Sport für junge Mütter
Fit mit Baby im Beutel

Kangatraining macht's möglich, dass Mütter mit Babys auf Sport nicht verzichten müssen. Kerstin Semmelmann (stehend, Dritte von links) ließ sich in Wien zur Trainerin ausbilden und bietet nun Kurse in Floß und Weiden an. (Foto: mic)
Freizeit
Floß
18.04.2016
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Wippen auf den Beinen macht den Kleinen Spaß und trainiert ganz nebenbei die Bauchmuskulatur der Mamas. (Foto: mic)

Noah fallen schon nach wenigen Minuten die Äuglein zu. Während seine Mama ein schweißtreibendes Workout absolviert, schläft der Einjährige tief und fest. Kangatraining heißt das neue Sportprogramm, bei dem die Mütter ihre Babys wie ein Känguru im Beutel am Körper tragen.

Seit ein paar Wochen bietet Kerstin Semmelmann Kurse in Floß und Weiden an. "Ich habe 2015 davon gehört und wollte das zusammen mit meinem Sohn Joel machen", erzählt die 35-Jährige. Doch als sie erfährt, dass sie dafür bis nach Amberg fahren müsste, ist sie zunächst ratlos. "Das war mir einfach zu weit."

Ausbildung in Wien


Für ihre weiteren Pläne muss sie noch mehr Kilometer zurücklegen. "Ich habe mich entschlossen selbst Kurse zu geben." Die Ausbildung zur Kangatrainerin führt sie nach Wien. Zusammen mit Mann und Kind reist sie im November in die österreichische Hauptstadt. In 5 Tagen lernt sie alles. Wieder zu Hause dreht sie ein Video, dass sie nach Wien schickt, wo es bewertet wird. Im März bekommt sie die Zusage, als Kangatrainerin arbeiten zu dürfen.

Aus Leuchtenberg, Pirk, Weiden, Tirschenreuth, Floß und Waldthurn kommen die sechs Teilnehmerinnen, die sich für den Kurs in Floß angemeldet haben. Kerstin Semmelmann hat dafür die Räume von Psychologin Mandy Franke angemietet. Auf dem ersten Blick sieht es so aus, als ob eine ganz normale Krabbelstunde beginnen würde. Die Kleinen sitzen oder liegen auf Matten am Boden. Babyschalen stehen neben Taschen mit Windeln und Wechselkleidung. Wer selbst Kinder hat, weiß wie viel man in den ersten Monaten mitschleppen muss.

Doch die Mütter tragen keine Jeans, sondern Gymnastikhosen und ärmellose Tops. Auch die Kinder bekommen für das Workout ein spezielles Outfit verpasst. "In Strumpfhosen wäre es für die Kleinen zu warm", weiß die Trainerin. Deshalb gibt es für den Nachwuchs Stulpen für die Beinchen. Ein Stück von Oberschenkel und die Zehen bleiben frei. "So können die Babys ausschwitzen."

Wie im Fitnessstudio


Kinder bis 8 Kilo werden am Bauch getragen, schwerere Babys am Rücken. Die Vorbereitungen verlaufen ohne großes Geschrei. Joel, 10 Monate alt, krabbelt durch den Raum. Anton, 3 1/2 Monate alt, kann das noch nicht und begnügt sich mit neugierigen Blicken. Nachdem alle Babys gut gesichert sind, geht's los. Ähnlich wie in einer Aerobic-Stunde sagt die Trainerin die Übungen an. Weiter geht's mit Step nach rechts, Arme hoch, Curls, Doppel-Side oder V-Step. Nur die Musik schallt nicht ganz so laut wie in einem Fitnessstudio aus den Lautsprechern. Das Wippen im Takt scheint die Kinder zu beruhigen. Der Sohn von Anna Buchmann aus Weiden schläft schon nach wenigen Minuten ein. Auch die anderen schmiegen sich entspannt an ihre Mamas.

Das Kangatraining verbessert die Herz-Kreislauf-Ausdauer und beansprucht die gesamte Muskulatur. Auch der Beckenboden kommt nicht zu kurz. „Mitmachen kann jede Mama, die ihre Abschlussuntersuchung hinter sich hat“, sagt Semmelmann. Bei einer normalen Entbindung ist das nach 8 bis 10 Wochen, bei einem Kaiserschnitt nach 10 bis 13 Wochen. Wie lange das Kangatraining absolviert werden kann, hängt vom Nachwuchs ab. „Man rechnet zwar mit bis zu 3 Jahren, doch irgendwann machen die Kinder einfach nicht mehr mit oder sind viel zu schwer.“
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