Dunkle Tage aus Kindersicht

Ilse Galland und Anton Eismann wissen noch aus eigener Erfahrung, was Krieg bedeutet. Jüngere Zuhörer konnten ihre Schilderungen kaum fassen. Bild: gt
Lokales
Floß
10.05.2015
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"Bilder, die man nie vergisst", hatten Ilse Galland und Anton Eismann vor Augen, als sie bei der SPD über das Kriegsende vor 70 Jahren erzählten. Bilder, die sie nie wieder sehen wollen und keinem Menschen wünschen.

"Es war Anfang April 1945 und es war keine Schule mehr", berichtete Eismann über seine Erlebnisse als Bub. Ein Spiel der Jungs war das Karussellfahren auf der Vierlingsflak am Flosser Bahnhof. Die Buben besorgten den Soldaten Milch vom Bauern berichtete er den gut 40 Gäste im Marktcafé im "Goldenen Löwen". Acht Feuerwehrleute aus Kastl waren nach Floß geschickt worden, um den Ort zu verteidigen wusste Eismann.

Spiel und Grauen

Aus Fliegermänteln wurden Lodenmäntel: "Die haben wir in Grafenreuth im Lager gemopst." Das Schlimmste waren die Tiefflieger und die Häftlingstransporte durch den Ort. "Es wahr der Wahnsinn", schauderte es Eismann, als er von einem Tieffliegerangriff auf einen Häftlingstransport berichtete. "Die zerfetzten Toten vergisst man nicht."

"Für mich war der Tag der Befreiung der 22. April 1945 - weil ich keine Angst mehr haben musste", beschrieb er seine Gefühle. Um 14.30 Uhr kamen zwei US-Jeeps nach Floß, und um 17 Uhr dann der ganze Trupp Soldaten, ohne dass ein Schuss fiel.

Ilse Galland wohnte als Jugendliche in Plankenhammer und war 14 Jahre alt. "Als die Amerikaner kamen war ich gar nicht da. Ich war in Grafenreuth im Lager und konnte plötzlich nicht mehr nach Hause." In Plankenhammer gab es zwei Panzersperren aus Holz. "Da konnten die Amis ja nur lachen."

Das Weig-Gut musste geräumt werden. Es gab nur zwei Stunden Ausgangszeit, und es war gefährlich die Sperrzeit zu überschreiten. "Wenige Tage zuvor, an Ostern 1945, saß ich mit meiner Großmutter im Garten, und es gab immer noch einige, die an den Endsieg glaubten" schüttelte die Seniorin den Kopf.

"Wir hatten Zeit, und in Gösen standen 29 Jagdflugzeuge vom Typ ME 109. Was fehlte, waren Benzin und Piloten" so beide Zeugen. In Altenhammer und Flossenbürg wurden die Flugzeuge zusammengebaut. "Da krochen wir hinein und schraubten raus, was wir konnten", erzählte Eismann. Plexiglas als Brennglas aus der Flugzeugkanzel und vor allem Kugellager für den Bau von Rollbrettern. "Ohne Bewachung lagen die eingesammelten Waffen, Fotoapparate, Ferngläser und Munition auf einem Haufen auf dem Galgen. In unserem Versteckbunker auf dem Nikolausberg hatten wir eine Maschinenpistole, eine Pistole, Granaten und Munition. Aber geschossen haben wir nicht, und als die Amerikaner dann die Waffen im Hardter Hügelweiher versenkten, gingen wir halt zum Tauchen."

"Die Amis waren zu den Kindern human", auch das war eine Feststellung der Zeugen, die den Geschmack des ersten Kaugummis und eines Stücks Schokolade noch auf der Zunge haben. "Was habe ich mich vor dem Neger gefürchtet, als er uns hinterher ging", so Galland. "Aber er hatte zu Hause auch eine kleine Tochter, und er gab uns eine Dose mit Keksen."

Schaurig waren die Gefangenentransporte nach Flossenbürg. "Da haben die Halbtoten die Toten ziehen müssen."

Der 8. Mai 1945 war aber nicht der Tag der Befreiung für alle, denn danach kamen die Flüchtlingstrecks. Die Erlebnisse aus jenen Tagen will die SPD in den Mittelpunkt eines weiteren Themenabends stellen.
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