Junges Weibchen im Steinwald freigelassen
Luchs willkommen

Mit einem intensiven Fotofallen-Monitoring erhoffen sich die Verantwortlichen Aufschluss über Wohl und Verbleib der Luchsin. Sie wurde schon an einem selbst erbeuteten Reh dokumentiert. Bild: Sybille Wölfl
Vermischtes
Falkenberg
25.08.2016
1362
0
 
Betäubt und medizinisch untersucht wurde die Luchsin vor ihrem Transport vom Tiergehege in Lohberg ins Stiftland. Beides hat das Weibchen gut überstanden. Bild: Sybille Wölfl

Gerissene Rehe mag der Jäger eigentlich nicht in seinem Revier. Über das jetzt verendet gefundene Kitz aber freut sich Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg sogar. Und das hat seinen guten Grund.

Seit zwei Wochen gibt es im Steinwald einen "Neubürger": Da ist ein Luchs freigelassen worden. Bewusst ganz ohne Medienrummel. Nur ein ganz kleiner Kreis Eingeweihter hat davon gewusst. Das junge Weibchen stammt eigentlich aus dem Bayerischen Wald, war Ende vergangenen Jahres nahe einer Siedlung im südlichen Landkreis Regen eingefangen worden. Ganz offensichtlich verwaist. Wie die Mutter und/oder die Geschwister zu Tode gekommen sind, ist nicht bekannt.

"Solche Luchs-Waisen finden sich im November/Dezember immer wieder einmal", wie Manfred Wölfl vom Landesamt für Umwelt am Montagabend im Gasthof Prockl erzählt. Da informiert der für das Wildtiermanagement "Große Beutegreifer" zuständige Diplom-Biologe die Jägerschaft über das Projekt. Und die ist ganz Ohr und heißt "Pinselohr" - zumindest weitgehend - willkommen, auch wenn nicht alle Beteiligten gleich "Hurra" schreien.

In Lohberg aufgepäppelt


Doch zurück zur Luchsin. Die ist in den vergangenen Monaten in einem abgeschiedenen Gehege im Tierpark Lohberg aufgepäppelt und auf ihr Leben in Freiheit vorbereitet worden. Eine Aufgabe, die weitgehend Wölfls Ehefrau Sybille übernommen hat. Sie ist auch im behördlichen Auftrag zuständig für die wissenschaftliche Betreuung und Dokumentation der Wiederfreilassung.

Dass dies jetzt ausgerechnet im Steinwald in den Wäldern der Güterverwaltung Friedenfels geschehen ist, hat mehrere Gründe. Das Weibchen hätte sowieso abwandern müssen, weil die Territorien im Bayerischen Wald schon weitgehend besetzt sind. Außerdem ist die Stimmung dort in Sachen "Pinselohr" nicht gerade die beste. Von einer "geringen Halbwertszeit" ist da die Rede. Und in vielen Medien wird auch vom "Bermudadreieck für Luchse" gesprochen, weil die großen Katzen plötzlich verschwinden.

Dass daran Jäger beteiligt sein könnten, ist nicht bewiesen. "Es wäre aber kein Ruhmesblatt, wenn dem so sein sollte", sagt Baron von Gemmingen-Hornberg. Der Vorsitzende des Arbeitskreises Luchs in Nordbayern sieht die scheuen Räuber als Bereicherung der Artenvielfalt und hat ihnen deshalb schon im Vorfeld alle behördlichen Wege geebnet. Als Grundbesitzer bemühe er sich, mit allen Pflanzen und Tieren auf seinem Besitz zurecht zu kommen.

Mit Toleranz, dem notwendigen Fachwissen und einer Portion guten Willens sei das jederzeit und erfolgreich möglich. "Dass der Luchs ,meine Rehe' frisst, akzeptiere ich. Der Luchs gehört hier in den Steinwald, genauso wie die Rehe." Für den Baron ist es sein persönliches Selbstverständnis, mit allen Tier- und Pflanzenarten auf seinem Besitz verantwortungsbewusst umzugehen. "Das ist ein ganz wesentlicher Teil der Sozialpflichtigkeit des Eigentums."

Zwiespalt der Gefühle


Dass er als Jäger, Landwirt und Verbandsfunktionär auch in einem Zwiespalt der Gefühle lebt, merkt man Hubert Rustler an. Der Kreisvorsitzende der Tirschenreuther Jäger distanziert sich klar von den Vorkommnissen im Bayerischen Wald und sieht auch die Verpflichtung, dem Luchs im Naturpark Steinwald einen Platz einzuräumen. "Darum geht es. Um nicht mehr und nicht weniger." Rustler sieht den Luchs auch nicht in der Rolle des Schädlingsbekämpfers in der Wald-Wild-Problematik, der mit jedem erbeuteten Reh etwas gegen Verbiss und Schälen tut. Der Sprecher hat aber Verständnis für die Sorgen der Landwirte, die mit dem Luchs vor allem in der Öko-Modellregion Steinwald negative Auswirkungen befürchten.

Sorgen um Rotvieh


Die nennt Bauern-Obmann Ely Eibisch ganz offen. Selbst Besitzer einer Eigenjagd, hält sich seine Freude über den Neuzugang noch in Grenzen. Vor allem wegen des enormen Wirkradius eines einzelnen Luchses. Eibisch sorgt sich nicht nur um das Rebhuhn und die anderen Bodenbrüter, sondern auch um das extensiv gehaltene Rotvieh, dem der Stress mit der großen Katze sicher nicht guttue. Mit Biber, Kormoran und Fischotter habe man eh schon genug Problemfälle. So viele, dass man regulierend eingreifen müsse. Die Sorgen kann Manfred Wölfl nicht teilen. Probleme mit Weidevieh seien bislang nicht bekannt. Und den Bodenbrütern helfe der Luchs sogar. "Der frisst auch Fuchs und Katze, die Feinde genau dieser Tierarten."

___



Weitere Informationen:

www.luchs-bayern.de

Dass der Luchs jetzt "meine Rehe" frisst, das akzeptiere ich.Eberhard von Gemmingen-Hornberg


Solche Luchs-Waisen finden sich immer wieder einmal.Diplom-Biologe Manfred Wölfl


Darum geht es. Um nicht mehr und auch nicht weniger.BJV-Kreisvorsitzender Hubert Rustler
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.