Turmverputz auf Rezept

Eingerüstet ist der Turm der Fichtelberger Kirche wegen der Sanierungsarbeiten. Der Plan, Verputz anzubringen, löste in der Bevölkerung Diskussionen aus. Bilder: gis (2)
Lokales
Fichtelberg
27.09.2014
2
0

Abschied vom gewohnten Blick auf die Steine des Kirchturms und stattdessen ein Verputz. Das sorgt in Fichtelberg für Diskussionen. Ein Fachmann erläutert, warum die Maßnahme sinnvoll ist.

Seit bekannt ist, dass der Kirchturm im Zuge der Sanierung verputzt werden muss, erhitzen sich an dieser Tatsache die Gemüter. Das Wo, Wie und Warum schafften es bereits bis in die Sitzung des Gemeinderats.

Auf Anfrage unserer Zeitung stand Technischer Amtmann Reiner Tremer vom Staatlichen Bauamt Rede und Antwort - bezüglich der gesamten Sanierungsmaßnahme und insbesondere der erforderlichen Verputzarbeiten am Turm.

Holz stark geschädigt

Da die Pfarrkirche in hoher Mittelgebirgslage steht, ist sie extremen Witterungsverhältnissen ausgesetzt. So wurden, wie Tremer erklärt, aufgrund von eindringender Feuchtigkeit sämtliche Holzebenen des Kirchturms stark geschädigt.

Es zeigen sich an verschiedenen horizontalen Tragbalken starke Fäulnisspuren, die bis zum Versagen der Tragfähigkeit führten. Das machte bereits im Vorfeld temporäre Abstützungsmaßnahmen notwendig. Die Holztreppe im Erdgeschoss musste aufgrund der erheblichen Schädigung durch eindringendes Wasser vorab komplett ausgebaut werden. Seitdem ist der Turm auch nur noch durch ein innen errichtetes Baugerüst begehbar.

Im Bereich des Dachtragwerks wurden zunächst Schäden an der Sternbalkenlage festgestellt, die von einer mangelhaften Dacheindeckung herrühren, berichtet der Experte. Auch hier führte eindringendes Wasser zu starken bis sehr starken Fäulnisschäden, so dass Teilbereiche von tragenden Holzbauteilen bei der anstehenden Sanierung ausgewechselt werden müssen. Im Zuge der Aufnahme der alten Dacheindeckung traten weitere Fäulnisschäden zutage.

Laut Reiner Tremer besteht der Turm aus einem Quader- bzw. Bruchsteinmauerwerk aus Granit. Die neueren Fugenmörtel sind aus sehr hartem Zementmaterial, der Mörtel des Mauerwerks ist der originale Setzmörtel. Der Fugenmörtel führt teilweise weit über die Steinflanken und erreicht Breiten von über 20 Zentimeter.

Das für die Ermittlung der Fassadensanierung eingeschaltete Bamberger Restaurierungsbüro ProDenkmal kommt in seinem Gutachten zum Ergebnis, dass die Schädigungen in den Turmebenen von horizontalem Wasserfluss durch das Granitmauerwerk herrühren. Aufgrund des groben Bruchsteinmauerwerks liegt der Fugenmörtel in vielen Bereichen auf den Steinflanken. Verliert der Fugenmörtel nun die Haftung zum Stein, entstehen Risse, über die an der Fassade ablaufendes Wasser in die Fugen geleitet wird.

Zuverlässig gegen Wasser

Laboranalysen haben ergeben, dass der Mörtel des Mauerwerks durch besondere Zuschlagsstoffe den Transport von eindringendem Wasser aufgrund der kapillaren Wirkung noch erhöht, so dass letztlich das Wasser bis zu den Holzbauteilen der Turmebenen vordringt und das Holz nachhaltig schädigt. Aus diesem Grund wurde eine Sanierungsvariante empfohlen, die zuverlässig den Wasserdurchsatz verhindert.

In enger Abstimmung mit dem Bischöflichen Baureferat Regensburg, dem Landesamt für Denkmalpflege, der örtlichen Kirchengemeinde und dem Staatlichen Bauamt Bayreuth wurden verschiedene Sanierungsarten der Fassade diskutiert. Letztlich entschied man sich für einen Verputz des Kirchturms, der von allen Beteiligten als nachhaltigste Lösung angesehen wird. Der Verputz soll mit einer eigens ermittelten Rezeptur speziell für die Kirche Fichtelberg gemischt werden und sich in Oberflächenbeschaffenheit und Farbe der verputzten Fassade der Sakristei angleichen.

Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass bereits früher der Turm verputzt war. Die Sandstein-Fenstergewände im Turm weisen Putzkanten auf, was auf einen bereits früher existierenden Putz schließen lässt. Dies bestätigen auch Farbreste (gelblich-ocker), die auf den horizontalen Gesimsen festgestellt wurden, so Reinhard Tremer. Nach Aussage von ProDenkmal lässt das vorhandene grobe und sehr unebene Mauerwerk darauf schließen, dass es wohl nie für eine Steinsichtigkeit gedacht war.

Und Reiner Tremer verspricht: "Eine gestalterische Sünde wird es keinesfalls geben".
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2014 (8406)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.