Falkenberger IGZ Logistics und IT entwickeln Datenbrille für industriellen Einsatz
Vom Spielzeug zum effektiven Arbeitsgerät

Roland König testet die Datenbrille im Lager in Falkenberg. Das futuristisch anmutende Produkt ist eine hauseigene Weiterentwicklung der Ur-Google-Glass. Bild: hfz
Wirtschaft
Falkenberg
24.03.2016
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Freihändiges und papierloses Arbeiten im Lager? Reduzierung der Fehlerquoten? Anweisungen und Aufträge in Echtzeit abarbeiten und verbuchen? Viele Logistikunternehmen stehen genau vor diesen Aufgaben. In der Leistungspalette von "IGZ Logistics und IT" aus Falkenberg findet sich eine sogenannte Smart Glass.

Ein einsatzbereites Gerät - angeregt durch die Datenbrille "Google Glass", weiterentwickelt und für Anwendungen in der Industrie in Verbindung mit der Standardsoftware SAP geeignet. Roland König, Mitarbeiter in der Standardentwicklung, hat die futuristisch anmutende Brille für den Einsatz mit entwickelt und verfeinert. Von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt vergingen rund drei Jahre. Zeit, in der aus einem scheinbaren Spaß für Technik-Liebhaber ein ernstzunehmendes Gerät für den industriellen Einsatz wurde. "Wir hatten anfangs sogar das Problem eine Datenbrille zu bekommen", berichtet König.

Bis aus der Google Glass die Smart Glass wurde, galt es einige Hürden zu nehmen. "Anfangs haben wir so ein Teil nicht einmal bekommen", erinnert sich Markus Wenning. "Wir haben dann auch schnell festgestellt, dass das Gerät für einen industriellen Einsatz weniger geeignet war."

Robust und flexibel


In der Industrie zählen Robustheit und Flexibilität des Produkts. Sturzschäden können eine Produktionskette lahmlegen, Umgebungsgeräusche von Gabelstaplern können zu "Verhörern" führen. Die Brille muss mit Handschuhen oder per Sprache zu bedienen sein. Die Sprachsteuerung zu optimieren, war eine der aufwendigeren Aufgaben. Männliche Stimmen, weibliche Stimmen, Dialekte: Das System soll schließlich mit wenigen Modifikationen überall in den Einsatz gehen können. "In der Schweiz heißt das eben drü und nicht drei", erklärt Roland König.

Idee passt, Technik und Software passen. Fehlt nur die Hardware. Ein Ausrüster im Bereich der Militärtechnik hatte ein System im Angebot, das den Anforderungen standhielt. Was im Armeeeinsatz durchhält, macht das auch im Hochregallager. Nötige Anpassungen in der Ergonomie "das Gerät muss auf viele verschiedene Köpfe passen" ließen sich bewerkstelligen. Modularität für einen Einsatz mit und ohne Helm oder mit und ohne Schutzvisier war sichergestellt. Nächstes Problem: Prozessor, Mikrofon und Lautsprecher am rechten Ohr wiegen 50 Gramm. Eigentlich wenig, trägt man die Smart Glass einen ganzen Arbeitstag lang, merkt der Benutzer das aber. Eine ebenso einfache wie clevere Idee brachte hier die Lösung gegen die Nackenverspannung: ein Gegengewicht.

Zukunftsmusik


Die Möglichkeiten der Smart Glass sind noch lange nicht ausgereizt. Besonders an mobilen Arbeitsplätzen. Ein Möbelhaus, in dem der Kunde beim Rundgang schon seine Bestellung in einen Warenkorb packen kann, oder im Lager zu den gewünschten Teilen gelotst wird? Machbar. Ein Supermarkt, in dem der digitale Einkaufszettel, Laufwege, Regale und Angebote eingeblendet werden? Denkbar. Rettungssanitäter, die Infos zu Medikamenten erhalten? Warum nicht?

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Das kann die Smart GlassDer Benutzer setzt das Gerät, das an eine Art Helm montiert ist, einfach auf. Über einen kleinen Monitor im Sichtfeld werden die Informationen wie etwa Produktbilder eingeblendet. Über einen Lautsprecher am Ohr erhält der Mitarbeiter bei Bedarf Details wie etwa Teilenummern oder benötigte Stückzahl für den nächsten Arbeitsschritt. Das Mikrofon dient zur "Kommunikation mit dem System", Rückfragen, Wiederholungen, Bestätigungen laufen über das Audio-System. Die Lautsprecher-Einheit enthält auch den Prozessor sowie Sensoren für eine berührungslose Gestensteuerung. (uax)
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