Bergamt Nordbayern hat entschieden
Das leise, aber bestimmte Ja

Um knapp über 24 Hektar darf nun der Quarzsand-Tagebau Ost bei Freihöls erweitert werden. Allein in nördlicher Richtung (linker Bildrand) sind es 6,6 Hektar. Damit reicht die Abbaukante in diesem Bereich einmal recht nahe an die Bahnlinie Amberg-Schwandorf heran. Die Eigentümer eines ehemaligen, noch bewohnten Bahnwärterhauses klagen schon jetzt über herabfallende Ziegel bei Sprengungen. Nun fürchten sie noch größere Schäden. Auch viele Freihölser im Osten fürchten um ihre Häuser. Bild: Hartl
Politik
Fensterbach
06.06.2016
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Genug der Detonationen, wehrten sich die Freihölser gegen eine Erweiterung der benachbarten Sandgrube. Der entscheidende Sprengsatz ging aber so unbemerkt hoch, dass ihn kaum jemand hörte. Selbst der Bürgermeister nicht.

Der Planfeststellungsbeschluss ist schon raus. Er trägt den Namen "Erweiterung des Quarzsand-Tagebaus Ost" und den Datumsstempel vom 13. Mai 2016. Adressiert ist er an die Heidelberg Sand und Kies, eine 100prozentige Tochter der HeidelbergCement AG. Rechtskräftig ist die Erlaubnis, den bestehenden Tageabbau um 24,2 Hektar auszuweiten, mit der amtlichen Bekanntmachung des Feststellungsbeschlusses in der Tageszeitung vom vorvergangenen Wochenende, 28./29. Mai. Fensterbachs Bürgermeister Christian Ziegler wusste gestern noch nichts davon.

Befürchtungen geteilt


"Vielleicht ist ja etwas in der heutigen Post", spekulierte er nach einer Anfrage der AZ. Dabei war Ziegler Anfang Februar selbst auf dem Erörterungstermin zu der 2013 beantragten Erweiterung als Fürsprecher der Freihölser aufgetreten. Er habe volles Verständnis für die Sorgen, die sich Anlieger rund um die Grube machen würden, sagte er damals. Sie befürchten, dass ihnen Sprengung für Sprengung die Abbaukanten immer näher auf die Pelle rücken. Im Norden (Erweiterung um 6,6 Hektar) dürften es bei einem einzelnen, frei stehenden Haus kaum mehr als 55 Meter sein.

Bei dem Fensterbacher Ortsteil Freihöls im Osten (Erweiterung um 11,4 Hektar) ist in der Genehmigung des bei der Regierung von Oberfranken (Bayreuth) angesiedelten Bergamts Nordbayern von 265 Metern die Rede. Bisher sind es 450. In Richtung Westen darf die Grube um 6,3 Hektar ausgedehnt werden. Parallel wurde die Betriebsgenehmigung bis 2050 verlängert.

Noch ist es recht ruhig in Freihöls. Die Entscheidung, die nun nur verwaltungsgerichtlich angegriffen werden kann, hat sich bisher nicht herumgesprochen. Obwohl die Freihölser schon viel Aufmerksamkeit in den Medien, darunter einige TV-Beiträge, auf sich gezogen haben. Ihnen geht es von Anfang an um die sogenannten Lockerungssprengungen im Zuge des Tageabbaus. Sie verursachen wegen der sich ausbreitenden Erschütterungen Schäden an ihren Häusern, sagen die Gegner der Erweiterung, die auch als Einwender in dem Verfahren aufgetreten sind. Dieses Problem werde nun immer kritischer, je näher die Abbaukante an die Häuser, Ställe und Scheunen heranreiche, befürchten die Betroffenen. Das Bergamt sieht diese Befürchtungen gutachterlich widerlegt. Zudem geht die Genehmigungsbehörde davon aus, dass Auflagen sowie ein vorgeschriebenes Beweissicherungsverfahren mit zwei dauerhaften Messstellen und einmal jährlich vorgeschriebene Vergleichmessungen dazu beitragen, die Bedenken weiter zu entkräften.

Die letzte Trumpfkarte


"Sprengarbeiten sind entsprechend des Sprenggutachtens durchzuführen", heißt es dazu in dem Planfeststellungsbeschluss knapp. Die Freihölser, die sich gegen die Erweiterung der Sandgrube wenden, hoffen nun erst einmal auf eine letzte, aber sehr gewichtige Trumpfkarte. Angeblich sind die nötigen Grundstücke noch nicht im Eigentum des Betreibers Heidelberg Sand und Kies.
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