Falkenberger Katholiken danken Pater Stephan
Tränenreicher Abschied

Pater Stephan wollte jedem persönlich Lebewohl sagen. Bis hinaus auf die Straße reichte die Menschenschlange. Geduldig wartete jeder, bis er an der Reihe war, um sich von dem beliebten Seelsorger aus Indien zu verabschieden. Bild: wro
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Falkenberg
31.08.2016
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Bürgermeister Herbert Bauer (links) fiel der Abschied nicht leicht. Unter Tränen sagte er "Auf Wiedersehen". Vielversprechend signalisierte er dem Pfarrer, stets ein Übernachtungsplätzchen in der Burg freizuhalten. Bild: wro

Nach acht Jahren seelsorgerischer Arbeit in Falkenberg nimmt Pater Stephan Pocrail Abschied von seiner Pfarrgemeinde. Aufgewühlt und mit Tränen in den Augen drückt er seinen tiefen Dank, vor allem aber seine Verbundenheit zur Gemeinde Falkenberg aus.

In seiner gewohnt bescheidenen Art sagte Pater Stephan beim feierlichen Gottesdienst schließlich schlicht "Auf Wiedersehen". Der Abschied fiel keinem leicht - der katholischen Pfarrgemeinde nicht, dem Seelsorger sowieso nicht. Neue Aufgaben erwarten den beliebten Seelsorger nun im niederbayerischen Falkenberg in der Pfarrei "Sankt Laurentius".

Ruhig und still


Einen großen Abschied wollte Pater Stephan nicht haben. Er bat von Fahnenabordnungen, Blasmusik und sonst üblichen Gesten abzusehen. Auch der bei solchen Anlässen meist folgende Stehempfang blieb aus. Ruhig und still sei er hierhergekommen, ebenso still wolle er sich auch wieder verabschieden, hatte er vor einigen Tagen in einem Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. Ganz ohne ein Wort des Dankes aber wollten und konnten die Falkenberger "ihren" Pater Stephan nicht ziehen lassen. In einem bewegenden Gottesdienst gestanden sie ihm, dass er einer von ihnen geworden sei. Seit langem hätten sie ihn in ihr Herz geschlossen.

Begleitet von den Ministranten und einigen Kindern zog Pater Stephan in die Pfarrkirche. Viele Gläubige waren gekommen, um Abschied zu nehmen. An der Orgel spielte Sabine Bauer. Eindrucksvoll umrahmte der Kolpingchor unter der Leitung von Martina Mark die Messe. Ein sehr schöner, vor allem aber ein mehr als passender Zufall waren die Tageslesungen zum Thema Bescheidenheit. In der Predigt wünschte der Seelsorger: "Jeder Mensch braucht Anerkennung. Ich wünsche euch allen, dass ihr diese Achtung stets erhaltet." Umringt von den Ministranten und weiteren Kindern betete er am Altar das Vaterunser. Bewegt sprach Martina Mark den Epilog, was Pater Stephan zum Taschentuch greifen ließ. "Danke, dass wir Sie haben durften", setzte Pfarrgemeinderatssprecher Andreas Staufer den Reigen der Redner fort. "Sie machten uns stets Mut. Mit Ihrem Lachen bereiteten Sie allen eine Freude."

Aufgehende Sonne


Zu einem der bewegendsten Momente wurde der Abschied vom Falkenberger Kinderchor. Weinend umarmte Pater Stephan die Kinder. Symbolisch hatten sie ein selbst gestaltetes Plakat mit einer aufgehenden Sonne in der Hand. "Mit Ihnen ging die Sonne auf", meinte dann auch Hedwig Bauer, Leiterin des Kinderchors. Den immer zu Späßen aufgelegten, liebenswürdigen und kinderfreundlichen Pfarrer werde man schmerzlich vermissen.

Der scheidende Seelsorger überreichte Kirchenpfleger Albert Zrenner einen bunten Blumenstrauß. "Danke dass ihr alle gekommen seid." Die Menschen und die Aufgaben hier verlassen zu müssen, sei für ihn alles andere als leicht. "Ich bin glücklich darüber, dass ich mit euch arbeiten durfte. Es war eine schöne Zeit." Man habe ihn hier wohlwollend aufgenommen, das werde er den Falkenbergern niemals vergessen. Mit stehendem Applaus sagte Falkenberg schließlich "Lebe wohl". Erneut flossen Tränen. Zum letzten Mal trat der Pfarrer lächelnd vor seine "Schäflein" und bat darum, sich von jedem ganz persönlich verabschieden zu dürfen.

"Fraale" und indische KücheFalkenbergs Bürgermeister Herbert Bauer würdigte den scheidenden Seelsorger als einen tief religiösen und bescheidenen Menschen. "Es fällt uns nicht leicht, aber wir wünschen Ihnen im anderen Falkenberg alles Gute." Gegen die Tränen ankämpfend suchte Bauer humorvolle Worte des Trostes: "Falls es Ihnen im anderen Falkenberg mal nicht mehr gefällt, setzen Sie sich einfach ins Auto. In der Burg finden wir sicher ein Quartier." Augenzwinkernd beschrieb Bauer den hiesigen Menschenschlag als tiefgläubig und gottverbunden. Genauso seien die Niederbayern, aber halt ein wenig kerniger.

Abschied sei ein scharfes Schwert, zitierte Wiesaus Bürgermeister Toni Dutz Roger Whittakers gleichnamige Liedzeilen. Gerne schloss sich auch Dutz den ermutigenden Worten seines Vorredners an und ergänzte: "Wenn irgendwo eine Türe zufällt, geht eine andere auf." Im Namen der Seelsorgeeinheit sprach Dutz auch die Abschiedsgrüße der Pfarrei. Weiter überbrachte er persönliche Wünsche von Pfarrer Max Früchtl, der noch in Urlaub war.

Rückblickend würdigte Toni Dutz den Falkenberger Geistlichen als einen humorvollen Mann. "Lange Jahre waren Sie im schönsten Falkenberg, jetzt kommen sie ins zweitschönste." Vermissen werde man Pater Stephan wohl auch seiner Oberpfälzer Dialektversuche wegen. Dutz erinnerte an das unnachahmliche "Fraale", aber auch die vergeblichen Werbeversuche für die scharf gewürzten Speisen der indischen Küche. Das Abschiedsgeschenk der Gemeinde - eine Ansicht der Wiesauer Kreuzbergkirche - hatte Wiesaus zweiter Bürgermeister Fritz Holm gemalt. (wro)


Sie machten uns stets Mut. Mit Ihrem Lachen bereiteten Sie allen eine Freude.Pfarrgemeinderatssprecher Andreas Staufer


Ich bin glücklich darüber, dass ich mit euch arbeiten durfte.Pater Stephan
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