. Ende 1939 war der Rohbau fertig. Einigermaßen bewohnbar war die Burg erst ab 1941.

Die aktuelle Restaurierung begann im November 2012. Im Juni 2013 stand der Rohbau des Tagungszentrums In der Schwaige 3. Im Oktober begannen die Arbeiten in der Burg. Die größte Schwierigkeit - der Aufzug. Eine Million Euro hat allein diese Maßnahme gekostet. 15 Tage bohrten und sprengten Tunnelbauexperten aus Österreich in zwei Schichten den harten Granit. Eine Herausforderung war auch die Wandheizung, die der Burg selbst im Winter wohlige Wärme beschert. Gespeist werden die Metallspiralen hinter den Wänden von einer Pelletsheizung. Das Bauwerk ist wiedererstarkt und erstrahlt im Glanz der Moderne.

Von 1154 stammt das älteste bekannte Dokument, in dem eine nach Falkenberg benannte Familie Erwähnung findet. Dann gibt es noch ein Siegel von 1252, das Konrad II. von Falkenberg benutzte. In dieser Zeit gingen die Burg und all ihre Besitzungen an die Leuchtenberger und wenig später an das Kloster Waldsassen über. Eine Zeichnung aus dem frühen 17. Jahrhundert zeigt eine intakte Burg Falkenberg. Bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 hatte niemand die Burg eingenommen. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts begann der Verfall. (tr)
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