"Der Bob kommt sowieso"

Wenn Baumaschinen anrollen, ist Baumann mit dabei: Seit Jahrzehnten arbeitet der 70-Jährige (Mitte) ehrenamtlich und mit großem Engagement für die DJK Dürnsricht-Wolfring. Bild: hou
Lokales
Fensterbach
04.12.2015
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Wenn auf dem DJK-Gelände vom "Bob" die Rede ist, weiß jeder, wer gemeint ist. Der Mann aus Hartenricht, heuer 70 Jahre alt geworden, ist immer da, wenn man ihn braucht. Und das ist eigentlich immer der Fall.

Als am 3. März 1963 ein Sportverein mit dem Namen DJK Dürnsricht-Wolfring gegründet wurde, stand sein Name auf dem Protokoll, das auf einer Schreibmaschine getippt wurde: Josef Baumann, damals gerade 18 Jahre alt. Seither steht er dem Club ehrenamtlich zur Verfügung. Funktionär und Arbeiter, oft um Rat gefragt, nie um eine Meinung verlegen. Ein Stück, wie manche schmunzelnd sagen, "lebendes Inventar". Auf vielen Positionen präsent, unersetzbar bis heute.

Dass Josef Baumann längst zum Ehrenmitglied ernannt wurde, ist die logische Konsequenz für einen, der zu Zeiten von Max Morlock, Fritz Walter und Sepp Herberger als Sportsmann vom Scheitel bis zur Sohle bezeichnet worden wäre. Nie ist es ihm in den Sinn gekommen, auch nur einen Pfennig (oder heute besser: Cent) zu nehmen. Auch wenn Vorstandssitzungen noch so lange dauerten, galt bei ihm und für alle anderen: Jeder zahlt seine Zeche selbst. Das hat sich bei der DJK quasi eingebürgert.

Zehn Jahre Vorsitzender

Der Bob war Spieler, schnürte die Fußballschuhe, kam später in die Betreuerrolle und blieb auch nach seiner aktiven Zeit in der ersten und zweiten Mannschaft dem Club aktiv treu. Die DJK Dürnsricht-Wolfring wurde zu einem Teil seines Lebens, für sie opferte er Abertausende von Stunden. Von 1985 bis 1995 Stellvertreter des damaligen Vorsitzenden Hans Schrott sen. und danach weitere zehn Jahre lang an der Spitze des Vereins. Dabei sah er sich nie als Chef. Wenn es an die Arbeit ging, schritt Baumann voran. Mit Schaufel und Pickel, auf dem Traktor und als einer, der stets durch technische Kenntnisse brillierte. Im Blaumann oder mit Sakko und Krawatte: Er machte immer eine gute Figur.

2005 gab Josef Baumann sein Spitzenamt an den heuer verstorbenen Hans Schrott jun. ab. Mit damals 60 Lebensjahren hätte er sich zurückziehen können. Das aber kam ihm nie in den Sinn. Denn zu tun gab es immer etwas. Beispielsweise die Renovierung und Sanierung des Sportheims. Ein Großprojekt für den mitgliederstärksten Verein in der Gemeinde Fensterbach. Eigenleistung musste sein. Also erschien er und machte mit. Oft bis in die Nacht hinein. Ungefragt, weil jeder wusste: "Der Bob kommt sowieso."

Keiner sagt Nein

Irgendwann wurde ein Förderverein ins Leben gerufen. Wer sollte ihn führen? "Das macht der Bob", hieß es. Keine Frage, dass er sich wählen ließ. Ein weiteres Amt, das Baumann übernahm und bis heute innehat. Es geht einher mit der Ausrichtung von Veranstaltungen, der Bitte um Spenden und der Absicht, den Leuten aufzuzeigen, dass der Amateursport nur dann eine Überlebenschance hat, wenn man ihm finanziell unter die Arme greift. Wenn es um Aktionen geht, kann es leicht sein, dass er seine Leute anruft und knapp mitteilt: "Kannst du kommen? Wir müssen etwas machen." Widerspruch verbietet sich bei seiner Autorität.

Wenn seine DJK auf dem Rasen aufläuft, erscheint Josef Baumann. Nur dann kann es sein, dass er bisweilen außer Fassung gerät. Der ansonsten kühle Denker wird bei den Partien zum Fan, der sich freuen und aufregen kann. Bis zum Abpfiff ist er hoch konzentriert mit dabei. Damals, als die DJK in der Landesliga kickte, und heute bei den Partien in der Kreisliga.

Das Versprechen gilt

Dann darf man ihn, so wissen seine Freunde, nicht ansprechen. Denn er fiebert mit und es ist, als stünde der Bob noch selbst 90 Minuten auf dem Rasen. Dort mischt er zwar schon seit langem nicht mehr mit. Aber es gilt, was er selbst einmal so formuliert hat: "Wenn ihr mich braucht, bin ich da."
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