Der Bürger und das Bergrecht

Mit einer Drohnenkamera aufgenommen: So sieht es heute im Wald westlich des Dorfes Freihöls aus. Nun sollen die bisher schon 20 Hektar umfassenden Sandabbaugebiete um weitere 20 Hektar erweitert werden. "Ein Unding", wie die Bewohner von Freihöls sagen. Doch ihre Argumente spielen angesichts eines veralteten Bergrechts keinerlei Rolle. Screenshot: rid
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Fensterbach
24.11.2016
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Mit einer Drohnenkamera aufgenommen: So sieht es heute im Wald westlich des Dorfes Freihöls aus. Nun sollen die bisher schon 20 Hektar umfassenden Sandabbaugebiete um weitere 20 Hektar erweitert werden. "Ein Unding", wie die Bewohner von Freihöls sagen. Doch ihre Argumente spielen angesichts eines veralteten Bergrechts keinerlei Rolle. Screenshot: rid

Jetzt haben es die Bewohner von Freihöls erstmals erfahren: Es gibt noch einen zweiten Ort in Bayern, in dem sich Bürger massiv gegen die Erweiterung eines Sandabbaugebietes wehren. Bundesweit wurde in der ZDF-Sendung "TerraXpress" geschildert, auf welch eher verlassenem Posten in Sand am Main und in Freihöls gegen wirtschaftliche Interessen gekämpft wird.

-Freihöls. Als der ZDF-Redakteur Felix Mannheim seine Reportage ausstrahlen ließ, wurde vor einem Millionenpublikum deutlich: Gegen Bergrecht und Bergamt hat der Bürger offenbar Null Chancen. Es sei denn, so wurde vor Augen geführt, ein veraltetes Gesetz werde endlich in eine neuzeitliche Form gebracht. Felix Mannheim stellte die Dörfer Sand am Main und Freihöls gegenüber und gelangte zu fast schon beängstigenden Parallelen. Denn hier wie dort wehren sich Menschen gegen die Erweiterung von Sandabbaugegebieten in einer Größenordnung von jeweils 20 Hektar.

Die Sendung in "TerraXpress" wurde von der Feststellung "Bürger fürchten um ihr Zuhause" eingeleitet und mit der Frage versehen: "Haben sie auf Sand gebaut?" In Sand am Main, das als Hochwassergebiet gilt, drohen mit einer möglichen Umsetzung von weiterem Sandabbau die Gefahren ungeahnter Fluten, die auf das Dorf zurollen. "Dann gibt es keinen Puffer mehr zwischen dem Fluss und unseren Häusern", wurde die Sorge beschrieben.

Schädliche Gänse


Die Angst von Landwirten in diesem fränkischen Gebiet zielt aber noch auf ein ganz anderes Phänomen ab. Denn wegen immer mehr entstehender kleinerer Seen, die durch den schon seit Jahren vorangetriebenen Abbau entstehen, haben sich Wildgänse angesiedelt, die auch kleinste Halme abfressen. Der Kampf in Sand am Main ist deswegen vehement. Bürger ziehen dort von Haus zu Haus und wollen verhindern, dass Grundstückseigner ihre Flächen zur Verfügung stellen. Dabei scheinen sie auf einem erfolgversprechenden Weg zu sein.

Die Argumente von Bewohnern aus Freihöls wurden gegenübergestellt. Es zeigte sich: Sie befinden sich mit ihren Anliegen und ihrer Ohnmacht auf nahezu gleicher Ebene. Auch die Bürgermeister von Sand am Main und aus der Gemeinde Fensterbach kamen zu Wort. Sie stehen wohl an der Seite der Beschwerdeführer, sehen sich aber wegen eines uralten Bergrechts in der Außenseiterrolle.

In Freihöls gibt es zwar keine Wildgänse und keine drohende Hochwassergefahr. Dafür aber gewaltige Sprengungen im Grubengebiet und den Umstand, dass das jetzt schon tief gähnende und riesige Erdloch irgendwann bis auf 200 Meter an ihr Dorf heranreichen würde. Auch sie sind wie die Bürger aus Sand am Main der Ansicht: "Hier geht es nur um wirtschaftliche Interessen." Eine Änderung des Bergrechts wurde dringend gewünscht Auch schon, wie es ein Sprecher der Freihölser Ortsbewohner vor der Kamera deutlich machte, "weil es für Windkraftanlagen einen Mindestabstand zu Häusern gibt und bei Abbaugebieten nicht." Da könne doch wohl irgendetwas in diesem Staat nicht stimmen.

Frage noch ungeklärt


Kann enteignet werden? In Nordrhein-Westfalen und auch in Wackersdorf bei Schwandorf wurden ganze Siedlungen wegen vorhandener Kohlegebiete dem Erdboden gleichgemacht. Wegen Sandvorkommen ist das bisher wohl nicht geschehen, wurde in der Sendung deutlich. Aber auch da ist wegen eines angeblichen öffentlichen Interesses an Bodenschätzen Skepsis angebracht.

In Sand am Main haben die Leute eine durchaus reelle Chance, jeglichen weiteren Abbau von quarzhaltigem Sand durch den Nichtverkauf von Grundstücken an den dortigen Betreiber zu verhindern. In Freihöls ist diese Frage bisher ungeklärt. Nicht unerwähnt blieb in Felix Mannheims Report, dass die Grubenbetreiber womöglich durch hohe Preisangebote einen Anreiz schaffen könnten.

Die Reportage ist im Internet zu sehen unter http:/www.zdf.de/terra-xpress/terra-xpress-5991016.html
Weitere Beiträge zu den Themen: Sandabbau (3)TerraXpress (2)
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