Kirche und Kicken

Schon bald heißt es wieder Abschied nehmen. Pfarrer John Ekeogu hat es in Falkenberg ausgezeichnet gefallen, wie er betont. Zurzeit bereitet er sich auf seine Doktorarbeit vor. Bild: wro
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Falkenberg
07.10.2016
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Vor wenigen Wochen musste Pater Stephan von den Falkenbergern Abschied nehmen. Die Pfarrvikarsstelle nahtlos zu besetzen, wurde zwar versprochen, jedoch warten die Gläubigen noch immer auf den aus der Republik Kongo stammenden Franklin Mboma. Ohne Seelsorger sind die Katholiken aber dennoch nicht.

Franklin Mboma lässt bis heute auf sich warten. Warum das so ist, könne man nicht mit Bestimmtheit sagen, informiert Pfarrer Max Früchtl auf Nachfrage unserer Zeitung. Als Seelsorger ist der Wiesauer auch für die Belange der Falkenberger Pfarrei "Sankt Pankratius" verantwortlich. Man wisse nichts Konkretes, auch nicht wann der Pfarrvikar sein neues Amt in Falkenberg aufnehmen werde.

Derzeit betreut Priester John Ekeogu die Falkenberger Pfarrei. "Nein, der neue Pfarrvikar bin ich nicht", lacht John Ekeogu beim Öffnen der Pfarrhofhaustür. Er kümmert sich um die Katholiken der 940-Seelen-Gemeinde. Mit dem Ordinariat habe er vor wenigen Augenblicken telefoniert. Bis zum 16. Oktober könne er hierbleiben, dann wolle er sein theologisches Studium an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität wieder aufnehmen, erklärt der 47-Jährige. John Ekeou bereitet sich derzeit auf seine Doktorarbeit mit dem Thema "Die nachhaltige Entwicklung der Kirche im Einklang mit der Natur" vor. Als Kind vom Land in Nigeria aufgewachsen, fühle er sich in seiner vorübergehenden Wahlheimat Falkenberg sehr wohl, bestätigt der aus Igbo stammende Priester während des Gesprächs im Pfarrhaus-Wohnzimmer. In seiner Heimat wurde er auch zum Priester geweiht, arbeitete eine Zeit lang im dortigen Priesterseminar. Die Deutsche Sprache erlernte er am Goetheinstitut; später habe es ihn nach Augsburg verschlagen. Ein wenig wehmütig erinnert er sich an sein Daheim. Seinen Familiennamen übersetzt er mit "siegreicher Kampf für einen Wochenmarkt", an dem sein Großvater vor vielen Jahren beteiligt war. Umständlich fährt er mit der Namenserklärung fort, klaubt langsam die Wortteile auseinander. Plötzlich hält der sympathische Schwarzafrikaner inne: "Erinnern Sie sich an Biafra, an die Unruhen von damals?" Die Augen verdüstern sich. Den damaligen Bürgerkrieg kenne er selber nur vom Hörensagen. Ruhe sei dort noch lange nicht eingekehrt", fügt er bedauernd hinzu. Noch immer sei dort Krieg. Das Warum weiß John Ekeogu zu erklären: "Krieg hat auch immer etwas mit Gier zu tun. Wenn die Leute nicht zufrieden sind, gibt es Unruhen im Land." Besonders verurteilt er die Leute, die die Rebellen mit Waffen unterstützen. "Ohne die Priester aber wäre vielleicht vieles noch schlimmer", zieht Ekeougu Bilanz seiner Arbeit und seiner Mitbrüder in der von Krisen geschüttelten Region am Golf von Guinea. Gerne nimmt John Ekeougu die Gelegenheit wahr, das Thema zu wechseln, zeigt sich dankbar dafür, dass er auf sein Elternhaus angesprochen wird. Sein Lächeln kehrt zurück: "Meine Eltern sind pensionierte Lehrer." Vater (84) und Mutter (64) leben noch, erfreuen sich bester Gesundheit. Mit acht Geschwistern wurde er groß, sei als einziger Theologe geworden. "Wir sind eine christliche Familie." Die Zahl der Christen und der Moslems in seinem Land bezeichnet er als ausgeglichen. Alles andere als ausgeglichen sei das Verhältnis untereinander.

Mit Chinedu Obasi Ogbuke verbindet ihn eine tiefe Freundschaft. Der ehemalige Bundesligaprofi spielte bis vor wenigen Jahren bei der TSG 1899 Hoffenheim, dann wechselte der Stürmer nach Gelsenkirchen zu Schalke 04. "Als Fußballprofi schießt er jetzt in Schweden beim AJK Solna die Tore", lacht Pfarrer John Ekeougu. Er selbst bezeichnet sich als begeisterten Fußballspieler. Gerne trainiert der 47-jährige Interimspfarrer zurzeit mit der DJK Falkenberg.

Hoffen auf Stipendium


Ein Leben auf dem Land könne er sich durchaus vorstellen, sagt er. Die Nähe zu seinem Professor aber mache einen baldigen Umzug nach München dringend notwendig. Noch hofft er auf ein Stipendium. Das leidige Geld sei - neben der Sprache - die wohl größte Hürde, die es zu bewältigen gelte. Dennoch freue er sich auf das Wiedersehen mit seinen Kommilitonen aus aller Herren Länder. "Die Falkenberger sind ganz nette, umgängliche und freundliche Menschen", fügt er beim Hinausgehen hinzu.

Ohne die Priester wäre vielleicht vieles noch schlimmer.John Ekeougu
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