Greenpeace rät zum oberpfälzer "Brotfisch"
Am besten nur noch Karpfen

115 Fischarten hat Greenpeace bewertet. Der Karpfen schnitt dabei am besten ab. Gerade in einer Zeit, in der die Meere überfischt werden, ist der heimische Fisch eine Option. Bild: Götz
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Fensterbach
09.02.2016
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Ilse Schießl (rechts) und Roswitha Eimer setzen auf Filets. So portioniert findet der Karpfen immer mehr Liebhaber. Bilder: Völkl (2)

Greenpeace gibt grünes Licht für den Karpfen: Im neuen "Fischratgeber" der Umweltorganisation ist einzig der Karpfen "ausnahmslos empfehlenswert". Den Vorsitzenden der Tego, Carl Graf zu Eltz, freut die Werbung für den regionalen "Öko-Fisch", dessen Vorzüge dem Verbraucher schmackhaft gemacht werden müssen. Vielleicht gerade am "fischhaltigen" Aschermittwoch?

/Schwarzenfeld. In der Tego (Teichwirtschaftliche Genossenschaft Oberpfalz) mit Sitz in Säulnhof bei Stulln haben sich 1200 Karpfen- und Forellenzüchter zusammen geschlossen. Ihre Fläche: rund 10 000 Hektar. Ihre Schwerpunkte: absatzfördernde Maßnahmen. Ansprechend präsentiert sich parallel dazu das "Karpfenland Mittlere Oberpfalz" - alle 33 Landkreiskommunen sind darin vertreten - mit 870 Hektar Teichfläche. Seinen Wert hat die EU erkannt: Der europäische Fischereifonds unterstützt das Fischwirtschaftsgebiet Schwandorf - und das nicht knapp: Bis zu 90 Prozent Förderung gibt es für Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, umweltpädagogische Projekte, Ausstellungen, Infozentren, Öffentlichkeitsarbeit. Die Krönung: Die EU hat den "Oberpfälzer Karpfen" mit einem eigenen Label geschützt.

Karpfen macht Arbeit


Alles beste Voraussetzungen, doch meist gilt der Prophet im eigenen Lande am wenigsten. Es ist ein hartes Brot mit dem "Brotfisch" und "die Vermarktung nach wie vor nicht einfach". Graf zu Eltz beobachtet, dass Teichwirte zunehmend ein Nachfolgerproblem haben: "Der Karpfen macht Arbeit", meint der Tego-Vorsitzende mit Blick auf Fütterung, Teichbau- und pflege, den Kampf gegen Räuber wie Kormoran und Fischreiher. Im Herbst müssen die Karpfen ins "Winterquartier" umgesetzt werden. Erst nach drei Sommer ist der Karpfen "fertig" für Verkauf und Verzehr. Graf zu Eltz bringt auch den bürokratischen Aufwand für die Züchter ins Spiel: Beispielsweise muss gemäß der Fischseuchenverordnung jeder, der verkauft, registriert sein.

Trotzdem: Für den Teichzüchter "gehört die Teichwirtschaft zur Oberpfalz". Nicht nur als Kulturgut: "Hochwassersituationen würden wesentlich prekärer, wenn es die vielen Teiche nicht gäbe", spricht er die Rückhalte-Funktion an.

A und O sei es deshalb, die Nachfrage über die Gesundheits-Schiene und die Veredelung zu stärken. Der Greenpeace-Fischratgeber kommt den Teichwirten da sehr gelegen, punktet der Oberpfälzer Karpfen doch auf ganzer Linie. Die schonende Aufzucht in naturnahen Teichen, kleine Familienbetriebe statt industrieller Produktion und eine Erzeugung völlig ohne Bedarf an tierischen Nebenprodukten wie Fischmehl machen ihn zur Nummer eins in Sachen Nachhaltigkeit. Das Fleisch ist mit drei bis sechs Prozent Fettgehalt nicht nur besonders fettarm, sondern enthält auch einen hohen Anteil der wertvollen Omega-3-Fettsäuren. Im Gegensatz zu Meeresfisch ist Karpfen außerdem völlig frei von jeglicher Schadstoffbelastung mit Chemikalien oder Schwermetallen.

Grätenfrei auf den Tisch


Das liest sich gut. Für Graf zu Eltz geht es darum, dieses gesunde Nahrungsmittel gastronomisch entsprechend zu präsentieren: "Nicht nur als halben Karpfen aus der Fritteuse". Er ist überzeugt davon: Würde der Fisch verstärkt in kleineren Portionen als Filet oder geräuchert angeboten, würde er auch mehr gekauft. "Die Kinder essen das wie Fischstäbchen". Damit der Karpfen grätenfrei auf den Tisch kommt, muss er durch eine Filettiermaschine. Irmi Schießl aus Asbach bei Schwarzenfeld hat damit nur gute Erfahrungen und den Karpfen salonfähig gemacht. 50 Hektar Teichfläche bewirtschaften Fischzuchtmeister Johann Schießl und sein Sohn, Fischwirt Johannes Schießl. Irmi Schießl ist für die "Fischerhütte" und den Partyservice zuständig, setzt auf Filet und Fantasie.

Die steigende Nachfrage gibt ihr recht. Neben frittierten Filets zaubert sie auch Karpfensalat, gefüllte Wan-Tan-Taschen oder sogar eine Karpfen-Pizza: "Einfach mal probieren."
Die Vermarktung des Karpfens ist nach wie vor nicht einfachCarl Graf zu Eltz
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