Fulminanter Auftritt in Dürnsricht
Schwester Susi und der Blaimer

Sie kamen nur zu viert und boten trotzdem einen lange beklatschten Auftritt: Bassist Marco Klement, Schlagzeuger Max Seelos, Susi Raith und Andreas Blaimer (von links). Die zweite Raith-Schwester Tanja war erkrankt. Bild: nib
Kultur
Fensterbach
02.11.2016
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Was macht ein Duo, wenn einer von beiden krank und der Saal voll ist? Antwort: Trotzdem auftreten. Gewagte Sache. Denn schließlich wollten die Leute in der Dürnsrichter Sporthalle zwei Raith-Schwestern sehen. Tanja konnte unmöglich auf die Bühne. Aber Susi kam. Und mit ihr Andreas Blaimer. Er allein schon war das Eintrittsgeld wert.

Dürnsricht. "The show must go on", heißt es im Englischen. Auch dann, wenn einer aus dem Protagonistenkreis nicht erscheinen kann. Da muss es halt der andere richten. In diesem Fall Susi Raith, die - um das vorweg zu nehmen - einen mitreißenden Auftritt ablieferte. Samt der Band an ihrer Seite und mit dem Bassisten Marco Klement, der die zweite Stimme im Duett glänzend ersetzte. Dazu der Schlagzeuger Max Seelos und (natürlich) dieser famose, mit seinen Fender-Gitarren ebenso wie als Kabarettist auftretende Sänger Andreas Blaimer. Wenn er an die Rampe tritt, scheint es fast so, als käme dieser Mann mit seinem gut einen Meter langen grauen Haupthaar gerade eben von einem Senioren-Treffen der Uriah-Heep-Fans.

Virusinfektion im Chor


Was ist das da vorne auf dem Podest? Bayerischer Rock'n'Roll, geschüttelt in einem Shaker mit lateinamerikanischen Klängen, dazu Balladen in oberpfälzischer Mundart und mit einer Portion hintergründigem Humor. Einfach nur schön, zwei Stunden lang. Da ist Susi Raith mit ihrer Stimme, die aus der Volksmusik kommt und alle Tonlagen exzellent beherrscht. Da gibt es diesen Andreas Blaimer, der seine Zuhörer mit dem schlichten Lied "Virusinfektion" zu einem Chor aus über 250 Kehlen animiert. Heuer schon gehustet und geschnieft? Es wird Zeit, dass man des Blaimers Ratschläge beherzigt. Und es gibt noch viele weitere Höhepunkte in dieser Show mit dem Titel "I mog's bunt".

Die Susi und der Blaimer aus einem Vorort von Roding und mittlerweile in ganz Bayern unterwegs haben ihre Stärken in der Mundart. "Der g'sunde Menschenverstand" wird angemahnt. Das längst zu einer Hymne gewordene Bekenntnis "I woar heia no net oamal im Weiher" erklingt und der mit Samba-Sequenzen angereicherte Song "Mei, bist du a Schöina" schafft ein Bekenntnis zum Herrn der Träume. Doch der steht in Gestalt des Alt-Rockers Blaimer nebenan und klagt mit schmerzendem Kreuz über die Gebrechen des nahenden Lebensherbstes.

Unglaublich gefühlvoll


Zum Schluss "Du und i". Nur drei Worte, aber eine Ballade, die reif ist für allerhöchste Bühnenweihen. Was wäre, wurde später draußen im Foyer diskutiert, wenn Susi Raith das einmal zusammen mit Hubert von Goisern singen würde? Man müsste es ihm sagen, dem Achleitner (wie er wirklich heißt). Er sollte einfach mal im Publikum sitzen. Denn so wie der Österreicher kann auch die Frau aus der Oberpfalz ihre Töne unglaublich gefühlvoll ins Mikrofon hauchen, dann wieder kraftvoll jodeln und juchzen. Weit jenseits von Pop und Almdudler. Schlichtweg faszinierend.

Ein Abend, der nach Neuauflage verlangt. Dann mit der erkranken Raith-Schwester Tanja, mit dem die Truppe verpflichtenden Bürgermeister Christian Ziegler und eingedenk des in der ersten Reihe sitzenden Volksmusikpioniers Alois Gillitzer. Der kennt die Raith-Moidln, als sie noch zusammen mit ihrer Mutter Monika in Wirtshäusern auftraten. Der Mann aus einem Dorf bei Oberviechtach sagte nach dem Konzert nur zwei Worte: "Schöi war's."
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