Am Ende ergriffene Stille
Liedoratorium "Dietrich Bonhoeffer - Ein Leben" in Flosser Pfarrkirche St. Johannes der Täufer aufgeführt

Mehr als nur ein gesanglicher und musikalischer Ohrenschmaus: Die Aufführung des Liedoratoriums "Dietrich Bonhoeffer - Ein Leben " in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer war ein ergreifendes Meisterwerk des katholischen Kirchenchors und der Instrumentalgruppe von Willibald Wirth mit Sprecher Matthias Winter unter der Gesamtleitung von Hans Fröhlich. Bild: le
Kultur
Floß
01.03.2016
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Außergewöhnlich der ganze Vortrag. Außergewöhnlich auch der Abschluss. Auf Bitten von Pfarrer Thomas Richthammer spendeten die Zuhörer am Ende des Konzerts keinen Applaus. Sie verweilten beim Ertönen der großen Kirchenglocke ergriffen und tief beeindruckt noch viele Minuten im Gotteshaus. In aller Stille.

Es hat schon viele eindrucksvolle, nachhaltige musikalische und gesangliche Ereignisse in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer gegeben, doch die Aufführung des Liedoratoriums "Dietrich Bonhoeffer - Ein Leben" kann als Meisterwerk ganz vorn Platz nehmen.

Dem katholischen Kirchenchor und der von Willibald Wirth organisierten Instrumentalgruppe unter der Gesamtleitung von Hans Fröhlich ist es zu danken, dass die Zuhörer eine auf sehr hohem künstlerischen Niveau stehende Aufführung erleben durften. "Ich glaube an die Universalität der Brüderlichkeit. Werdet Geschwister, ihr Menschen, zieht Christus an, der Liebe und Versöhnung Kleid." Diese letzten Worte Bonhoeffers, eine kurze Botschaft an seinen englischen Freund Bischof Bell zu Chichester, haben Chor, Orchester und Sprecher der Texte zu einem eindrucksvollen und nachdenklichem Erlebnis werden lassen.

Begeisterung gespürt


Chorleiter Hans Fröhlich hat einmal mehr eine Chorgemeinschaft vorgestellt, die nicht nur mit ihrer Gesangskunst zu begeistern wusste, sondern den großen stilistischen Bogen von der Gregorianik über den Barock-Choral, bis hin zu Kanons, populären Balladen und Prostsongs meisterhaft beherrschte. Man spürte bei allen Sängern förmlich die Begeisterung und das Mitfühlen.

Mit Konzertmeister Willibald Wirth (Violine I), der maßgeblichen Anteil am Zustandekommen der Aufführung hatte, Karl Brenner (Violine II), Ulrich Pietsch ( Viola ), Jutta Steiner (Violoncello), Birgit Neumann ( Querflöte ) und Michael Fröhlich (Klavier) war ein ausgezeichnet aufeinander abgestimmtes Instrumentalensemble zu hören, dass das Bonhoeffer Oratorium, dessen Musik Matthias Nagel komponierte, zu einem bleibenden Erlebnis machte. Hans Fröhlich hat wieder einmal ein wahres Meisterwerk vollbracht.

Der großartige Sprecher Matthias Winter verstand es, die von Dieter Stork geschriebenen Texte eindrucksvoll laut, aber auch ganz leise vorzutragen und schaffte damit harmonische Übergänge zwischen Wort, Gesang und Musik. Gewaltig sein Vortrag über den Aufruf Bonhoeffers in seiner letzten Predigt am 8. April l945 zur " Wiedergeburt einer neuen Hoffnung ". Bonhoeffers Verse vermitteln auch heute noch Trost, Hoffnung und Ermutigung aus dem Glauben, hält Chorleiter Hans Fröhlich fest. Das habe ihn auch zur Aufführung dieses Werks bewogen.

Trommelschläge ins Herz


Einen Höhepunkt erreichten die immer fesselnden Liedvorträge mit der Vertonung des Bonhoeffer-Gedichts "Von guten Mächten". Gewaltig die vorgetragenen Prostsongs mit den bis ins Herz gehenden Trommelschlägen des jungen Schlagzeugers Jakob Fritz. Dazu eine meisterhaft musikalisch vollendete Klavierbegleitung von Michael Fröhlich, Sohn des Chorleiters.

Der Weihnachtsrundbrief Bonhoeffers im Jahre l942 war der gewaltige und ergreifende Abschluss des Oratoriums, wo sich alle Beteiligten nochmals in eindrucksvoller Weise vorstellten, wenn es hieß: "Uns bleibt nur der sehr schmale und manchmal kaum noch zu findende Weg, jeden Tag zu nehmen, als wäre er der letzte, und doch in Glauben und Verantwortung so zu leben, als gäbe es noch eine gute Zukunft ".

Pfarrer Richthammer hatte eingangs in seinem Grußwort herausgestellt, dass das Liedoratorium der Versuch einer Antwort auf Dietrich Bonhoeffer sei. Er dankte allen Mitwirkenden, der Evangelischen Gedenkstättenarbeit Flossenbürg und Pfarrer Herbert Sörgel für die Unterstützung.
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