Geschichte am Bocklradweg

Das am Mittwoch fast schon idyllisch anmutende Bild stellte sich vor 70 Jahren ganz anders dar. Zwei Infotafeln erinnern an das in Höfen existierende Außenlager des KZ Flossenbürg. Bild: nm
Lokales
Floß
16.04.2015
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Heute sind bei Grafenreuth Radler unterwegs. Vor 70 Jahren erlitten hier KZ-Häftlinge Terror und Not.

Das KZ in Flossenbürg war keine Insel. Etwa 90 Außenlager existierten von Würzburg bis Prag und vom nördlichen Sachsen bis nach Niederbayern. Eines davon befand sich im Weiler Höfen bei Grafenreuth. Seit Mittwoch erinnern zwei Informationstafeln an das Geschehen von 1943 bis 1945.

Spannendes Gespräch

Gedenkstättenleiter Dr. Jörg Skriebeleit erläuterte geschichtliche Hintergründe zu der Stätte, die unmittelbar neben dem Bocklradweg liegt. Im Sommer 1943 ließ die SS ein Depot für Uniformen und militärische Ausrüstungen aufbauen. Durchschnittlich 80 Häftlinge wurden von Flossenbürg nach Grafenreuth in das mit Wachtürmen und Stacheldraht gesicherte Lager beordert.

Das Gelände war kurzerhand beschlagnahmt worden. Hans Wittmann wusste aus Erzählungen des Vaters noch von den damaligen Ereignissen. Skriebeleit hatte sich mit dem Anwohner vor einiger Zeit lange unterhalten: "Es war ein spannendes und interessantes Gespräch." Heute ist vom früheren Lager nur noch ein Pfosten des Eingangstores zu sehen. Nach dem Krieg war das ganz anders. Bürgermeister Günter Stich berichtete: "Die Baracken dienten über Jahre hinweg als Wohnungen. Auch Kinder kamen zur Welt."

Am Herzen lag ihm ein weiterer Aspekt. Im Marktrat sei man sich einig gewesen, ein Zeichen zu setzen: "Es geht um Geschichtsbewusstsein ebenso wie um eine Botschaft für Gegenwart und Zukunft. Wir praktizieren Friedensarbeit und lassen uns dabei von Schmierereien nicht beeindrucken."

Weiterer Termin im Herbst

Mit Stich freuten sich Johannes Ibel von der KZ-Gedenkstätte, Hans Wittmann, Kurt Gollwitzer, Klaus Winkler sowie Oliver Mutterer, Rita Rosner und Robert Lindner aus den Reihen des Marktrates auf den Herbst. Dann kommt Skriebeleit erneut nach Grafenreuth. Geplant ist eine Gesprächsrunde mit allen, die mehr über das Außenlager erfahren wollen oder auch selbst etwas beisteuern können.

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Weitere Informationen im Oberpfalznetz:

http://www.oberpfalznetz.de/kriegsende
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