Tango der „Xundheit“
„Original Bauernsfünfer“ begeistern im „Theaterstodl“ Diepoltsreuth

Wenn sie die Goschn aufmachen, kommt die Heimat raus. Uli Radl und Dominik Niklas (von links), die "Original Bauernsfünfer", begleitet von Bernd Pirner (im Hintergrund), skizzierten das pralle Landleben mit all seinen Facetten höchst humorvoll und mit mitreißender Musik. Bild: prh
Kultur
Floß
05.06.2016
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Das pralle Oberpfälzer Landleben mit all seinen Facetten, Gerüchen, Geschmäckern, Anekdoten und Weisheiten servieren die "Original Bauernsfünfer" höchst humorvoll und stets mit dem Schalk im Nacken. Das Publikum im "Theaterstodl" des Gasthauses Plödt ist begeistert.

Diepoltsreuth. Verpackt hat das Duo die ländlichen Viechereien in mitreißende Musik und garniert mit scharfsinnigen Texten. Dem Publikum wird am Samstag schnell klar, wo die Reise an diesem lauen Abend hingeht, als Dominik Niklas alias "Da Oine" und Uli Radl ("Da Aaner") die Bühne in Gummistiefeln, Hosenträgern und Hüten betreten: hinaus aufs Land, genauer gesagt nach Weißenberg, einen 150-Seelen-Dorf bei Sulzbach-Rosenberg.

Bauern und Dorfvolk


Dort sind die beiden aufgewachsen, und dort haben sie ihre Geschichten aufgeschnappt, ob am Stammtisch, in der Familie, vom Nachbarn oder im Stall. In ihren Liedern thematisieren sie alles, was den Bauern und dem Dorfvolk auf dem Herzen liegt. So betrachten sie in "Leck, schau hie, da Nachba!", was der Nachbar so alles treibt, widmen einen esoterisch angehauchten Tango der "Xundheit", bezeichnen sich als "Holzfix" (Holzfüchse) oder erklären der Sau und den Hühnern ("Da Fuchs is krank, ja Gott sei Dank") ihre Liebe. Sie singen von der "Kuni Schmie", die in Spanien ihre Freiheit sucht, oder von ihrer Leibspeis, der Leberknödelsuppe, der sie auch ihre aktuelle CD widmen.

Es entsteht eine Idee, die sie dann entsprechend ausschmücken und in Texte verpacken. Die sind gespickt mit Wortspielen, mal mit scharfsinnigem Hintergrund, mal lyrisch und manchmal auch völlig sinnfrei.


Fast zu jedem Lied gibt es eine Bauernweisheit. "Wird's Pegida-schwarze Nacht, nimmt der Bauer sich in Acht" im Song vom furchterregenden "Hutzawackl", oder "Riech ich einen Ziegenbock, brauch' ich meinen Waffenrock" in der Geschichte vom "Goaßbock vom Wirt".


Sogar zum schwarzen Kontinent würde unser Dialekt passen. In "Hege duassa odaikummeine" ("Hallo, komm heraus, sonst komme ich hinein") führen es die beiden mit entsprechendem Rhythmus eindrucksvoll vor Augen. Niklas und Radl setzen den Dialekt als Stilmittel und Klangwerkzeug zugleich ein und begleiten ihn auf einer Vielzahl von Instrumenten aus dem reichhaltigen Fundus ihrer musikalischen Maschinenhalle. Kein Musikstil, vom Jazz, Blues, Volksmusik, Hiphop, Country oder Tango, ist den Vollblutmusikern fremd.

Die hervorragenden Multi-Instrumentalisten werden an diesem kurzweiligen und überaus amüsanten Abend zu Piano, Gitarre, Klarinette, Saxofon, der seltenen Bassklarinette, Schlauchmelodika oder Ukulele vom hervorragenden Percussionisten "Weberknecht" alias Bernd Pirner mit allem rhythmisch begleitet, was Lärm macht. Nicht zu vergessen den vierten Protagonisten, eine Loop-Maschine namens "Kevin", die kurze Klang- und Tonsequenzen live aufnahm und in Dauerschleife wiederholt. Sie erlaubt es den beiden, ihre eigene Rhythmussektion klatschend und rappend während des Stückes zu kreieren und sich von ihr selbst begleiten zu lassen.

Drei Zugaben


Die Besucher sind restlos begeistert, und den großen Beifall haben sich die sympathischen Bauernsburschen, die als Konrektor und Diplom-Musiklehrer arbeiten, redlich verdient. Als eine von drei Zugaben gibt es noch eine Uraufführung: "Zamm" (Zusammen), ein romantischer Schlusspunkt, der die Freundschaft und Liebe thematisiert.
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