Elisabeth Maise stellt auf Automatengerüst aus
Gemalte Stimmungsaufheller

Das, zeigt Elisabeth Maise, könnte vielleicht als Vorlage für eines der nächsten Automatenbilder dienen.
Vermischtes
Fensterbach
04.11.2016
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Das Gerüst eines abgebauten Zigarettenautomaten ersetzt bei Elisabeth Maise die Leinwand und dient zugleich als Ausstellungsfläche. Die Motive wechselt die 71-Jährige im Schnitt alle vier Wochen. Der Engel Aloisius ist bereits angezählt. Bilder: Götz (3)

Der Engel Aloisius braucht sich überhaupt nicht einzubilden, hier zu überwintern. Die Chance gibt ihm Elisabeth Maise nicht. Wenn das Wetter trocken und nicht zu kalt ist, wird er verschwinden.

Fensterbach-Högling. Er schmückt derzeit das Gerüst eines abgebauten Zigarettenautomaten vor dem Wohnhaus der Maises. Als sich die 71-Jährige als "Botschafterin der Oberpfalz" bei Oberpfalzmedien bewarb, zierte noch Aloisius' Vorgängerin, eine dralle Bedienung mit einigen Mass Bier in den Händen, das Gerüst. "Das Gesicht habe ich mit Eyeliner umrahmt, auch die Augen und den Mund. Ich kann mich zwar nicht anmalen, aber alles andere", sagt die gebürtige Ambergerin und lacht. Ihr Lachen ist ansteckend. Sie ist ein positiver Mensch und ihre Arbeiten sollen den Menschen Freude machen, wie etwa die mit bunten Blumen verzierte Fassade ein paar Häuser von ihrem Einfamilienhaus entfernt. "Der Besitzer hat sich das gewünscht."

Elisabeth Maise hat eindeutig Talent. "Wissen Sie wie man Zöpfe malt?," fragt sie, eine Fotografie der feschen Bedienung betrachtend. Natürlich nicht. Schnell hat sie Blatt und Stift zur Hand, genauso flugs ist der Zopf fertig. Auch die Skizze der Kirche von Wolfsbach geht ihr routiniert und leicht von der Hand. Damit hat sie einen alten, porösen Dachziegel der Basilika St. Martin in Amberg aufgehübscht. Eine "Auftragsarbeit" für ein Hochzeitspaar, das sich in Wolfsbach das Jawort gegeben hat, war das. Sie beschreibt das Bild genau, blauer Himmel, gelbes Rapsfeld auf dem weiß grundierten Dachziegel. Grundieren darf ab und zu auch ihr Mann. Mehr mag er gar nicht machen, das Künstlerische überlässt er seiner Frau.

Gemalt hat die 1945 in einem Amberger Luftschutzbunker geborene Elisabeth Maise schon als Kind sehr gerne. "Meine Mutter aber sagte: 'lern' was G'scheits'". Deshalb wurde sie Fotolaborantin - ein Ausbildungsberuf, den es heute nicht mehr gibt. Fotografieren war aber nicht so ihr Ding. Ihre Passion gilt dem Malen.

Im Ort hat sie auf einem Grundstück eine "unschöne Wand" bemalt, unter anderem mit Schnee. Wer bei den Maises auf der Terrasse sitzt und den Blick von einem aus einem Kirschbaumstock und -ast gestalteten Bären zur Wand wendet, wähnt sich in den Tropen. Bunte Papageien sitzen auf Ästen, Vögel schwirren durch die Luft und das alles auf einem wohltuend grünen, auf den Betrachter beruhigend wirkenden Hintergrund. Düstere, dunkle Bilder malt Elisabeth Maise nicht.

Von all ihren Automaten-Bildern gibt es Fotografien. Wenn sie die 30 bis 40 Motive durchblättert ist keines dabei, das den Betrachter ins Stimmungstief zieht. Ihre Erdmännchen haben zwar nicht allen gefallen, aber böse wirken sie nicht. Noch etwas fällt auf: Die Motive gleichen sich nicht, Willi und Biene Maja sind genauso dabei wie eine lächelnde Kuh, eine Wüsten- und Toskanalandschaft, die dralle Bedienung und jetzt der Aloisius eben.

Ihr Motive findet sie in Büchern, Zeitungen, Zeitschriften, Prospekten, Werbematerialien und auf Kartons. Sie holt ein Teil Pappe eines Spirituosenkartons mit einem Aufkleber hervor. Vielleicht entsteht daraus ein Nachfolgebild für den Aloisius. Elisabeth Maise malt aber nicht ab. "Die Anregungen behalt' ich im Kopf. Das Bild schaut aber anders aus als das Original." Das Malen muss bei ihr flott vorangehen. "Wenn die Fläche grundiert ist, bin ich manchmal in einer Stunde fertig", erklärt sie zur Arbeit am Automatengerüst. "Ich bin fertig und weiß nicht, wie ich das gemacht hab'", fügt sie hinzu und lacht.

Die Anregungen behalt' ich im Kopf. Das Bild schaut aber anders aus als das Original.Elisabeth Maise
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