Sehnsucht nach Wald

Mit Handsäge, Heppe und Waldteufel ausgerüstet arbeiteten die Freiwilligen im Wald. Bild: gis
Lokales
Fichtelberg
30.07.2015
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30 Idealisten sind derzeit wieder beim Bergwaldprojekt am Forstbetrieb in Fichtelberg zu Gast. In zwei Gruppen arbeiten sie jeweils eine Woche lang völlig unentgeltlich an Projekten im Bereich Natur- und Umweltschutz mit.

"Ziel ist, Bedeutung und Vielfalt der Wälder zu erfahren, das Ökosystem Wald näher kennenzulernen und durch praktische Arbeit die Situation des Waldes an konkreten Projektstandorten zu verbessern", wie Servicestellenleiter Martin Hertel betont.

Unter der Anleitung von Projektförsterin Anna Helms und der Regie von Anika Czichon, Mitarbeiterin am Forstbetrieb, machen sich die Freiwilligen mit Handsäge, Heppe und Waldteufel ausgerüstet an die Arbeit, um Bäche, Waldweiher und Felsbiotope freizuschneiden und den Lebensraum des Auerhuhns zu verbessern.

Leibspeise bedrohter Vögel

Zudem soll Licht und Platz für das Heidekraut geschaffen werden, die Leibspeise des bedrohten Vogels. Forstbetriebsleiter Winfried Pfahler lobte die Aktion - die noch durch eine Exkursion vertieft wird - und Akteure in den höchsten Tönen. Pfahler freute sich "heuer im Waldnaturschutzjahr ganz besonders über dieses ehrenamtliche Engagement für die Natur".

Sieben Uhr früh in Neuhaus, bei einem alten Bauernhaus oberhalb von Sophiental, wo die Gruppe unter einfachsten Verhältnissen, ohne Strom, wohnt: Nein, Didier aus Frankreich, der in den vergangenen Jahren teilnahm und die Gruppe bereits um 6 Uhr mit seiner Geige wach fiedelte, ist heuer nicht dabei. Dennoch fällt es den Naturfreunden nicht besonders schwer, aus den Federn oder besser gesagt, aus den Schlafsäcken zu kriechen. Einer kalten Dusche folgt ein deftiges Frühstück - Thomas, ein Freiwilliger, hat aus dem Allgäu Käse mitgebracht. Anschließend beginnt ein heißer Arbeitstag, an dem das Thermometer bereits in aller Früh auf 30 Grad klettert. Im Wald ist das Arbeiten bei kühleren Temperaturen dagegen angenehm. "Wir trinken viel und machen kleine Pausen im Schatten", sagt Maria, frischgebackene Abiturientin, Yogalehrerin, bald Geoökologiestudentin und mit 18 Jahren das Nesthäkchen der fröhlichen, bunt gemischten Truppe.

Aus dem Jemen in den Wald

Mücken gibt es nicht, "aber wenn nur die lästigen Bremsen nicht wären", seufzt Maria. Brigitte ist die älteste der Teilnehmer, bereits in Pension und ein "alter Hase" in Sachen Bergwaldprojekt. Sie war lange Jahre als Diplompsychologin im Bildungsbereich für Internationale Zusammenarbeit tätig in Afrika, in arabischen Ländern und kam kürzlich erst aus dem Jemen zurück.

"Ich hatte einfach Sehnsucht nach Wald", war ihre Motivation, an dem Projekt teilzunehmen. Außerdem wollte sie "mit netten Leuten zusammen sein, sich körperlich betätigen und nicht zuletzt Gutes tun für die Natur". Das wollen sie alle. "Aber man erfährt in diesen Tagen auch, mit wie wenig man auskommt und wie schnell bei diesen Arbeiten der Kopf frei wird für das Wesentliche", sagt eine weitere Teilnehmerin.

Robert, EDVler, und Alexander, Soziologe, stapeln Baumstämme auf, die soeben fachgerecht mit der Handsäge gefällt wurden. "Die Frauen können bei der Arbeitsleistung aber sehr gut mithalten", staunt Alexander. Abends gibt es warmes Essen, alles Bio, vegetarisch und regional. Das gehört zum Konzept. Am Dienstag beispielsweise standen Senfeier mit Kartoffelpüree und Tiramisu mit frisch gepflückten Erd- und Heidelbeeren auf dem gedeckten Tisch.

Vor der Abreise schreibt jeder Teilnehmer an sich selbst eine Postkarte, die Martin Hertel irgendwann in den Briefkasten werfen wird - als Erinnerung und Einladung zum Wiederkommen - und das wollen alle, fasziniert von der sinnreichen Arbeit, dem Zusammenhalt der Gruppe, endlosen Diskussionen, der Umgebung und der Gastfreundschaft des Fichtelberger Forstbetriebs.
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