Hier bin ich zu Hause
Mit Dialekt nichts am Försterhut

Matthias Gibhardt vor seinem Haus. Der Deutsche Wachtelhund "Senny" ist immer dabei, wenn es ins Revier geht.
Vermischtes
Falkenberg
30.01.2016
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Nicht jeden Tag kommt Fleisch auf den Tisch der Gibhardts. Neben Wild isst die Familie auch gerne anderes Fleisch - natürlich aus der Region. Hasen und Hühner hält sie selbst. Drei oder viermal pro Jahr holt sich Matthias per Angel ein paar leckere Forellen aus dem Teich. Und ab und an ist er auch der Mann am Herd, wenn es darum geht, etwas Leckeres zu zaubern.
 

Matthias Gibhardt ist Nordhesse. Seit sechs Jahren ist er der Leiter des Reviers Falkenberg der Bayerischen Staatsforsten. Vorher tourte er in seinem Beruf durch den Steinwald und das Stiftland. In der kleinsten Gemeinde des Landkreises fühlt er sich längst zu Hause.

Der 46-Jährige ist in Kassel geboren, lebte die ersten sechs Jahre bei Eltern und Großeltern in Escherode, im südlichsten Dorf Niedersachsens. Anschließend zog die Familie nach Baunatal. Dort ging er in die Grundschule und danach in die Gesamtschule. In der 8. Klasse machte er ein Betriebspraktikum bei einem Förster in einem hessischen Revier. Das faszinierte ihn so, dass schon bald feststand: "Ich werde Förster!"

Fühlt sich pudelwohl


Davor wollte er Gärtner werden und davor Waldarbeiter, wie der Großvater. Rein körperlich bedingt war beides nicht möglich. "Ich bin schon immer recht schmächtig gewesen", sagt Matthias Gibhardt. Schmächtig bezeichnet nicht nur in der Oberpfalz eine schwache Statur, sondern auch im hessischen Sprachraum. Auch wenn sich Matthias Gibhardt hier pudelwohl und heimisch fühlt, mit dem hiesigen Dialekt hat er nichts am Försterhut.

In der 10. Klasse der Erich-Kästner-Gesamtschule machte Matthias seinen Realschulabschluss und ging danach an die Fachoberschule (FOS) mit Schwerpunkt Forstwirtschaft nach Witzenhausen. Er war 16, als er von zu Hause auszog. Dass sie ihn da nicht festgehalten haben, dafür ist er den Eltern heute noch dankbar. Denn er ist überzeugt, dass das seinem Selbstbewusstsein sehr gut getan hat. Das erste Jahr an der FOS hatte er drei Tage Schule und drei Tage Praktikum im Wald. Im zweiten Jahr dann pro Woche vier Tage Schule. Matthias bekam einen Studienplatz an der Fachhochschule Weihenstephan. Als 18-Jähriger war er dort einer der jüngsten Forststudenten. Hier lernte er auch seine Ehefrau Eva kennen, die Ökotrophologie studierte.

Anwärter mit 22


Er war 22 Jahre alt, als er seinen Anwärterdienst beim Freistaat Bayern in Arnoldsreuth bei Pullenreuth begann. Die erste Begegnung mit der Oberpfalz war bereits während des Studiums, als er sich mit einem Förstersohn aus Trevesenhammer befreundete.

Den besuchte er oft und lernte dadurch den Steinwald kennen. "Das war ein wenig wie die heimatliche Landschaft, wie das Mittelgebirge an der Grenze zwischen Hessen und Thüringen." Nach der einjährigen Anwärterzeit führte ihn sein beruflicher Weg für drei Monate als geprüfter Anwärter nach Erbendorf.

War es Matthias Gibhardt gelungen, während seiner Ausbildung immer wieder vom Wehrdienst zurückgestellt zu werden, bekundete die Bundeswehr nach Abschluss des Staatsexamens Interesse an seiner Person. "Der evangelische Pfarrer von Erbendorf war Zivildienstberater und hat mir sehr dabei geholfen, dass ich als Kriegsdienstverweigerer anerkannt wurde und trotzdem Förster werden konnte."

Er hatte damals so argumentiert, dass es für ihn ein riesiger Unterschied ist, ob er eine Waffe zum Erwerb von Nahrung benutzt und ein Reh schießt oder sie gegen einen "Artgenossen" richtet. Das sieht er übrigens heute genauso. Sein Antrag ging auf Anhieb durch. Er brauchte nicht einmal zur mündlichen Gewissensprüfung antreten.

Falkenberg dringlicher


Den 18-monatigen Zivildienst trat Matthias Gibhardt am 1. Mai 1993 bei der Unteren Naturschutzbehörde in Freising an. "Damals war gerade der neue Flughafen gebaut, für den wir die Ausgleichsflächen anlegten und betreuten. So konnte ich in meinem Berufsfeld arbeiten." Danach wurde jeweils eine Geschäftsaushilfe in Trevesenhammer und in Falkenberg gesucht. "Ich wollte eigentlich nach Trevesenhammer. Dann kam der Anruf der Oberforstdirektion Regensburg, dass Falkenberg dringlicher wäre. Und so bin ich am 1. August 1994 im Revier Falkenberg II im Forstamt Tirschenreuth gelandet." Mit der ersten Reform wurde es aufgelöst.

Gibhardt blieb im Forstamt Tirschenreuth und wurde Beamter zur besonderen Verwendung (ZBV). Er wohnte bereits seit vier Jahren in Falkenberg, als die Dienststelle Leonberg ausgeschrieben wurde. Das wurde am 1. März 2000 seine erste Revierleiterstelle, ebenfalls im Forstamt Tirschenreuth. 2005 kam die nächste Reform und Mitterteich II wurde in den Forstbetrieb Waldsassen integriert. Am 1. Februar 2010 wurde er Revierleiter in Falkenberg, das heute ebenfalls zum Forstbetrieb Waldsassen gehört.

Ich mag den Menschenschlag hier und komme hervorragend mit den Leuten aus.Matthias Gibhardt

Matthias Gibhardt fühlt sich hier auch absolut zu Hause, weil er von Anfang an herzlich aufgenommen wurde. "Ich mag den Menschenschlag hier und komme hervorragend mit den Leuten aus. Als damals mein Möbelwagen anrollte, kamen die Nachbarn gleich heraus und fragten, ob sie helfen könnten. Mein Vorgänger, Eberhard Stöckl, war von Anfang an so eine Art Mentor für mich. Der hat mich überall mit hingenommen. So landete ich bei den Falkenberger Burgschauspielern, beim Sportverein und beim OWV. Gleich in unserem ersten gemeinsamen Jahr hier wurden Eva und ich zum Falkenberger Faschingsprinzenpaar gekürt. Auch heute gehen wir gerne auf Faschingsbälle. Da war ich schon eine Vogelscheuche, ein Frosch oder ein Grashüpfer.

Nie als Fremder gefühlt


Matthias Gibhardt hat sich hier nie als ein Fremder gefühlt, war immer akzeptiert und hatte sofort Zugang zum Stammtisch. "Heute kann ich sagen, dass ich nirgends anderes mehr hingehen möchte, nicht für viel Geld. Hier passt alles wirklich perfekt." Matthias ist auch Mitglied beim DAV, Sektion Karlsbad in Tirschenreuth, und Trainer der B-Jugend des Handballclubs Tirschenreuth. Klettern und Bergsteigen sind seine weitere Leidenschaft. Breithorn, Großvenediger und Zugspitze hat er schon erklommen, meist mit der Familie. Urlaub macht er aber auch gerne am Meer. Die nördliche Hemisphäre ist dabei sein Ding. Die südliche Grenze stellt für ihn der Gardasee dar.

Waldnaabtal aufwerten


Zu seinem Revier gehört auch das Waldnaabtal, das sein Vorgänger Eberhard Stöckl schon begonnen hat, touristisch und in naturschützerischer Art und Weise aufzuwerten. Matthias Gibhardt führt diese Arbeit fort, will den Charakter ein bisschen in heller, lichter und mehr Felsen sehen, ändern.

Untypischer JägerFörster sind in der Regel auch Jäger. Auch Matthias Gibhardt, wenngleich ein eher untypischer. Er sagt: "Ich jage nur, um Essen zu beschaffen. Ich gehe gerne zur Jagd, mag das Drumherum draußen in der Natur. Trophäen interessieren mich eher nicht. Mich freut ein Rehbock, wenn er 19 Kilo wiegt, Aussehen und Gewicht des Gehörns sind dabei nicht von Bedeutung. Wildfleisch ist für mich ein hochwertiges Lebensmittel. Reh und Wildschwein schieße ich, weil ich das Fleisch haben will, den Fuchs gar nicht, weil er die Mäuse fängt. Als Mischung zwischen Hobby und Beruf sieht Gibhardt den Greifvogelschutz. Seit vielen Jahren betreut er die Fisch- und Seeadlerhorste fast im gesamten Landkreis. Er hat auch den Falknerschein. "Vielleicht, wenn ich einst die Rente habe, stelle ich mir einen Vogel auf", denkt er laut nach. (tr)
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