Im Zwiefachen übers Parkett
Familie Bock mit Volkstanzkursen erfolgreich

Gisela (links) und Helmut Bock (Zweiter von links) führen die Kreuzpolka an. Vor 13 Jahren haben sie ihre Scheune zur Tanztenne umgebaut, wo sich jeden ersten Mittwoch und jeden dritten Freitag im Monat Volkstänzer aus der Region treffen. Bild: mic
Kultur
Floß
16.02.2016
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Ob jemand ein kariertes Hemd anhat, ein Dirndl oder eine Jeans trägt, ist nicht wichtig. "Bei uns steht die Freude am Tanzen im Vordergrund", erklärt Gisela Bock aus Grafenreuth. "Bequeme Schuhe wären nicht schlecht", fügt Ehemann Helmut schmunzelnd hinzu.

Zweimal im Monat treffen sich Volkstänzer aus der Region auf dem Hof der Familie Bock in Grafenreuth, um gemeinsam ihrem Hobby zu frönen. Die meisten stammen aus den umliegenden Orten wie Floß, Flossenbürg, Waldthurn oder Vohenstrauß. "Aber zu uns kommen auch Leute aus Moosbach, Tännesberg, Nabburg, Fensterbach und sogar Schmidmühlen", erzählt Gisela Bock.

Jeden ersten Mittwoch und dritten Freitag im Monat öffnen die Bocks ihre hauseigene Tanztenne. "Wir haben Platz für 40 Personen." Vor 13 Jahren hatte sich die Familie entschlossen, die Scheune auszubauen. In den ersten Jahren kamen die Tänzer in verschiedenen Gasthäusern zusammen. "Aber nicht überall hat der Boden gepasst. In einem Lokal waren Fliesen, das ging nicht gut."

Besonderer Anlass


Am 7. Mai feiert der "Volkstanzkreis Grafenreuth" 15-jähriges Bestehen. Zum kleinen Jubiläum spielen die "Schnarrndorfer Musikanten" auf. Gisela (54) und Helmut (62) Bock laden dazu ins Gasthaus "Zum schwarzen Bären" nach Oberlind ein.

Die Bocks erinnern sich noch gut an die Anfänge. "Getanzt haben wir immer schon gerne. Früher waren wir viel in Waldau", erzählen sie. Auch der Volkstanz habe sie interessiert. "Doch in unserer Gegend gab es nichts." Eine Zeit lang traf sich eine Gruppe im Evangelischen Vereinshaus in Weiden. "Doch das ist wieder eingeschlafen."

Das begeisterte Tanzpaar beschloss im Herbst 2000, selbst aktiv zu werden. Ein Aufruf in der Zeitung lockte einige Interessenten an. "Unser allererstes Treffen war am 2. Februar 2001 im Gasthaus Meckl in Lennesrieth", blickt Helmut Bock zurück. "Der Anfang war schon sehr zäh", fügt seine Frau hinzu. "Wir waren noch unerfahren und haben allen Mut zusammengenommen." Der Aufwand und das Engagement zahlten sich schließlich aus: "Sechs oder sieben Paare von damals machen heute noch mit."

Unzählige Kurse


Bald schlossen sich Gisela und Helmut Bock den "Oberpfälzer Volksmusikfreunden" an. Seit vielen Jahren vertreten sie nun den Verein im Landkreis und in Weiden. Das Interesse am Volkstanz hält nach wie vor an. Unzählige Kurse hat das Grafenreuther Paar schon gegeben. Landjugend, das Rote Kreuz oder die CSU ließen sich die Schritte zeigen. Auch viele junge Leute finden wieder Gefallen an Volksmusik, Tanz und Brauchtum. "Das liegt im Trend", sagt Gisela Bock. "Die Jugend trägt auch wieder Tracht oder tanzt den Kirwa-Baum aus." Die Tänzer, die zu den Übungsabenden kommen, zählen nicht mehr zur jungen Generation. "Die Ältesten sind 70, die Jüngsten 40", weiß Helmut Bock. Die Musik kommt meist vom Band. Im Saal erklingen schmissige Weisen von den Regensburger Wirtshausmusikanten oder den "Wadlbeißern".

"Natürlich wäre Livemusik schöner, aber nicht alle Musiker, die im Wirtshaus spielen, können's auch so, dass man darauf tanzen kann." Gisela Bock sagt den Tanz an, die Paare stellen sich in Position. Flink und routiniert bewegen sich unzählige Füße im Walzertakt, zur Polka, zum Schottisch-Dreher oder Zwiefachen.

Wer mittanzen möchte, benötigt wenigstens ein bisschen Routine. Auch Singles kommen nicht zu kurz. Niemand wir ausgegrenzt. Viele, die nur einmal aus Neugierde vorbeischauen wollten, haben sich von der Begeisterung der Tanzgruppe anstecken lassen. Eines mögen die Bocks aber nicht: "Nur zuschauen geht nicht. Wer zu uns kommt, muss schon mittanzen."
Sechs oder sieben Paare von damals machen heute noch mit.Gisela Bock


Landfrauen und KreistänzeNeben den monatlichen Tanzabenden betreut Gisela Bock die Tanzgruppe der Landfrauen. "Den nächsten Auftritt haben wir am 1. März in der Max-Reger-Halle", erzählt sie.

Ihre Leidenschaft gilt außerdem den Kreistänzen. "Die habe ich auf verschiedenen Seminaren kennengelernt. Wir sind ein kleiner Kreis, der sich unregelmäßig trifft, aber ich möchte, dass diese Tänze nicht in Vergessenheit geraten." Getanzt wird hauptsächlich zu Folkloremusik. "Kreistänze gibt es in vielen Ländern, vor allem in Südosteuropa."

Bereits zweimal haben Gisela und Helmut Bock zusammen mit dem Flosser Arbeitskreis Asyl einen Abend mit Kreistänzen angeboten. Einheimische tanzten mit Menschen aus Afghanistan, Aserbaidschan, Irak, Syrien, Kosovo und Pakistan. "Das hat alle Spaß gemacht", zieht sie Bilanz. Ein weiterer Kreistanzabend ist demnächst geplant. (mic)
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