Briefkasten der Zehn Gebote

Lokales
Floß
23.07.2015
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Das klassizistische Kunstdenkmal des Marktes, die Synagoge, ist nun selbst um ein weiteres Kunstobjekt reicher. Bei einer Feierstunde überreichte Barbara Held einen von ihr geschaffenen "Tafelkasten". Ein Werk, das sich erst auf den zweiten Blick erschließt.

Der "Tafelkasten" hat ein neues Zuhause. Bei einer festlichen Vernissage übergab die freischaffende Künstlerin und Kunstpädagogin Barbara Held aus Wuppertal ihr Werk an den Eigentümer der Synagoge, den Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Werner Friedmann und Dora Mirochnik von der Jüdischen Gemeinde in Weiden dankten in dessen Namen und sprachen vom "Briefkasten der zehn Gebote Gottes".

Das Objekt, einst Briefkasten eines Mehrfamilienhauses, enthält elf Fächer, die durch eine Klappe für Besucher einsehbar sind. In jedem liegt eine Schieferplatte mit einem in weißer Kreide geschriebenen hebräischen Text. Da nur der vordere Teil der Schieferplatte sichtbar ist, lässt sich das Geschriebene nur fragmentarisch wahrnehmen. Für Kenner der hebräischen Sprache ist der Text aber rekonstruierbar. Das Werk soll eine Erinnerung an die Zehn Gebote darstellen.

Barbara Held, 1953 in Nürnberg geboren, studierte Evangelische Theologie, absolvierte von l985 bis 1889 ein Studium für Kunst/Pädagogik/Design an der Gesamthochschule Wuppertal und leitet seit 1989 eine Malschule in Cronenberg. Sie wählt nur Themen, bei denen sich ihr "protestantisches Gewissen" rührt. Ihre Tätigkeit beschreibt sie so: "Durch meine Arbeiten wünsche ich, mit Bildern, Themen und Motive der christlichen Tradition in einen freien Dialog zu treten." Die Begrüßung zur außergewöhnlichen Vernissage für die evangelische Gemeinde St. Johannes Baptista übernahm Pfarrerin Lisa Weniger. Sie stellte heraus, dass der Kasten an diesem Ort der Versöhnung sein Haus gefunden habe.

Weiterer Programmpunkt neben der Unterzeichnung der Schenkungs-Vereinbarung war der Vortrag "Zerrissen zwischen der Sehnsucht nach Frieden und der Erfahrung von Gewalt. Annäherungen an den Konflikt um Israel und Palästina" von Dr. Axel Töllner. Der Beauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche Bayern für den christlich-jüdischen Dialog war 1993/1994 als Student in Israel. Er schilderte, wie er Friedenshoffnungen erlebte, aber auch Enttäuschungen. Dabei stellte er fest, dass es Sehnsucht nach Frieden auf beiden Seiten gebe.

Klezmer vom Feinsten

Bürgermeister Günter Stich betonte in seinem Gruß- und Dankeswort, dass Kunst, Kultur und Friedensarbeit in der Synagoge ein festes Zuhause hätten. Herausragend war auch die musikalische Begleitung durch die Klezmer-Band "Katlanovski Express" aus Nürnberg. Margareta und Michael Kleemann, Barbara Keil, Joachim Pohl und Temea Teleki bekamen für ihre Darbietungen stürmischen Applaus.
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