Krähen für Mutter Natur

Lokales
Floß
28.02.2015
5
0

Die evangelische Kirchengemeinde Floß arbeitet auf einen heißbegehrten Titel hin: "Grüner Gockel" heißt das Schlagwort. Was dahinter steckt, erzählt Vereinsmitglied Santtu Weniger.

(esc) Vor einem Jahr haben sich Mitglieder der Kirchengemeinde zusammengeschlossen, um sich um das Zertifikat "Grüner Gockel" zu bewerben. Als erste Pfarrei im Dekanat Weiden haben sich die Flosser aufgemacht, der Auszeichnung ein Stück näher zu kommen. Aber was ist eigentlich der "Grüne Gockel"?

Dahinter steckt eine Methode des nachhaltigen Umweltschutzes, "dem sich alle Gemeindeglieder verschreiben sollten", erklärt Santtu Weniger Mitglied des Umweltteams und Ehemann der Flosser Pfarrerin Lisa Weniger. Denn: "Was nützt es, wenn nur eine Handvoll Menschen zum Beispiel Strom spart? Wenn dann müssen alle mitmachen."

Schöpfung im Mittelpunkt

Bei der Auftaktveranstaltung im Januar 2014 haben zehn Gemeindeglieder der evangelischen Pfarrei St. Johannes Baptista beschlossen: Es muss sich was tun. Alle sollen an einem Strang ziehen. "Das ist eine Teamarbeit der Gemeinde", sagt er weiter. Für jeden ist was dabei. Für die Buben und Mädchen des Kindergartens wollen die Mitglieder in Zusammenarbeit mit dem Kindergarten ein Insektenhotel bauen. Die Pfarrwiese soll zu einer blühenden Landschaft werden. "Wir wollen die Wiese mit Pflanzen besäen, die dann die ganze Saison über blühen, damit die Bienen wieder Pflanzen finden." Auch für die Konfirmanden und Präparanden ist ein Projekt geplant. 2014 haben deren Eltern zum Beispiel einen Baum für den Friedhof gespendet.

Die Schöpfung steht bei der Initiative "Grüner Gockel" klar im Vordergrund. "Wir engagieren uns gerade als Kirche, eben wegen des Schöpfungsgedankens." Und: "Die Natur ist nicht auf uns angewiesen, aber wir auf sie." Damit sich auch wirklich jeder einbringen kann, haben die Verantwortlichen des Teams Infokästen im Gemeindehaus und in der Kirche angebracht: Jeder hat so die Möglichkeit, Ideen, Anregungen und Wünsche vorzubringen. "Der Rücklauf ist jetzt nicht riesig." Nichtsdestotrotz seien die Vorschläge, die eingehen, auf jeden Fall brauch- und umsetzbar.

Unter anderem standen auf den Zetteln Sachen wie "Wir leben in der Gegenwart aus der Vergangenheit für die Zukunft", aber auch direkte Maßnahmen: eine Solaranlage für das Gemeindehaus, Heizungen überdenken, Energie einsparen. "Heizung und Strom bewegen die Menschen am meisten", weiß Weniger.

Doch der Weg, das Zertifikat "Grüner Gockel" zu bekommen, ist nicht einfach. Seit gut einem Jahr sind die Mitglieder des Umweltteams dabei, sich diesen Titel zu verdienen. Eine wichtige Rolle spielt die Umweltauditorin: "Jede Gemeinde, die den ,Grünen Gockel' haben möchte, braucht eine." Und schon da hatten die Flosser Glück: Carmen Riebl, die auch die Idee zur Bewerbung hatte, hat sich zur Umweltauditorin ausbilden lassen. Riebl war mit Jugendlichen im Dorf unterwegs und hat vermeintlichen Müll eingesammelt. Daraus haben die Jungen und Mädchen Mäppchen gebastelt. Als Umweltauditorin begleitet Riebl das Projekt und steht mit Rat und Tat zur Seite.

"Die Kriterien, die wir erfüllen müssen, umfassen einen ganzen Katalog", sagt Weniger weiter. Zum Beispiel: Zunächst muss der Kirchenvorstand den Beschluss fassen, sich um den Titel zu bewerben - "und vor allem transparent arbeiten". Denn die gesamte Kirchengemeinde soll und muss dahinterstehen. Dann stand die Gründung eines Umweltteams an, das Schöpfungleitlinien formulierte (siehe Kasten) .

Pfarrhaus, Gemeindehaus, Kirche und Friedhofsgelände mussten einer Bestandsaufnahme unterzogen werden. Ein halbes Jahr lang zeichneten die Männer und Frauen zum Beispiel den Zählerstand des Stroms auf, protokollierten den Verbrauch der verschiedenen Putzmittel oder vermaßen das Gelände.

Fair-Trade-Produkte

Gerade ist die Mannschaft dabei, ein Umweltprogramm zu erstellen. "Einige Sachen sind auch schon umgesetzt", erzählt Weniger. So druckt die evangelische Kirche in Floß ihren Gemeindebrief auf recyceltem Papier und nutzt die Obstbäume aus dem Pfarrgarten für ihre eigenen Zwecke: "Wir haben Apfelsaft gepresst." Außerdem werden im Eine-Welt-Laden nur fair gehandelte Waren verkauft. "Umweltschutz muss man auch global sehen." Dafür bekam die evangelische Kirchengemeinde auch ein Schild von "Brot für die Welt", damit gleich zu sehen ist, dass hier nur fair gehandelte Produkte zum Verkauf angeboten werden.

Wenn alle Kriterien erfüllt sind, kommt von der Planstelle für Umweltschutz der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) ein Prüfer, der alles begutachtet. "Wenn dann alles passt, bekommen wir das Zertifikat. Der Plan ist, dass wir es im Juni/Juli bekommen", ist sich Weniger sicher.
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.