Pädagogen lernen auf der Burg

Nach dem Vortrag begleiteten (von links) Bürgermeister Herbert Bauer, Dr. Winfried Helm, Dr. Carola Tischler, Matthias Grundler und Christoph Huber von der Bayerischen Museumsakademie die Teilnehmer durch das Falkenberger Museum. Bild: ubb
Vermischtes
Falkenberg
17.10.2016
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Geschichtspädagogen aus ganz Bayern trafen sich auf Burg Falkenberg. Ihr Interesse galt dem Wirken von Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg. Dabei gab es auch kontroverse Diskussionen. Vom neuen Wissen der rund 30 Pädagogen profitieren bald zahlreiche Schüler.

Oftmals lohnen sich weite Wege: Auf der Suche nach einem Historiker für Burgführungen stieß der Burg-Förderverein auf die Bayerische Museumsakademie München. Burgbeauftragter Matthias Grundler machte aus diesem Kontakt umgehend Nägel mit Köpfen. Er lud die Akademie nach Falkenberg ein, wo nun ein Vortrag über Friedrich-Werner Graf von Schulenburg auf enorm hohes Interesse bei den Geschichtspädagogen stieß.

Offene Fragen


Über 30 Lehrer und Fachleute lauschten Dr. Carola Tischler. Die Historikerin aus Berlin erforscht das Leben von Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg (nach dem Attentat auf Hitler verhaftet, angeklagt und später hingerichtet) im Auftrag der Universität Konstanz. Ihr Interesse an dem Adligen geht weit zurück. Schon 1989 habe sie ihre Dissertation über Schulenburg schreiben wollen, berichtete sie von ihren Hintergründen. Der Diplomat Friedrich-Werner Graf von Schulenburg fasziniert die Akademikerin seit ihrem Studium. Nur aufgrund vieler, noch offener Fragen habe sie bisher nicht über Schulenburg publiziert, erklärte sie den Zuhörern. Die promovierte Historikerin gab den Teilnehmern der Akademie-Veranstaltung mit dem Titel "Burg Falkenberg und KZ-Gedenkstätte Flossenbürg - Lernorte zum Nationalsozialismus" hochinteressantes, neues Wissen mit. Die Pädagogen lauschten ihr gespannt und geizten nicht mit Fragen.

So stellte Tischler in den Raum, Schulenburg sei nie bei Stalin ein- und ausgegangen, selbst wenn das behauptet werde. Falkenbergs Bürgermeister Herbert Bauer widersprach. Er sei Teilnehmer eines Symposiums in Moskau über Schulenburg gewesen, wonach der Graf mehrmals Stalin getroffen haben soll, was aber nicht protokolliert worden sei, erzählte Bauer. Die Historikerin bezweifelte das stark. "Zum jetzigen Zeitpunkt stelle ich das in Frage", meinte sie mit der Begründung, die Protokollierung von Stalins Besuchern sei sehr gewissenhaft durchgeführt worden. Christoph Huber von der Bayerischen Museumsakademie begrüßte Tischlers Forschungsarbeit. Man müsse sich schließlich bei einer Charakterisierung Schulenburgs einmal entscheiden, meinte er. Tischler erklärte, sie ginge auch davon aus, dass Graf von der Schulenburg Diplomat gewesen sei und er deshalb entsprechend des damaligen Zeitgeistes agiert und gearbeitet habe.

Klassenführungen


Diskussionsgrundlagen gab es genug, so dass der Fachvortrag auch beim Mittagessen weiter besprochen wurde. Am Nachmittag erlebten die Seminarteilnehmer die Museums-Darstellung des Grafen, wie sie Dr. Winfried Helm aus Passau für Falkenberg konzipiert hat. Helm war selbst anwesend, was Burgbeauftragten Matthias Grundler freute: "Wir konnten damit heute zudem die Fachschaft zusammenbringen, die sich intensiv mit Schulenburg auseinandersetzt." Dabei ist der wahre Hintergrund der Fachtagung ein anderer: Durch Vermittlung von Landtagsabgeordnetem Tobias Reiß können bald fundierte Schulklassenführungen mit geschulten Geschichtspädagogen in Falkenberg stattfinden. Burgbeauftragter Matthias Grundler schaute sich deshalb interessiert unter den anwesenden oberfränkischen und Oberpfälzer Lehrern um. "Vielleicht finden wir schon heute jemand, der dieses Amt übernimmt."
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