Ideen für die Kommune

Symbolbild: dpa
Lokales
Fensterbach
15.10.2015
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Im ersten Wahldurchgang hatte er 41,9 Prozent der Stimmen: der Kandidat der Wählergemeinschaft Wolfring, Christian Ziegler (48). Bild: Götz
 
Am 4. Oktober brachte Dr. Marlene Groitl (61), die Kandidatin der Wählergemeinschaft Dürnsricht, 37,0 Prozent der Wähler hinter sich. Bild: Götz

Wer wird Bürgermeister in Fensterbach? Im Vorfeld der Stichwahl, die am Sonntag stattfindet, lud die NT-Redaktion die beiden Kandidaten Dr. Marlene Groitl und Christian Ziegler zum Gespräch ein. Dabei ging es nicht nur ums Beantworten von Fragen - auch Spontanität war wichtig.

Wie stehen die beiden Kandidaten für das Bürgermeisteramt zu kommunalpolitischen Themen, die die Gemeinde schon lange beschäftigen? Was sind ihre Vorstellungen für die Zukunft, ihre Ziele? Sieben Fragen stellte die NT-Redaktion den beiden Bewerbern vor der Stichwahl am Sonntag. Zum Abschluss der Runde mussten die Kandidaten noch fünf Halbsätze vervollständigen. Die Antworten sind auf dieser Seite zusammengefasst.

Was würden die Kandidaten im Fall ihrer Wahl an Neuem in der Gemeinde umsetzen wollen? Dr. Marlene Groitl hat eine genaue Vorstellung: "Ich will eine Gemeinde der Generationen aufbauen". Dazu müssten vor allem die Jugendlichen eingebunden werden. Vorstellen könnte sich die Kandidatin der Wählergemeinschaft Dürnsricht auch einen Familienbeauftragten, der zum Beispiel neue Gemeindebürger begrüßt: "Ich möchte eine Willkommenskultur im Rathaus etablieren".

Auf jeden Fall plant Dr. Groitl, im Fall ihrer Wahl ein gemeindliches Mitteilungsblatt ins Leben zu rufen. Darin soll zum Beispiel Unternehmen die Möglichkeit gegeben werden, ihren Betrieb kurz vorzustellen. Ergänzt werden könnte das Blatt durch aktuelle Informationen aus der Gemeinde. Verbessert werden müsste nach ihrer Ansicht auch noch der Internetauftritt der Kommune.

In diese Richtung gehen auch die Ideen von Christian Ziegler. Er will den Servicebereich verbessern, sollten ihn die Wähler beim Urnengang am Sonntag auf den Chefsessel im Rathaus wählen. "Service", ist der Kandidat der Wählergruppe Wolfring überzeugt, "ist das A und O in der heutigen Zeit - egal, wo man ist".

Potenzielle Neubürger in der Gemeinde müssten in Erfahrung bringen können, ob und wo die Möglichkeit besteht, zuzuziehen. Im Internet müsste es Zieglers Meinung zufolge zum Beispiel eine Seite geben, auf der freie Wohnungen oder Bauplätze im Gemeindebereich ersichtlich sind. Die Initiative dafür müsste von der Kommune ausgehen. Für etwaige Neubürger wäre eine derartige Einrichtung eine Erleichterung - und auch vom Wohlfühlfaktor her wichtig, ist der Bürgermeisterkandidat überzeugt.

Bemühen um Betriebe - Gemeinde braucht ein Angebot für die Industrie

Die Gemeinde verfügt bis heute über kein Gebiet, auf dem Industriebetriebe angesiedelt werden können. Wer nachfragt, müsste auf Nachbarkommunen verwiesen werden, obwohl Fensterbach selber ja auch in unmittelbarer Autobahnnähe liegt. Soll das auf die Dauer so bleiben?

Nein, meint Christian Ziegler. Mit Eigentümern, die in Frage kommende Grundstücke besitzen, möchte er in direkten Kontakt treten. Er will sie nicht nur anschreiben, sondern sich um ihre Abgabebereitschaft in persönlichen Gesprächen bemühen. Es könne sich da durchaus was tun, zum Beispiel in Richtung Freihöls oder Schafhof.

Das Thema stuft der Wolfringer Kandidat ganz hoch ein, deshalb will er da auch unbedingt dran bleiben. Eine Kommune, die ihren Einwohnern etwas bieten möchte, brauche nämlich so viele Arbeitsplätze als möglich. Sie kämen freilich nicht von selber, da müsse man schon immer wieder nachhaken und mit Interessenten reden.

Auch Dr. Marlene Groitl sieht da Handlungsbedarf. Sie hat hauptsächlich zwei Gebiete im Auge. Das eine liegt neben dem Betonwerk Godelmann am Ortsrand von Högling. Dort will sie Gespräche führen. Die zu veranschlagenden Preise seien zwar zunächst horrend hoch gewesen, jedoch langsam aber sicher würden sie sich auf ein Normalniveau reduzieren. Fest stehe, die Kommune müsse für diese Aufgabe in Zukunft mehr Geld in die Hand nehmen als bisher.

Der zweite Bereich, der ihrer Meinung nach in Frage käme, liegt in Dürnsricht: auf dem Gelände des einstigen Betonwerkes Sebald. Auch dort müsse über die Zukunftspläne gesprochen werden. Nur so könne es gelingen, Platz zu schaffen für junge oder überhaupt neue Unternehmen.

Neue Impulse für die Kultur - Bewerber um das Bürgermeisteramt haben abweichende Vorstellungen

Auf dem "visionären Fuß" erwischt man Dr. Marlene Groitl, wenn sie gefragt wird, ob das kulturelle Angebot in der Gemeinde ausreicht. Es gebe zwar 35 Vereine in den Ortsteilen, die gute Arbeit leisten, antwortet die Bürgermeisterkandidatin. Als Ergänzung dazu könnte sie sich aber einen Kulturreferenten der Gemeinde vorstellen. Dieser könnte dann zum Beispiel Streichkonzerte, Lesungen oder Ausstellungen als zusätzliches Angebot organisieren. "Ein Kulturreferent", ist Dr. Groitl überzeugt, "würde der Gemeinde sehr gut tun". Christian Ziegler sieht das bestehende kulturelle Angebot in der Gemeinde als breitgefächert an. Die Vereine böten hervorragend organisierte Veranstaltungen. Ob ein Kulturreferent nötig sei, stellt der Kandidat infrage und spricht den Geldfaktor an. Er könnte sich generationenübergreifende Veranstaltungen vorstellen. Ein Beispiel: Das ehemalige "Rocking Hoot"-Festival sei für ein junges Publikum gedacht gewesen. Ziegler stellt sich eine Veranstaltung vor, auf der sich ein 70-Jähriger genauso wohl fühlt wie ein 25-Jähriger - also beispielsweise mit Blasmusik am Nachmittag und modernen Klängen am Abend.

Kanal: Sanierung nötig - Kandidaten räumen Maßnahme großen Stellenwert ein

Einig sind sich die beiden Bewerber um das Bürgermeisteramt darin, dass im Bereich der Ortskanäle dringend etwas getan werden muss und die Zeit auf den Nägeln brennt. Vor allem in den beiden Gemeindeteilen Dürnsricht und Freihöls gibt es erhebliche Probleme mit dem Kanal.

Für Dr. Marlene Groitl ist klar: "Wir werden das tun müssen". Die Kosten belaufen sich nach Berechnungen auf rund eine Million Euro. 200 000 habe die Gemeinde in diesem Jahr in den Kanal bereits investiert. In dieser Größenordnung könnte sich die Bewerberin der Wählergemeinschaft Dürnsricht in den kommenden Jahren Ausgaben für die Sanierung vorstellen: "Das Geld dafür ist da".

Auch Christian Ziegler spricht von Investitionen, die sein müssen. "Es kann nicht ,Land unter' bei den Leuten sein", macht der Kandidat der Wählergemeinschaft Wolfring deutlich. Das nötige Geld für den Kanal, unterstreicht Ziegler, werde vorhanden sein und müsse demzufolge bereitgestellt werden. Ziegler vergleicht die Dringlichkeit der Maßnahme mit einem Notarzteinsatz: "Der mit der Schürfwunde sitzt da, und der mit dem blutenden Bein wird als Erster versorgt".

Aus Teilen ein Ganzes machen - Mit unterschiedlichen Ansätzen zu mehr Zusammenarbeit in der Gemeinde

Die Gemeinde Fensterbach ist ein Konstrukt aus früher eigenständigen Kommunen. Ihr Zusammenwachsen zu einer Einheit ist bisher nur begrenzt gelungen, das kommt auch bei Wahlen immer wieder zum Ausdruck. Was wollen die beiden Bewerber denn tun, um die Ortsteile mehr zusammen zu führen?

"Reden, reden, reden", lautet für Christian Ziegler (Wolfring) die oberste Devise. Dazu gehöre es auch, miteinander was zu machen. Dass der Zusammenhalt gut funktionieren kann, habe sich ja auch schon oft gezeigt, zum Beispiel kürzlich bei der Kapelleneinweihung in Knölling: "Da war ganz Fensterbach auf den Beinen, da hat man nichts gemerkt von Querelen". Er ist ohnehin überzeugt: An den Brennpunkten werde nicht so heiß gegessen wie gekocht.

Gerade auch bei seinen Wahlversammlungen habe er durchaus gespürt, dass die unterschiedlichen Gruppierungen schon auch Interesse daran haben, zusammengeholt zu werden. Das reiche aber nicht einmal im Jahr. Man benötige mehr Dialog unter den Ortsteilen - er lasse sich finden, indem bei Bedarf mehr lockere Gesprächsrunden initiiert werden.

Reden ist nach Überzeugung von Dr. Marlene Groitl (Dürnsricht) zu wenig. Ihrer Ansicht nach wäre es dringend nötig, Stellen und Einrichtungen zu schaffen, die es bislang noch nicht gibt in Fensterbach. Sie denkt da in erster Linie an einen Jugendsprecher. Aus ihrer Erfahrung als Seniorenbeauftragte wisse sie, dass die Leute vor allem dann gerne zusammenkommen, wenn sie sich als Zielgruppe angesprochen und mitgenommen fühlen. Da könne ein Jugendrat, oder wie immer man ihn letztlich nennen möge, wie eine Klammer wirken. Durch die verstärkte Arbeit mit der jungen Generation könne es gelingen, die Zergliederung innerhalb der Kommune aufzubrechen.

Freude über Leichenhaus-Bau

Froh sind beide Kandidaten, dass das Leichenhaus in Wolfring - es beschäftigte den Gemeinderat seit weit über einem Jahr - nun bald gebaut wird. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Gemeinderat laut Dr. Marlene Groitl in seiner vergangenen Sitzung. Die entsprechenden Mittel stehen bereit, nun folgen die Detailausschreibungen, bevor mit dem Bau begonnen werden kann. "Ich bin froh, dass diese Maßnahme endlich umgesetzt wird", freut sich Dr. Groitl über diesen Beschluss. Das sieht auch Christian Ziegler so: Er bezeichnet es als "erfreulich", dass zum Thema "Leichenhaus" nun endlich Ruhe eingekehrt sei.

Bescheide nicht im Sande verlaufen lassen

Die Gemeinde hat seit Jahren erhebliche Außenstände an Beitragszahlungen, die noch von Einwohnern zu leisten wären. Es soll sich dabei um eine Summe in sechsstelliger Höhe handeln. Darüber ist auch schon wiederholt im Gemeinderat gesprochen worden. Was wollen die Kandidaten tun, um diese Gelder einzutreiben?

"Ein netter Brief reicht nicht", meint Christian Ziegler. Man müsse den Bescheiden schon mit charakterlich anständigem, sanftem Druck nacharbeiten. Die Kommune dürfe jedenfalls nicht vor den Nichtzahlern kapitulieren.

"Es gibt eine erste Mahnung mit Frist, es gibt eine zweite Mahnung mit Frist, und dann kommt der Gerichtsvollzieher", will Dr. Marlene Groitl schon mit Nachdruck vorgehen. Denn: "Wir können den Bürgern nicht sagen, wir haben kein Geld." Ein solches Problem auszusitzen, stellt für sie außerdem ein unsoziales Verhalten dar. Bestraft werde nämlich letzten Endes Derjenige, der seine Beiträge vorschriftsmäßig entrichtet. Zu setzende und zu wahrende Fristen seien schließlich auch dazu da, dass es bei Nichteinhalten zu Reaktionen kommt.
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