Held mit Bezug zu Fichtelberg

Die kleine Kapelle der Familie Reichenberger weihte der spätere Domprediger.
Lokales
Fichtelberg
22.04.2015
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Der Regensburger Domprediger Dr. Johann Maier zählte zu den letzten Opfern der NS-Diktatur in Bayern. Wenige wissen von der engen Verbindung des mutigen Kirchenmannes mit der Pfarrei Fichtelberg.

Am 24. April 1945, morgen vor 70 Jahren, verurteilte ein Standgericht Dr. Johann Maier zum Tode, wenig später wurde der Domprediger aufgehängt, weil er sich bei einer Demonstration für die kampflose Übergabe der Stadt eingesetzt hatte. Die Geschichte vom tragischen Tod des mutigen Kirchenmannes ist im ganzen Bistum bekannt, nur wenige kennen dagegen Maiers enge Verbindung zur Pfarrei Fichtelberg. Maier hatte die Pfarrei von 1935 bis 1936 betreut, dementsprechend groß war die Erschütterung auch in Fichtelberg. Sein Wirken ist gut in der Chronik der Familie Reichenberger dokumentiert.

Ein Feldweg führt kurz nach dem Ortseingang von Mehlmeisel her den Hang hinauf zu einer Kapelle. Das weißgetünchte Kirchlein hatte die Familie Josef Reichenberger 1936 aus Dankbarkeit und zu Ehren des heiligen Judas Thaddäus errichten lassen. Ein junger Kaplan weihte die Kapelle am 19. Juli feierlich. Sein Name lautete Dr. Johann Maier. An diesem Sonntag veranstaltete die Hitlerjugend auf dem damaligen Adolf-Hitler-Platz zeitgleich eine Grenzlandkundgebung als Abschluss eines Jugendlagers. "Außerordentlich stark" sei der Besuch gewesen. "Aus Coburg waren die Eltern der Hitlerjungen mit Auto und Zug gekommen", heißt es in einer damaligen Zeitungsnotiz. "Recht wenige kamen daher zur Weihe", hält die Chronik der Familie Josef Reichenberger fest. "Wie diese Kapelle vom Hügel in das Land hineinschaut, ist sie ein Symbol der streitenden Kirche, für die wir leben und sterben", hatte der Geistliche in seiner Predigt betont. Bis vor kurzem noch erinnerte ein Foto in der Pfarrkirche an Maier.

Rosenkranz zum Geschenk

Ältere Fichtelberger erinnern sich noch an einen jungen Geistlichen mit starker Persönlichkeit und vornehmen Wesen. Ihn soll eine verständnisvolle Art, mit Menschen umzugehen" ausgezeichnet haben. "Mir hatte der Kaplan im Religionsunterricht einen Rosenkranz aus Rom geschenkt, weil ich wusste, welches Evangelium er am Sonntag in der Kirche verkündet hatte", erinnert sich Olga Babo an den Religionsunterricht in der zweiten Klasse.

Viele wissen noch aus Erzählungen der Eltern und Großeltern von den kirchenfüllenden Predigten des Seelsorgers, die "unter die Haut" gingen. Packend und fordernd habe der spätere Domprediger die Gläubigen angesprochen, bezog Alltagssituationen ein und gab Orientierungshilfen fürs Leben. "Mein Vater hat keine seiner Predigten ausgelassen", erinnert sich ein Fichtelberger.

Am 1. Mai 1940 wurde Johann Maier, Doktor der Philosophie und der Theologie, zum Domprediger berufen. Ständig war der Geistliche von der Gestapo überwacht worden. Überliefert ist auch, dass er ein Meister darin war, Kritik am Regime zu üben, ohne dass die Nazis eine Handhabe fanden, ihn von der Kanzel zu holen, wie dies vielen anderen Priestern widerfuhr.

"Gute Gründe"

Am 23. April 1945 gegen 2.30 Uhr ließ der residierende Gauleiter in Regensburg Panzeralarm auslösen und - mit Ausnahme der Steinernen Brücke - alle Brücken sprengen. Trotz Warnung fand sich eine große Menschenmenge ein, um die kampflose Übergabe der Stadt zu erbitten. Tumulte entstanden. Volkssturmleute zerrten Frauen aus der Menge und drohten ihnen, sie aufzuhängen.

Da kletterte der Domprediger auf eine Luftschutzlamelle und sagte wörtlich: "Was wir erbitten wollen, die kampflose Übergabe der Stadt, ist ja gerechtfertigt und zwar aus folgenden Gründen..." Weiter kam er nicht. Denn in diesem Augenblick wurde er heruntergezogen und abgeführt. Bereits am Abend rief der Kreisleiter ein Standgericht zusammen und noch während es tagte, wurde auf dem Moltkeplatz ein Galgen errichtet und noch in der gleichen Nacht das Urteil vollstreckt.

Mit Maier war Josef Zinkl wegen "Wehrkraftzersetzung" gehängt worden. Den ganzen Tag über wurden die Opfer als Abschreckung am Moltkeplatz zur Schau gestellt. "Und selbst, wenn wir alle Stationen des Kreuzwegs durchwandern müssten, muss doch über allem die Glut unserer christlichen Bruderliebe stehen", sagte der Domprediger einmal. Und diese Forderung war letztendlich auch zum Maßstab seines eigenen Handelns geworden.

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