Sudpfanne beerbt Wurstkessel

Ludwig Koch und Harald Schaller (von links) haben die Brauhaus Floß GmbH gegründet und wollen dort, wo jetzt noch Wurstkessel der ehemaligen Metzgerei Aichinger stehen, Sudkessel für die neue Brauerei einbauen. Bild: ui
Lokales
Floß
20.11.2015
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An prominenter Stelle, direkt an der Floßbrücke, residiert das Gebäude der alteingesessenen Ochsen- und Schweinemetzgerei. Die Aufnahme stammt aus der Zeit vor dem Krieg. Repro: ui

Floß bekommt ein eigenes Brauhaus. Harald Schaller und Ludwig Koch wollen an neuer Stätte ab dem nächsten Jahr mit der Bierherstellung beginnen.

Die beiden Räucherschränke sind verrostet, nicht mehr zu begebrauchen. Daneben stehen zwei rechteckige Wurstkessel aus Edelstahl. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als könne man morgen wieder Brühwürste darin sieden lassen. Auch die Haken in den beiden Kühlräumen der vormaligen Ochsen- und Schweinemetzgerei Aichinger sind blank und sauber.

Doch Schaller und Koch haben andere Pläne mit den Räumen, die sie langfristig von der Raiffeisenbank gemietet haben: Im nächsten Jahr wollen sie in den Kühlräumen ihr Bier vergären und reifen lassen, die Wurstkessel durch Sudkessel ersetzen. Im Moment warten sie auf die Genehmigung der Nutzungsänderung durch das Landratsamt. Wenn die vorliegt, will das Duo das auf eine Investitionssumme von 100 000 bis 150 000 Euro ausgelegte Projekt starten. Kopfzerbrechen bereitet ihnen derzeit noch der Brandschutz in dem historischen Gebäude, in dem über einer Tür die Jahreszahl 1795 eingemeißelt ist.

Tipp vom Vater

Schaller, der in der Raststation am Bocklradweg seit fünf Jahren sein selbst hergestelltes Bier ausschenkt, ist mit Brauer Koch seit längerer Zeit auf der Suche nach einem geeigneten Objekt. Die beiden hatten auch weit gediehene Überlegungen, bei einer bestehenden Brauerei in der Region einzusteigen. Ein Neubau war ihnen zu teuer.

Letztlich war es Schallers Vater Josef, der den Junior auf die leerstehende Metzgerei aufmerksam gemacht hatte. Bei Bank, Bürgermeister und Marktrat sowie den Vereinen sei man mit der Idee positiv aufgenommen worden. "Für die Flosser Kirwa sind wir noch zu klein", lacht der 49-jährige Schaller. Aber beim Bürgerfest und dem Pfarrfest soll das Bier der in dieser Woche gegründeten Brauhaus Floß GmbH im kommenden Jahr aus dem Zapfhahn fließen. Koch: "Das Rezept für das Festbier ist bereits erprobt."


Der 26-Jährige hat vor fünf Jahren bei der Brauerei Püttner in Schlammersdorf gelernt und ist vielen Bierenthusiasten in der Region von seinen Braukursen bei der Volkshochschule Weiden bekannt. Koch arbeitete dann ein Jahr als Destillateur bei der Steinwaldbrennerei Schraml in Erbendorf und jetzt als Brauer in Plößberger bei der Brauerei Riedl. Nebenbei macht er in Kulmbach den Meister. Die Ausbildung zum Biersommelier will er folgen lassen.

Innovative Biere

Neben dem aus der Raststation bekannten Braunbier Prellbock 42 will Koch ganz neue Rezepte ausprobieren, mit Hopfensorten und Hefen experimentieren. Damit liegt er ganz im Trend junger, handwerklich hergestellter Biere, die unter dem Namen Craft Beer für Genuss und Gesprächsstoff sorgen.

Im ehemaligen Verkaufsraum wollen die Flosser Brauer etwa einmal pro Monat analog der Oberpfälzer Biertradition drei bis vier Tage lang in einer kleinen Stube ihre Spezialitäten ausschenken. Hier könnten auch Bierseminare und -kurse angeboten werden sowie Brauereiführungen mit einer Verkostung enden.

Die ersten Sude des neuen Brauhauses werden wohl noch in Schallers kleiner Brauanlage aus großen Knödeltöpfen kochen, die der gelernte Bankkaufmann und Immobilien-Sachverständige Schaller in der Raststation stehen hat. Geplant sei aber eine Zehn-Hektoliter-Anlage, eine Größe, wie man sie aus vielen Wirtshausbrauereien kenne. Koch wünscht sich dafür wenig technischen Schnickschnack. "Ich braue handwerklich und heize mit Gas."
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