Große Trauergemeinde nimmt Abschied von Künstler Karl Aichinger
"Seher, Philosoph und Visionär"

Lokales
Floß
30.12.2014
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"Er ist angekommen in der unvergänglichen Ewigkeit, herausgetreten aus der Welt und Zeit, die uns noch gefangen hält und in der wir trauern. Der Tod hat nicht gewonnen, der Himmel hat ihn gewonnen", sagte Pfarrerin Lisa Weniger im Trauergottesdienst für Karl Aichinger am Dienstag in der evangelischen Pfarrkirche St. Johannes Baptista.

Vorher hatte Kantor Andreas Kunz (Orgel) den Choral aus der Kantate zum Totenfest "O wie selig seid ihr doch, ihr Frommen" von Max Reger eindrucksvoll vorgetragen. Von Würzburg war Pater Alfons gekommen, ein Freund des im Alter von 63 Jahren verstorbenen Bildenden Künstlers. Der Ordensmann bezeichnete ihn als Seher, Philosophen und Visionär, der unabhängig und frei sein wollte.

Seine Berufung als Maler könne als "Fenster in den Himmel" gesehen werden. Aichinger werde in seinen Bildern und Kunstwerken weiterleben. Ein weiterer Freund, Wolfgang Gaag von den Münchner Philharmonikern, brillierte mit dem "Kaddish" von Lev Kogan.

Gegen den Strom

Mit dem Gedicht "Die Hälfte des Lebens" von Friedrich Hölderlin, das Aichinger in jungen Jahren zu einer Collage animiert hatte, leitete Pfarrerin Lisa Weniger ihre auf das Leben und Wirken des Verstorbenen eingehende Predigt ein. Immer wieder sei es Frühling und Sommer in seinem Leben geworden, in seinen Bildern, in der Musik, in seinen Worten und Werken.

Aichinger sah und hörte in die Tiefe und Weite des Lebens, die Farben und Klänge der Schöpfung - auch dort, wo andere nichts sahen und hörten. Die Pfarrerin sprach von Aichingers "Freiheit von starren Regeln und Autoritäten, von Institutionen und Ordnungen, die Freiheit, sich quer zu stellen, gegen den Strom, gegen jede falsche Vereinnahmung, und seine Offenheit, die ihn so vieles ausprobieren und finden ließ, die Bergpredigt und Offenbarungen des alleinigen Gottes, wahre Gedanken und Gedichte, den Blues, die Bassläufe und schrägen Saxofontöne, die wagemutige Liebe von Jimi Hendrix und die Fantasie von Max Reger, Nächte voller Musik, allein nur mit Farben und Formen, die aus der Musik geflossen sind auf Papier und Karton, in Worte, in Stein, in sein Fugenschach".

Mit der Kraft am Ende

"Wir werden ihn wiedersehen, bleiben ihm verbunden in der Sehnsucht, der Freiheit und Offenheit, bleiben nicht sprachlos und kalt, sondern dankbar und liebevoll, wie es Sohn David in seinen Worten ausdrückte: 'Seine Kraft war am Ende, seine Erlösung Gnade. Karl ist nun frei. Danke für die gemeinsame Zeit, für die ewige Liebe in unseren Herzen."

Christian Willisohn, ein weiterer Freund, vollendete mit einem gesungenen Blues den Trauerakt. Anschließend erfolgte im Heimatfriedhof die Urnenbeisetzung.
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