Eine Antwort auf die Frage „Wohin steuern Weltwirtschaft und Finanzmärkte?“, versuchte die ...
Nichts Genaues weiß man nicht

Nicht über die "Köpfe hinweg", sondern plastisch und humorvoll erläuterte Dr. Ralph Solveen die weltwirtschaftlichen Risiken. Bilder: Fütterer (2)
Wirtschaft
Falkenberg
19.02.2016
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Antje Praefke, Commerzbank.

"Die Unsicherheit ist da." Eine Antwort auf die Frage "Wohin steuern Weltwirtschaft und Finanzmärkte?", versuchte die Commerzbank zu geben. Es bleibt ein weiter Spielraum für Interpretationen.

Zumindest lässt der weltweit geführte Einkaufsmanager-Index keinen globalen Einbruch erkennen, auch wenn die Wirtschaft "deutlich an Fahrt verloren" hat. Dr. Ralph Solveen, stellvertretender Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Commerzbank, hinterfragte den stark gesunkenen Ölpreis als etwaigen Indikator. Der Experte gab Entwarnung: "Überproduktion steigerte hier kräftig das Angebot. Die Nachfrage ist keineswegs weggebrochen." Das gelte auch für die meisten anderen Rohstoffe. Der Preisverfall bremse jedoch die (industriellen) "Öl-Investitionen".

Oberpfalzweit hatte die Commerzbank-Niederlassung Weiden ihre wichtigsten Geschäfts- und solventen Privatkunden auf die Burg Falkenberg eingeladen. Die USA ("bisher ein Fels in der Brandung") weisen nach Einschätzung von Solveen einen "robusten Arbeitsmarkt" mit monatlich 200 000 neuen Jobs auf. "Die Zahl der offenen Stellen steigt allerdings deutlicher als die der Löhne." Die US-Zentralbank Fed verfolge eine straffere Geldpolitik. Die "Emerging Markets" (ohne China) würden unter dem Preiseinbruch bei den Rohstoffen leiden. Mit Skepsis beurteilte Ralph Solveen die Wirtschaft Chinas - besonders im Hinblick auf die horrende Verschuldung des privaten Sektors: "Im Vergleich zu China sind die USA hier wahre Waisenknaben." Entscheidend sei wohl, wie die "Luft" aus dem "Luftballon" China entweiche: plötzlich oder in gemäßigtem Tempo. Nicht minder hoch sind die privaten Haushalte in der Eurozone verschuldet, nämlich mit rund 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), in Deutschland mit etwa 110 Prozent. Solveen diagnostizierte ein "ähnliches Problem wie China" und kritisierte eine "zu expansive Geldpolitik der EZB" mit zusätzlich 60 Milliarden Euro in jedem Monat. Konjunkturell gehe es im Euroraum zwar aufwärts, aber nicht dynamisch. "Die Konjunktur wird sich dahin schleppen, das wird noch eine Zeit dauern." Extrem zurückhaltend äußerte sich der Commerzbank-Experte daher zu einer Zins-Prognose.

Horst Schmidt, Leiter der Commerzbank-Niederlassung Weiden, empfahl den Kunden, bei der Geldanlage mutiger zu werden und beispielsweise in Aktien zu investieren.
Die Konjunktur wird sich dahinschleppen.Prognose von Ralph Solveen für den Euroraum


Der US-Dollar: Weiter auf und davon?Eine "langsame, aber volatile Abwärtsbewegung" des Euro-Wechselkurses zum US-Dollar prognostiziert die Devisen-Expertin der Commerzbank, Antje Praefke (Senior FX-Strategist) auch für dieses Jahr. So könnte Anfang 2017 der Kurs des Euro nur noch 1,04 zum US-Dollar betragen (derzeit etwa 1,12). Seit Juli 2014 legte der Wert des (handelsgewichteten) US-Dollar "signifikant" um 18,5 Prozent zu. Sorge bereitet Praefke die "Kapitalflucht aus der chinesischen Währung", dem Renminbi. Innerhalb von eineinhalb Jahren schrumpften die Devisenreserven Chinas (insgesamt 4 Billionen US-Dollar) um umgerechnet 762 Milliarden US-Dollar. Praefke: "Chinas Ziel einer Leitwährung Renminbi bleibt noch ein Traum." Von den Welt-Devisenreserven entfallen derzeit 64 Prozent auf den US-Dollar und 20 Prozent auf den Euro.

Nach Einschätzung der Commerzbank-Expertin hat sich Russlands Rubel inzwischen "stabilisiert". Doch sollte der Ölpreis-Verfall weiter anhalten, schließt Praefke russische Kapitalverkehrskontrollen nicht aus. Weltweit bewegen sich alle (wichtigen) Inflationsraten "anhaltend unter den Inflationszielen". So liegen auch die Leitzinsen der führenden Industrienationen (G 10) am "unteren Rand". Vor diesem Hintergrund fragte Praefke, "ob die volatilen 70er und 80er Jahre wiederkommen?" Ihr Fazit: Markt und Zentralbanken müssen sich aufeinander einstellen; Signale sind wichtiger als Aktionen; Timing ist wichtiger als der Trend und die Zentralbanken müssen die Kommunikation pflegen. (cf)
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