Benediktinerpater Anselm Grün braucht den Rhythmus des Mönches und will nach dem 70. Geburtstag ...
Werte machen das Leben wertvoll

Lokales
Floß
28.01.2015
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(ms) Pater Anselm Grün, der Mann mit dem grauen Rauschebart, langen Haaren und der schwarzen Kutte, ist wohl der prominenteste Mönch Deutschlands. Der spirituelle Benediktiner aus Münsterschwarzach füllt seit Jahrzehnten die Säle und Kirchen. Vor dem Jahresempfang der Raiffeisenbank Floß sprach am Montagabend Redakteur Martin Staffe mit dem 70-jährigen Ordensmann.

Sie haben vor wenigen Tagen 70. Geburtstag gefeiert. Bereitet Ihnen das Älterwerden Kummer?

Pater Anselm: Sorgen nicht, ich weiß natürlich, dass ich meine Gesundheit nicht garantieren kann. Aber momentan bin ich noch gesund, und ich versuche einfach zu hören, was ist jetzt dran, wo soll ich kürzer treten und wo kann ich noch weiterhin arbeiten. Noch halte ich gerne Vorträge. Ich versuche auch, durchaus sensibel zu sein, wann es Zeit ist aufzuhören.

Welches Ihrer sieben Jahrzehnte ist für Sie das Wichtigste?

Pater Anselm: Das kann ich nicht so sagen. Ich möchte die Zeit nicht zurückdrehen. Ich bin dankbar für die Zeit jetzt. Aber am fruchtbarsten war die Arbeit zwischen 50 und 60. Da war die größte Kraft da.

Sie haben Hunderte, wahrscheinlich Tausende Vorträge gehalten, vor unterschiedlichstem Publikum. Gab es eine Veranstaltung, an die sie sich noch ganz genau erinnern, die für sie etwas Besonderes war?

Pater Anselm: Als ich 2003 beim ökumenischen Kirchentag in der Deutschlandhalle Berlin vor 12 000 Leuten gesprochen habe, das war schon ein besonderes Erlebnis.

Heute sprechen Sie auf Einladung der Raiffeisenbank Floß/Flossenbürg. Welche Botschaft wollen Sie Ihren Zuhörern vermitteln.

Pater Anselm: Dass es sich lohnt, Werte zu leben. Werte machen die Gesellschaft - auch eine Bank - wertvoll. Ich denke, in unserer Zeit werden verschiedene Werte propagiert, und daher ist es wichtig, sich auf die christlichen Werte zu besinnen, die unser Leben wertvoll machen.

In Ihren zahlreichen Kursen und Vorträgen wollen Sie auf die Nöte und Sorgen der Menschen eingehen. Was sind die größten Nöte, was die wichtigsten Sorgen der Menschen?

Pater Anselm: Da ist einmal die Angst, das Leben nicht zu schaffen, dem Druck nicht mehr standzuhalten, der von außen kommt. Da sind auch die Sorgen um die Kinder, um die Beziehungen. Trägt die Partnerschaft, die Ehe, die Familie? Und wie geht es weiter in unserer Gesellschaft? Ein Stück Angst um die Zukunft ist immer da. Und ich denke eine große Not ist, dass viele Menschen ein Stück abgeschnitten sind von ihren eigenen Wurzeln. Es ist auch mir ein wichtiges Anliegen, dass sie wieder in Beziehung und in Berührung kommen mit ihren eigenen Wurzeln.

Und was sagen Sie den Leuten?

Pater Anselm: Sie sollen sich fragen, was ist meine Familie und was sind die Werte, die in meiner Familie gelebt werden. Aber es geht auch um die Wurzeln des Glaubens. Für mich ist es ein wichtiger Weg, durch Rituale in Berührung zu kommen mit den eigenen Wurzeln.

Bekannt sind Ihre Monatsbriefe "einfach leben". Was bedeutet für Sie einfach leben?

Pater Anselm: Einfach leben hat verschiedene Aspekte. Nicht zu anspruchsvoll, sondern einfacher leben. Das andere ist einfach zu leben, einfach da zu sein und im Augenblick zu sein, nicht alles ständig rechtfertigen und sich vor anderen nicht ständig beweisen zu müssen.

15 Millionen verkaufte Bücher, unzählige Vorträge und Seminare, viele beantwortete Briefe: Gehen Ihnen da nicht langsam die Themen aus?

Pater Anselm: Ich hab' keine Planung, was ich in den nächsten Jahren alles schreiben soll. Aber es ergeben sich immer wieder Themen im Gespräch. Natürlich haben auch die Verlage Wünsche. Aber ich muss immer wieder spüren, stimmt's für mich oder reizt es mich, auf dieses Thema einzugehen oder ist es nur eine Wiederholung. Das ist klar, mein Horizont ist auch begrenzt. Aber es gibt halt immer wieder neue Bilder, neue Themen, die ich dann bewusst ein Stück ausmale.

Bei dem enormen Pensum, das Sie absolvieren, ist es Ihnen da überhaupt möglich, am Klosterleben mit den Gebetszeiten und den täglichen Gottesdiensten teilzunehmen? Oder genießen Sie eine Ausnahmestellung?

Pater Anselm: Na gut, heute Abend bin ich nicht bei der Messe. Aber bei den drei Gebetszeiten am Morgen war ich dabei, und morgen geht es genauso weiter. Deshalb fahre ich auch abends immer wieder heim, damit ich am klösterlichen Gemeinschaftsleben teilnehmen kann.

Am Abend gibt's bestimmte Ausnahmen. Ich bin zwei Mal in der Woche unterwegs. Früher waren es drei Termine. Aber ich will ja etwas kürzertreten. Nur von einem Vortrag zum anderen zu fahren, das wäre nichts für mich. Ich brauche den Rhythmus des Mönches. (Seite 33)
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