Ideen für "Markt der Zukunft"

Lokales
Floß
27.05.2015
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"Floß passt so, wie es ist", findet der 13-jährige Leonard nach zwei Stunden Geschichts-"Unterricht" mit Bürgermeister Günter Stich. Im Rathaus spitzen seine Kameraden die Ohren, als sich zwei Ingenieurbüros für ISEK bewerben.

(hch) ISEK, das "Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept", kann die Zukunft der Marktgemeinde verändern. Bestenfalls so, dass die Bürger hier gerne wohnen und einkaufen, ihre Freizeit gestalten, Arbeit haben, ein Haus bauen und eine Familie gründen.

Bildung, Sport, Wohnen

"ISEK kompakt" nennt das "Team Oberbayern" der Stadtplaner GMA aus München sein Konzept. Die Wirtschaftsförderer Dr. Stefan Leuninger und Diplom-Ingenieurin Annegret Michler bezeichnen sich als Praktiker. Ihre Schwerpunkte setzen sie auf Bildung, Sport, Wohnen am Fluss und Tourismus. Michler regt an, das Wohnen noch mehr in Richtung Wasser zu orientieren. Die Vielfalt der Geschäfte gelte es zu erhalten, am Markt schweben den Münchnern mehr kulturelle Vielfalt und ein belebteres Café vor. "Hier gibt es viel alte Substanz an schönen Fassaden, die man aufbauen könnte." Wegen der Grenznähe solle man den Doost und die Radwege stärker bewerben.

Die Zeitschiene nimmt Leuninger im Schnelldurchlauf: "Wenn die Ziele bis Juli feststehen, könnten wir im September die Fördermittel beim Amt für Ländliche Entwicklung oder der Regierung anzapfen." Zehn Tage volle Präsenz vor Ort hält er für sinnvoller als abendliche Alibiveranstaltungen. "Wenn man das durchzieht, kann man den Antrag bis 31. Dezember einreichen."

CSU-Fraktionssprecher Armin Betz liegt das Einbinden der Bürger am Herzen. Er fragt: "Womit erzeugen Sie deren breite Akzeptanz?" "Mit Transparenz und indem wir die Leute am Bürgersteig ansprechen", antwortete Leuninger. Markus Staschewski (SPD) prüft die Dokumentation des Konzepts, zweiter Bürgermeister Oliver Mutterer (FDP/UB) gibt "Team Oberbayern" noch einen tiefen Einblick in die Mentalität der Flosser: "Wir sind nicht so einfach. Das zeitliche Einhalten wird schwierig. Ich will kein ISEK 0815, sondern unseren Ort besonders gestalten." Mutterer empfiehlt Einzelgespräche, in denen man die Meinung nicht nur "auf der Straße" erfährt.

Leute mitreißen

Dann sprach das "Team Oberpfalz" über "ISEK plus". Stadtplaner Dr. Emil Lehner und Architektin Christina Lehner (SHL Dr. Lehner und Kunnert) bezeichnen sich als "Querdenker", die die Leute mitreißen. "Dass ein Ort funktioniert, ist heutzutage wichtiger als das Gestalten." Letzteres halte die jungen Leute nicht. Wohnen für jüngere Menschen ist ein Hauptpunkt. "Weil die städtebauliche Entwicklung nie stehenbleibt und um die vorhandene Qualität zu sichern, stellen wir das Geplante von Zeit zu Zeit auf den Prüfstand." Christina Lehner ergänzte: "Sie haben einen Traumzustand. Es sind immer die gleichen Ansprechpartner, beim Auswerten der Berichte arbeiten wir mit Forschern der Uni München zusammen." Staschewski fragte, welche Kompetenz für eine Lenkungsgruppe nötig sei. "Ein Flosser mit gesundem Menschenverstand und kritischer Fachkompetenz, weil mich dessen persönliche Meinung interessiert", sagt Lehner. SPD-Fraktionssprecher Robert Lindner wollte wissen, wie das Team mit krassen Gegensätzen der Bürger umgehe. "Mit neuen Fragestellungen wägen wir solange die Vor- und Nachteile ab, bis sich ein Plus ergibt."

Mutterer fragte nach den Themen Wirtschaft und Tourismus. "Nur wenn die Bürger im Ort einkaufen, verhindern sie den Abfluss im Einzelhandel. Allerdings sei der Einfluss des Internet auf das weitere Einkaufsverhalten noch nicht absehbar", sagte Lehner. Die Projektdauer gab er mit eineinhalb Jahren an. Betz fragte: "Wie oft sind Sie vor Ort und welche Fristen sind einzuhalten?" Lehners Antwort: "Weil wir gegen Monostrukturen sind, wird der ganze Ort durchleuchtet. Erst befragen wir die Haushalte, dann legen wir an zwei bis drei Wochenenden mit Lenkungsgruppen Leitziele fest. Es gibt keine Patentrezepte und zuletzt entscheidet die Politik."
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