Mutig für Demokratie eintreten

Mit einer kleinen Erinnerung an Falkenberg bedankte sich Bürgermeister Herbert Bauer (links) bei Karl Berthold Schenk Graf von Stauffenberg (rechts) für den eindrucksvollen Vortrag. Bild: wro
Vermischtes
Falkenberg
16.11.2016
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Es war ein Plädoyer für Toleranz, Demokratie und Frieden. Karl Berthold Schenk Graf von Stauffenberg, ein Nachfahre des Widerstandskämpfers, sprach im Tagungszentrum von Burg Falkenberg. Er mahnte und rüttelte auf.

Karl Berthold Schenk Graf von Stauffenberg referierte bei einem Gedenkabend für Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg. Der ersehnte Lebensabend auf seiner Burg in Falkenberg war von der Schulenburg nicht vergönnt. Wegen seiner Beteiligung am Widerstand gegen das Hitlerregime war er zum Tode verurteilt und am 10. November 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet worden.

In den Mittelpunkt des Gedenkabends rückte die Familie des Widerstandskämpfers Claus Schenk von Stauffenberg. Karl Berthold Schenk Graf von Stauffenberg sprach auf Einladung des Forums Falkenberg. In seinem ersten Vortrag dieser Art, wie er betonte, widmete sich der Enkel des Widerstandskämpfers insbesondere dem Schicksal der Familie Stauffenberg, der von den Nazi-Schergen angeordneten Sippenhaft und der geplanten Ausrottung der Familie. Bewegt erzählte er von seiner Großmutter Nina, die in mehrere Konzentrationslager gebracht wurde, und dem schicksalhaften Leid ihrer Kinder, die man in ein Heim verschleppte und fortan unter dem Namen "Meister" verborgen hielt. "Die Ungewissheit, dass deren Vater etwas Schlimmes getan hatte, muss auf sie wie ein Alptraum gewirkt haben", vermutete der Stauffenberg-Nachkomme im Rückblick im fast voll besetzten Tagungszentrum der Burg. Damit umzugehen sei aber auch für ihn alles andere als leicht gewesen. "Mit dem Namen Stauffenberg kann man sich nicht in der Masse verstecken", schloss von Stauffenberg den Rückblick auf seine Familiengeschichte und damit zugleich auch Teil 1 des Gedenkabends. Ergänzend fügte er noch hinzu: "Ich könnte täglich davon erzählen, aber es ist nicht einfach, der Enkel eines Helden zu sein." Auf den Schwenk zum Widerstandskämpfer Graf von der Schulenburg wartete das gespannt lauschende Publikum während der folgenden Abschnitte jedoch vergebens.

Nicht wegsehen


Der Rest des Abends war ein Appell, für die Demokratie einzutreten. Besorgt zeigte sich von Stauffenberg über die aktuellen Wahlergebnisse. Eine klare Absage erteilte er den Protestwählern. "Politiker machen Fehler." Rechtsfeindliche Parteien zu wählen, sei der falsche Weg des Protestes. Von Stauffenberg forderte auch: "Der Frieden in Europa muss bewahrt bleiben." Das jedoch werde man nicht schaffen, wenn man versuche sich abzuschotten. "Wollen wir wirklich einen antiislamischen Schutzwall, ähnlich wie den antifaschistischen zu Zeiten der DDR?", fragte er provozierend. "Ich bin kein Politiker. Aber ich möchte Sie ermutigen, nicht wegzusehen." Seiner Organisation "Mitten drin, statt extrem daneben" widmete der Sprecher den letzten Teil des Abends. Von Stauffenberg warb für eine Mitgliedschaft im Verein - eine Gemeinschaft von Menschen, die mit demokratischen Mitteln gegen jegliche Form des Extremismus kämpfe. Von Stauffenberg bezeichnete die Vereinigung als "Herzensangelegenheit".

Karl Berthold Schenk Graf von Stauffenbergs Aufenthalt in Falkenberg war der Auftakt von jährlich geplanten Gedenkveranstaltung zum Todestag von Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg. Mit einem Geschenk bedanke sich Bürgermeister Herbert Bauer, mit Geldspenden die betroffen wirkenden Zuhörer beim prominenten Gast aus der Rhön.

Mit dem Namen Stauffenberg kann man sich nicht in der Masse verstecken.Karl Berthold Schenk Graf von Stauffenberg
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