Gemeinden gehen gemeinsam - Andacht zur Eröffnung des Simultankirchenradwegs
Aus Feind- wird Freundschaft

Lokales
Floß
09.07.2015
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"Wir freuen uns, wenn unsere Gemeinden auf dem Radweg simultan, gleichzeitig und gemeinsam in Bewegung bleiben, in Bewegung zueinander und miteinander." Pfarrerin Lisa Weniger, Pfarrer Norbert Große aus Floß sowie Pfarrer Michael Kelinske aus Plößberg hatten am Sonntag die Gläubigen beider Konfessionen zur Andacht zur Eröffnung des Simultankirchenradwegs, Route 8 und 9, in die evangelische Pfarrkirche St. Johannes Baptista eingeladen.

Der Kirchen- und der Posaunenchor übernahmen die Gestaltung. Die Gläubigen waren aus Altenstadt/Vohenstrauß, Flossenbürg und Floß, Plößberg, Püchersreuth, Schönkirch, Wildenau, Vohenstrauß und Waldau nach Floß geradelt. Die Ansprache hielten beide Ortsgeistliche auf der Empore. Sie verwiesen auf ein 250 Jahre andauerndes Simultaneum. Die Kirche St. Johannes Baptista war bis 1912 das Gotteshaus beider Gemeinden von Floß und der umliegenden Dörfer. Die Kirche wurde nacheinander genutzt. Obwohl Pfalzgraf Christian August Frieden zwischen den Konfessionen wollte, haben sich die Flosser dagegen gesträubt. "Es gab Feindschaften. Heute kaum mehr vorstellbar."

"Viele Dinge geschahen, die nicht gerade christlich waren", schilderten die Ortsgeistlichen. Die katholischen Gottesdienstbesucher mussten manchmal lange draußen im Regen stehen und warten, bis die evangelischen zum Beispiel alle 18 Strophen des Liedes: "Ich singe dir mit Herz und Mund" von Paul Gerhardt gesungen hatten. Die katholischen Gläubigen hätten zur Zeit von Pfarrer Johann Georg Wopperer die evangelischen in den Tagen rund um das Fronleichnamsfest nicht zum Altar vorgelassen.

1793 ließ Wopperer außerdem in einer Nacht- und Nebelaktion Beichtstühle in die Kirche bringen. Obwohl die Evangelischen protestierten, blieben sie bis zur Auflösung des Simultaneums. Darüber könne man heute nur noch schmunzeln, meinten die Prediger. Nachdem sich die Wege der Gemeinden 1912 getrennt hatten, konnten sie Schritt für Schritt neu aufeinander zugehen. Man sei vom hohen Ross der Vorurteile gestiegen, um einander neu zu begegnen. Dies geschehe auf Radwegen, in den Gemeindehäusern, der Schule, bei Kreuzwegen der Jugend und im ökumenischen Bibelkreis. Seite 35
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