Die Ära Schrott geht zu Ende

Eines von ganz wenigen Bildern, die es von Vater und Sohn Schrott gibt: Hans Schrott sen. (links) war 47 Jahre Bürgermeister. Er stand heuer im Juli am Grab seines Sohnes Hans Schrott jun. (rechts), der nach 19-jähriger Tätigkeit als Gemeindeoberhaupt einem Krebsleiden erlag. Das Foto entstand im April 2015. Bild: hou
Lokales
Fensterbach
12.09.2015
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Wenn am Sonntag, 4. Oktober, in der Gemeinde Fensterbach ein neuer Bürgermeister gewählt wird, dann endet ein Stück kommunalpolitischer Geschichte, das mit großer Sicherheit einmalig im Freistaat Bayern sein dürfte. Denn erstmals seit 70 Jahren spielt dann der Name Schrott keine Rolle mehr.

Die Schrotts kamen allesamt aus Knölling. Ihre Wurzeln lagen in der Landwirtschaft und sie stellten sich in den ehrenamtlichen Dienst der kommunalen Politik. Knölling und Dürnsricht bildeten damals eine Gebietseinheit, an deren Spitze nach dem zweiten Weltkrieg ein Mann namens Schrott stand. Der Bauer aus Knölling blieb von 1945 an nur wenige Jahre im Amt. Dann trat sein Sohn Hans die Nachfolge in der Gemeindekanzlei an.

47 Jahre im Amt

Der damals von den Bürgern gewählte Hans Schrott war gerade einmal 26 Jahre alt, als er ins Amt kam. Das war im Juni 1949 und damit zu einer Zeit, in der gleichsam Aufbruchsstimmung herrschte. Was damals keiner ahnen konnte: Hans Schrott, heute hochbetagt und "der Senior" genannt, blieb bis 1996 Bürgermeister. 47 Jahre also. Eine Art Rekord, den bayernweit nur ganz wenige mit ihm teilten. Dafür gab es hohe Auszeichnungen.

Sohn als Nachfolger

Anfang der 1970er-Jahre kam die Kommunalreform. Sie führte dazu, dass aus den Gebietseinheiten Högling, Wolfring und Dürnsricht die Gemeinde Fensterbach wurde. Das seinerzeit neue Gebilde wurde nicht nach einem Ort benannt. Auch das ist fast schon einzigartig im Freistaat, sieht man einmal von der Gemeinde Birgland im Kreis Amberg-Sulzbach ab. Hans Schrott sen., immer zur CSU gehörend, blieb Bürgermeister und fuhr anschließend meist glänzende Wahlergebnisse ein. Zum Abschluss seiner Laufbahn als ehrenamtlicher Bürgermeister aber wurde es dann knapp. Mit nur wenigen Stimmen Vorsprung konnte sich der "König vom Fensterbachtal", wie ihn viele zu nennen pflegten, gegen den Mitbewerber Karl-Heinz Haubelt (SPD) durchsetzen.

1996 trat Schrott sen. ab. Bei der damaligen Kommunalwahl schien fest zu stehen, dass wohl eine Ära zu Ende gehen würde. Denn nichts deutete zunächst auf seinen Sohn Hans Schrott jun. als Nachfolger hin. Johann Grabinger aus Dürnsricht entschied die Abstimmung zwar für sich, trat das ihm übertragene Amt aber nicht an. Also wurde erneut ein Urnengang fällig. Dabei warf überraschend Hans Schrott jun. seinen Hut in den Ring und wurde gewählt. Womit feststand: Das Namensschild des Bürgermeisters im Rathaus brauchte nicht geändert zu werden. Die Schrott-Tradition setzte sich fort. Auf den Vater folgte der Sohn.

Weitere 19 Jahre gingen ins Land. Der wie sein Vater und Großvater der Landwirtschaft zugeneigte Hans Schrott jun., studierter Agraringenieur und zuletzt hauptamtlich beim Landwirtschaftsamt tätig, blieb drei Perioden lang Gemeindeoberhaupt. Er setzte sich 2014 bei den Kommunalwahlen gegen Mitbewerber Carl Graf zu Eltz knapp durch und startete in seine vierte Amtszeit. Heuer im Juli erlag er im Alter von 61 Jahren einem Krebsleiden. Nach sieben Jahrzehnten ist die Ära Schrott, an der drei Männer aus einer Familie beteiligt waren, beendet. In Bayern dürfte das mit hoher Wahrscheinlichkeit ohne vergleichbares Beispiel sein. Gleichwohl bleibt zumindest einer mit dem Namen Schrott in der Kommunalpolitik: Hermann Schrott, ein Bruder des verstorbenen Bürgermeisters und Sohn des Altbürgermeisters, gehört seit 2014 dem Gemeinderat an.
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