Nikolaus kam auch in der Heimat

Noch ein bisschen skeptisch blicken einige der Kinder der Übergangsklasse in die Kamera. Doch der Schein trügt: Das Plätzchenbacken unter der Anleitung von Silvia Glaser macht allen großen Spaß - auch wenn etliche der Kleinen mit dem Begriff Weihnachten noch nichts anfangen können. Bild: gis
Lokales
Fichtelberg
10.12.2014
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Plätzchenbacken gefällt nicht nur deutschen Kindern. Auch die Kleinen aus den Krisengebieten, die mit ihren Eltern in Fichtelberg eine Bleibe gefunden haben, sind mit Begeisterung dabei. Selbst wenn für einige von ihnen Weihnachten kein Begriff ist.

In der Mitte des Stuhlkreises, der jetzt um sieben Stühle erweitert wurde, liegen Mehl, Butter, Zucker, Eier und Ausstechförmchen. Unschwer zu erraten, was in der nächsten Stunde auf dem Stundenplan steht: nämlich Plätzchenbacken. Die Kinder aus Syrien, Makedonien, Tschetschenien, Serbien, Albanien und der Ukraine haben schon ganz rote Bäckchen vor Aufregung.

Tagelang hatte sich die Übergangsklasse mit ihrer Lehrerin Silvia Glaser bereits auf dieses vorweihnachtliche Ereignis vorbereitet, Wörter wie Mond, Sterne, Stiefel, Tanne (Ausstechförmchen) gelernt, gemalt, ausgeschnitten und zugeordnet. Der Teig ist bereits fertig, Orgito, neu in der Runde, darf ihn auf bemehlter Tischplatte ausrollen.

Ausstechen macht Spaß

Dann wollen alle Plätzchen ausstechen: "Sie hat schon zweimal, ich erst einmal . . ." Den Besucher wundert's, wie gut sich die Kinder bereits in der deutschen Sprache ausdrücken können: zumindest die Mädchen und Buben, die Silvia Glaser schon seit September des Jahres unterrichtet. Orgito, Editha, Medina, Geraldo, Armada, Luis und Assylzhan sind neu. Sie kommen aus Warmensteinach und nehmen heute zum ersten Mal am Unterricht teil. Staunend und noch ein wenig schüchtern beobachten sie mit ihren großen schwarzen Augen das Geschehen. Doch Glaser bezieht sie gleich mit in die Gruppe ein: Armada sticht einen wunderschönen Stern aus, Luis einen Stiefel, auch alle anderen kommen an die Reihe.

"Neben Namen, Alter und Herkunftsland wissen wir noch nicht viel von diesen Kindern", sagt Schulleiterin Christine Schoberth, "ob und welche schulische Voraussetzungen sie mitbringen." Wurden die Kinder am ersten Tag privat gebracht und abgeholt, ist mittlerweile aber das Schulwegproblem geklärt.

Mit Stolz berichtet Silvia Glaser, dass "wir unser Ziel erreicht haben". Daran ist die engagierte Lehrerin sicher nicht ganz unbeteiligt: Denn ihre Vorjahresschüler besuchen jetzt die erste und zweite Regelklasse "und kommen gut klar", weiß sie. Logisch, dass es in der zweiten Klasse noch sprachlichen Nachholbedarf gibt, den Christine Schoberth, die die Übergangsklasse bereits vier Stunden pro Woche unterrichtete, mit zwei Stunden Sprachförderung pro Woche mindern wird. "Und wenn die ehrgeizigen Schüler, die immer ordentlich ihre Hausaufgaben machen", nach ihrem liebsten Wochentag gefragt werden, kommt es wie aus einem Mund: "Montag, weil da wieder Schule ist", freut sich Silvia Glaser.

Nur in Schule zu Besuch

Doch zurück zum Plätzchenteig, aus dem Elsa aus Tschetschenien gerade einen Nikolaus aussticht: Nikolaus oder Santa Claus: die meisten Kinder kennen die Beiden aus ihrer Heimat, wo er sie allerdings nicht zu Hause, sondern nur in der Schule besuchte und kleine Geschenke verteilte: Für Angela aus Makedonien hatte er sogar einmal eine Puppe mitgebracht.

Die Lehrerin hat ihnen alles über den wohltätigen Bischof erzählt, der einst brave Kinder beschenkte. Die Schüler durften ihn an die Tafel oder auf große weiße Blätter malen. Und dann kam er am Sonntagabend noch höchstpersönlich bei ihnen vorbei, in die Familienferienstätte, wo die Mädchen und Buben derzeit mit ihren Eltern wohnen - auf Initiative des Aktionskreises 365 der Pfarrei, begleitet von Silvia Glaser.

Weihnachten aber ist nur einigen Kindern ein Begriff: So für Anka aus der Ukraine beispielsweise: Mit leuchtenden Augen erzählt sie, stolz auf ihren Wortschatz, von einem Baum, vom Singen und von der Gitarre.
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