"Eine echte Herzensangelegenheit"

Ein Buntspecht füttert seinen Jungvogel in einer Baumhöhle. Bild: Martin Hertel
Lokales
Fichtelberg
04.07.2015
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Zum Jahr des Waldnaturschutzes hatte der Forstbetrieb Naturschutzfachleute von Behörden und Organisationen eingeladen, um Bilanz über die Arbeit der letzten Jahre zu ziehen und gemeinsam neue Projekte anzustoßen. In den vergangenen Jahren seien fast eine halbe Million Euro investiert worden.

Diese Summe konnte Forstbetriebsleiter Winfried Pfahler bei einem Treffen von Vertretern des Forstes, der Naturschutzbehörden und ehrenamtlicher Naturschützer präsentieren. Unterstützt wurden die Maßnahmen mit Fördermitteln aus dem Landwirtschafts- und dem Umweltministerium.

"Schützen und nutzen ist unsere Devise", begrüßte Pfahler die Teilnehmer. "Wir wollen auf der gesamten Waldfläche nachhaltige Waldbewirtschaftung und vielfältige Naturschutzleistungen vereinen. Denn unser Wald ist viel mehr als nur Holzertrag. Oder nur Wildnis." Gute Noten gab es von Axel Reichert, Naturschutzexperte der Bayerischen Staatsforsten. Er präsentierte die Ergebnisse einer Naturschutz-Inventur im Forstbetrieb. Demnach seien in den Wäldern mehr als 100 Hektar naturnahe Waldbestände und Naturwaldreservate vollständig aus der Nutzung genommen, auf weiteren 500 Hektar Waldfläche tritt die Nutzung zugunsten des Naturschutzes in den Hintergrund. Als günstig bewertete der Fachmann das Totholz im Wald, Lebensgrundlage für viele seltene Tier- und Pflanzenarten. Auch die Zahl der Biotopbäume, beispielsweise Bäume mit Spechthöhlen, sei erfreulich hoch. Lob gab es ebenfalls für die Moorrenaturierungen auf der Königsheide, im Fichtelseemoor und im Heinersbachtal, die eine Fläche von etwa 100 Hektar umfassen.

Ein Beitrag von Martin Hertel über die aktuelle Verbreitung und die Bemühungen um den Schutz der Auerhühner im Fichtelgebirge rundeten die Bilanz ab. Grundlage dafür war ein unabhängiges Gutachten, das der Forstbetrieb für diese Waldvogelart in Auftrag gegeben hatte.

Heinz Ruckdeschel, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs, umriss die nächsten Naturschutzprojekte: Erhaltung und Pflege der Waldwiesen sowie weitere Moorrenaturierungen sollen in den nächsten Jahren fortgeführt werden. Vertreter der Naturschutzverbände, der Naturschutzbehörden und der Forstverwaltung unterstützten die Planungen mit weiteren Vorschlägen.

Nasse Füße erwünscht - das könnte das Motto für die anschließende Exkursion auf die Königsheide gewesen sein. Dort hatte der Forstbetrieb gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz auf einer Fläche von mehr als 70 Hektar - das entspricht in etwa 100 Fußballfeldern - alte Entwässerungsgräben verschlossen. Damit wurde der Wasserstand angehoben und die typische Moorvegetation aus Torfmoos, Wollgras und Sonnentau gefördert. "Wir setzen beim Naturschutz auf Zusammenarbeit und freuen uns auf weitere Projekte mit Ihnen", so Winfried Pfahler. "Denn der Schutz der Natur ist auch für uns Förster eine echte Herzensangelegenheit."
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