"Wir vermissen Signale"

Ob sich auf den Liegestühlen der Fichtelberger Therme je wieder jemand entspannen wird? Momentan thront die ehemalige Freizeit-Oase als Ruine über dem Ort. Bild: bkr
Lokales
Fichtelberg
13.03.2015
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Aus dem dritten Winterschlaf erwacht die Ruine der abgebrannten Therme. Seit Mai 2012 steht sie, befreit von Schutt und Asche, als Mahnmal über dem Erholungsort. Wie geht es weiter?

Am 17. Oktober vergangenen Jahres legte die Kristall Bäder AG aus Stein dem Gemeinderat ihren Planentwurf für einen Wiederaufbau vor. Fünf Tage später informierte der Vorstandsvorsitzende der Kristall Bäder AG, Gerd Bittermann, die Bürger im Restaurant Museo über die Neuausrichtung des Bades.

Eine sonnendurchflutete, moderne Therme soll es werden. Der Zeitplan - Bauantrag im Dezember, Spatenstich im zeitigen Frühjahr und Eröffnung zu Weihnachten 2015 - erhielt einen kräftigen Dämpfer. Grund: Der Gemeinderat hatte am 11. November 2014 den Bau des Kangalzentrums, das einst die Porta Medica neben der Therme hätte bauen sollen, nicht ganz vom Tisch genommen. Die Kristall Bäder AG stellte aus Verärgerung ihre Planungen ein. "Wir sind fast mit dem Bauantrag fertig", war damals aus Stein zu hören.

Bauantrag vorgeprüft

Die Gemeinde und die Kristall Bäder AG gingen wieder auf sich zu. Der Bauantrag wurde am 19. Januar 2015 eingereicht. Der Gemeinderat sagte "Ja". Einen Tag später waren die Unterlagen beim Landratsamt Bayreuth. "Der Bauantrag wurde vorgeprüft. Anfang Februar wurden Ergänzungen vom Bauherrn angefordert.

Diese liegen noch nicht vor. Erst nach deren Eingang kann der Bauantrag weiter bearbeitet werden", betonte die Pressestelle des Landratsamts am 10. März. Bürgermeister Georg Ritter erklärte gegenüber unserer Zeitung, dass telefonischer Kontakt bestehe und Gespräche mit den Beteiligten geführt würden. Eine Anfrage bei der Kristall Bäder AG in Stein blieb unbeantwortet.

Derweilen richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Verhandlungstermin beim Oberlandesgericht Bamberg. Im Berufungsverfahren möchte die Kristall Radon-Sole-Therme mit Saunalandschaft Fichtelberg GmbH - Geschäftsführer ist der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Kristall Bäder AG, Heinz Steinhart - eine Millionenforderung der Gemeinde abweisen und erhebt in einer Widerklage Schadenersatzforderungen. Bei der Verhandlung am Dienstag, 17. März, um 9.30 Uhr erhofft man sich ein rasches Endurteil zu dem seit 2011 schwellenden Rechtsstreit.

Schatten über den Wiederaufbau in Fichtelberg wirft das Gezerre um die Blütentherme in Werder an der Havel. Die Eröffnung der neuen Therme sollte im Dezember 2012 sein. Die Kosten stiegen von 18 auf 24 Millionen, und die Stadt weigert sich, weitere 400 000 Euro für offene Rechnungen zu begleichen. Deshalb verklagte die Kristall Bäder AG die Kommune. Ein Gütetermin am 6. März platzte vor Gericht. Gegenüber dem Rundfunk Berlin-Brandenburg sagte Werders Bürgermeisterin Manuela Saß am vergangenen Donnerstag: "Wir vermissen jegliche Signale, hier noch fertig bauen zu wollen."

Vorwurf der Sturheit

Nicht viel besser ist das Szenario beim Freizeit- und Erlebnisbad Trimini in Kochel am See. Betreiber dort ist ebenfalls die Kristall Bäder AG. Seit November 2012 ist es wegen Sanierungsarbeiten geschlossen und seit Herbst 2013 ruhen die Arbeiten. Knapp eine Million fordert Heinz Steinhart von der Stadt und wirft dem Bürgermeister Sturheit vor. Den verbliebenen Mitarbeitern von Trimini wurde zwischenzeitlich gekündigt. Mitte April ist eine Güteverhandlung beim Arbeitsgericht anberaumt.
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