Gebot des Tierschutzes

Über den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung referierte Dr. Andreas Randt beim Bauern-Aschermittwoch in Floß. Er erinnerte an die Verantwortung für das Vieh, warnte aber auch vor übermäßigem Antibiotikagebrauch. Bild: Schönberger
Lokales
Floß
19.02.2015
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Es kann keine antibiotikafreie Tierhaltung geben. Darauf verwies der Tierärztliche Leiter des Tiergesundheitsdienstes Bayern, Dr. Andreas Randt, beim 80. Bauern-Aschermittwoch in Floß. Der Experte behandelte das brisante Thema "Antibiotikaeinsatz - Verantwortung für Mensch und Tier".

Floß. (le) "Die Tierhalter müssen die Tiergesundheit sorgfältig und aufmerksam unter Nutzung des technischen Fortschritts beobachten, die rechtzeitige Behandlung veranlassen und möglichst die Verunreinigung des Umfeldes behandelter Tiere mit antibiotisch wirksamen Substanzen vermeiden", empfahl Randt. Solange es bakteriell bedingte Erkrankungen gebe, hätten Säugetiere, Fische und Vögel Anspruch auf eine Evidenz basierte antimokrobielle Behandlung auf wissenschaftlicher Grundlage. Dies seit auch ein Gebot des Tierschutzes.

Bedeutung wird zunehmen

Laut dem Tierärztlichen Leiter ist Penicillium (Pinselschimmel) ein sehr wirksames Medikament, das auch in der Tiermedizin Krankheit und Leid lindere. Denn neben der lebensrettenden Eigenschaft der antimikrobiellen Substanzen führe der Einsatz zur Selektion antibiotikaresistenter Bakterien. Infektiöse Faktorenerkrankungen mit bakterieller Beteiligung hatten schon in der Vergangenheit große Bedeutung in der Nutztierhaltung. Diese werde noch zunehmen, weil tiergerechte Haltungsformen Infektionen erleichterten - trotz aller Fortschritte im Tiergesundheitsmanagement. "Wir benötigen eine möglichst lange Nutzungsdauer jeder antibiotischen Substanz, weil wirksame und verträgliche Substanzen nicht häufig entdeckt werden und weil es für die Tiermedizin keine eigenständige Entwicklung neben der für die Humanmedizin gab oder sie die Ausnahme bleiben wird", fuhr Randt fort. Deshalb sei die lange Substanznutzungsdauer Ziel einer verantwortungsvollen antimikrobiellen Therapie in der Tiermedizin. Das sei kein Selbstzweck, sondern im Interesse der Tiere, die engen Kontakt mit dem Menschen hätten oder seiner Ernährung dienten. Tiere müssten auch in Zukunft rechtzeitig und wirksam antibiotisch behandelt werden.

Es sei ethisch nicht vertretbar, kranken Tieren den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt der letzten 60 Jahre auf dem Gebiet der Antibiotika vorzuenthalten. Resistenzentwicklungen seien Bestandteil der Evolution und reversibel. "Es gibt keinen Grund, ein Katastrophenbild aus sachfremden Gründen an die Wand zu malen."

Bauern müssen's ausbaden

Das gemeinsame Ziel müsse sein, einen übermäßigen Antibiotikaeinsatz zu vermeiden und so der Resistenzbildung entgegenzuwirken. Darüber hinaus sei aber auch die Entwicklung neuer Wirkungssubstanzen notwendig, um die Behandlung kranker Menschen und Tiere langfristig sicherzustellen.

Kreisobmann Josef Fütterer brachte es auf den Punkt. Im Umgang mit Antibiotika in der Tierhaltung sei eine gewisse Unsicherheit in der Bevölkerung feststellbar. "Wir Bauern und Tierhalter müssen gegen etwas ankämpfen, was wir nicht verschuldet haben. Das Vertrauen ist geschwächt."
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