Heimatforscher Adalbert Busl und Geoparkrangerin Ursula Schimmel führen "Steinwaldia"-Wanderer
Über Teichdämme zur sanierten Burg

Als Kenner der Landschaft und der Geschichte führte Adalbert Busl (rechts) Mitglieder der Gesellschaft "Steinwaldia" vom Seidlersreuther Weiher nach Falkenberg. Die Sage von den zwölf Raubrittern erzählte er am Fuße der Burg Falkenberg. Bild: lpp
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Falkenberg
06.05.2016
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Falkenberg/Pullenreuth. "Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?" Dieses Motto verfolgt die Gesellschaft "Steinwaldia" aus Pullenreuth seit vielen Jahren und zeigt bei ihren heimatkundlichen Familienwanderungen das, was direkt vor der Nase liegt.

Bemerkenswerte Landstriche gibt es rund um den Steinwald mehr als genug, voll von historischen Begebenheiten, naturkundlichen Besonderheiten und gespickt mit Sagen und Erzählungen. Adalbert Busl führte nun eine starke Wandergruppe vom Seidlersreuther Weiher aus über die Schnittstelle zwischen den großen Teichgebieten Muckenthal und Tirschenreuth. Er erläuterte den Aufbau und die Anlage eines Teiches. Geschaffen worden seien sie anders als oft angenommen nicht nur vom Kloster Waldsassen, sondern auch von Bauern, Bürgern und Adeligen. Nur etwa 160 Teiche von etwa 4000 befanden sich im Besitz der Waldsassener Mönche.

Ritter Marquard von Redwitz, gesessen zu Windischeschenbach, ein Leuchtenberger Lehensmann, ließ den Seidlersreuther Weiher anlegen, berichtete Adalbert Busl. Strategisch günstig platzierte er den Damm, um eine Wasserfläche von etwa 13 Hektar anstauen zu können. Der Bau zog sich über einige Jahre hin, war aber 1387 abgeschlossen. "Ein stabil ausgeführte Damm war notwendig, da über ihn die Straße Neustadt, Schönficht, Schönhaid, Mitterteich, Konnersreuth bis Arzberg, also eine der zwei Hauptstraßen des Stiftlandes, führte." Auf der sogenannten Gumpener Trad, also neben der Hauptstraße, hätte man früher oft ein schwarzgraues, zwergartiges Männlein gesehen. Die Sage vom Männlein am Gangsteig erzählte Busl auch den Wanderern aus Pullenreuth und Umgebung. Auch im weiteren Verlauf der Wanderung durchquerte die Wandergruppe aufgelassene Teiche, deren Dämme im Wald gut sichtbar waren, in deren Flächen jedoch große Bäume wachsen. Der Gumpener Teich habe früher zu den größten Teichen der Region gezählt. Als von der Weidehaltung in Stallhaltung in der Landwirtschaft umgestellt worden sei, habe man Wiesenflächen für das Heu benötigt und die Teiche umfunktioniert.

Stausee-Pläne


Teiche und Wasser bestimmten den Verlauf der Wanderung und so erläuterte Geoparkrangerin Ursula Schimmel, wie hier in den 1960er Jahren die Anlage des Gumpener Stausees geplant war. Mit nur rund drei Metern Wassertiefe sollte ein Niedrigwasser-Regulierungsbecken mit einer Wasserfläche von rund 465 Hektar, einer Fläche so groß wie der Schliersee, entstehen. Zur Trockenlegung der Naabwiesen, um keine Kläranlagen bauen zu müssen und um "Falkenberg am See" zu mehr Tourismus zu verhelfen, war der See vorgeblich geplant, so Schimmel. "Die ökologisch wertvolle Waldnaabaue, Heimat zahlloser Tierarten, teils vom Aussterben bedroht, wäre zerstört worden. Höfe, unter anderem die Troglauer Mühle, fielen den Vorbereitungen bereits zum Opfer und wurden abgebrochen."

Es regte sich Widerstand, der Bund Naturschutz (Kreisgruppe Tirschenreuth) gründete sich, Unterschriften wurden gesammelt und letztendlich Klage erhoben. Über etwa 15 Jahre zogen sich die Verhandlungen hin, bis das Verwaltungsgericht Regensburg das Projekt beendete, berichtete Schimmel. Ihr Fazit: "Man muss sich wehren!" Auf einer Fläche von etwa 1700 Hektar wurde später im Naturschutzgroßprojekt Waldnaabaue zwischen 1999 und 2011 die Erhaltung einer traditionell genutzten Kulturlandschaft mit der Förderung von dynamischen Prozessen in der Landschaft verknüpft, erläuterte die Geoparkrangerin weiter.

Raubritter


Vorbei an der ehemaligen Troglauer Mühle ging es dann "Biberbaustellen" streifend zur frisch renovierten Burg Falkenberg. Die Sage von den zwölf Raubrittern ließ aufhorchen, bevor versierte Mitglieder des "Forum Falkenberg" die Pullenreuther und ihre Gäste durch das rund 1000 Jahre alte Gemäuer führten. Den Abschluss bildete eine Einkehr in der Gastwirtschaft "Zum roten Ochsen".
Über etwa 15 Jahre zogen sich die Verhandlungen hin, bis das Verwaltungsgericht Regensburg das Projekt beendete.Ursula Schimmel
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